Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 44 (21.11.1919)
- Date
- 1919-11-21
- Page
- Seite 605 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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m, u Dr. Bloches jüHrgaxig XXXVI Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums -,„ ...jgggggp. «xnwooo» Pottsparkassenamt Deutschste, reich: 810.976 Ungarn: 5 634 Tschecho-Slowak.: 10.973 oooo Redaktion und Administration: Wien, U/1, Praterstraße 9 Telephon 45.359 W3OCCC«/enCpC0OOTÖÖ0«v;<XiW^ Wien, 21. November 1919 Erscheint jeden Freitag Brief-Adresse: Wien. Praterstraße Nr. t Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift Wie« Bezugspreis i D.-Österr,t Halbjl<r!g . . . 13 Krone« banzjftbrig ... 3 üroo&a tü Tschecho-Slow. jäöiL 3» K. für Deutschland uad üas fibrigs Aitäian ja r.ici» . . 3» Alk. Bio elezemp are . tO Heiler Anzatgaa.Di zweimal gespaltene P«titzeüe 7a He.icr Inhalt: Leitartikel': Die Judenfrage in Ungarn. — Monistische Märchen. — Vom Jahrmarkt des Lebens. Glossen, zur Tagesgeschichte. — Pogromhetze am Nationalfeiertag. — Ein Studentenkouflikt an der Hamburger Universität. — Proz^ntnorm für Juden an "der Posener Universität. — Die Frage der Sonntagsruhe. — Eine arabische Demonstration in Damaskus. — »Pogrom« als Schutzmarke. — Die Benennung Konstantinopels rei den Juden. — Korrespondenzen.: Die Generalversammlung der »Adas Jisroelc. — Hilferuf der Ukraine. — Von der Pester israelitischen Religionpgemeinde» — Ein ungarischer Politiker Ober den Antisemitismus. — Frankreich. — Berlin. — H.indelspmjfkte für Paiättina.— Verkehr in Palästina. — Die jüdischen Fischer in Tiberias. — Vermischtes. — Feuilleton: Jüdische Pauste. — Literatur. — Briefkasten. — Inserat Die Jadenfrage in Ungarn* Zu den vielen Gebresten, an denen das unglückliche, so schwer heimgesuchte Ungarland kiiet, hat sich in neuerer Zeit auch die Krankheit der Judenfrage hinzugesellt. Die judenfeindlichen Blätter haben sie aufgerollt und selbst die früheren liberalsten Führer der Nation wagen es heute nicht, offen gegen diese Verwüstung der ungarischen Volksjaeele Stellung au nehmen. Die ungarische Presse hat in den jüngsten Tagen Aeußerurigen hervorragender Politiker — wie des einstigen Ministerpräsidenten Dr. Alexander Wekerle,' des Grafen Juliu3 Andrässy, des Barons Julius : Wlassics usw. — veröffentlicht, die das Bestehen einer Judeufrage in Ungarn zugeben und di3- Notwendigkeit ihrer Lösung betonen. Mit der Aeußerung des Grafen Julius Andrä8sy nun befaßt sichder bekannte Schriftsteller Thon mas Köbor im „Az Ujsag" in einer vier Artikel umfassenden Serie. - - Köbor geht von der Anschauung aus, daß es in Ungarn keine gesonderte Judenfrage, sondern nur eine ungarische Frage gibt und geben kann. Vergebens trachtet man die Judenfrage in antisemitischem, vergebens auch in philosemitischem Sinne zu lösen. "Würden di3 Juden die Judenfrage im Sinne der Aeußftr'ing des Graft-n Andrässy, sie mögen diese Frage selber lösen, beilegen, so würde daraus alsbald die gesonderte Organisierung des ungaiischen Judentums auf einer besonderen Bassengrundlage hervorgehen. Da, nun heute sämtliche Friedensverträge die strenge Durchführungde3 MinoiiDatenschutzes als conditio sine qua non aufstellen, würde die Organisierung diaser Juden als besondere Sasse sie auch, unverzüglich unter diesen Schutz stellen und das, Judentum würde mit eiaem Schlage von all dem befreit werden, wa3 ihm heute von antisemitischer Seite droht. Doch die ungarischen Juden sind in erster Reihe Ungarn und wollen eben deshalb diesen Weg muht betreten. Die Judenfrage ist im Endresultate eine Wirtschaft* liehe und keiae konfessionelle oder Baasenfrage. Das Ungartum beginnt bereits einzusehen, daß e3 in Zukunft neue Arbeitsgebiete betreten muß, daß es Handel und Gewerbe nicht wia bisher al3 untergeordnete Beschäftigungen meiden darf. „Und die Lösung der Judenfrage", fährt Kobor in seinen * Erörterungen fort, „ist dia Anerkennung der "Wahrheit, daß diese Laufbahnen jedermann offen stehen, ohne daß man ihre älteren Kul i atoren vertreiben, oder totseh agen müßte*. Die Frage der Ehrenhaftigkeit und der Nützlichkeit wieder kann und soll mit allgemeiner Säuberung und Auswahl gelöst werden. Wenn wir sagen, daß jedermann ehrenhaft, nützlich sein und ungarisch fühlen muß, dann haben wir auch' die jüdischen Nichtsnutze getroffen und es schadet der ungarischen Nation wahrhaftig nicht, «wenn sie in Et* mangelung de3 einschränkenden Beiwortes „jüdisch" auch von den nicht jüdischen schädlichen Elementen befreit wi^dT. An einer anderen Stelle sagt der Artikelschreiber; „Die These steht fest, daß das Judentum mit der Kraft der Volkswirtschaft auf jenen Geübten wirkt, auf denen es ersichtlijßkeine Rolle spialt. Das jüdische Geld iat auch in der Poliiik .fühlbar. Das iat eine zweifellose Tatsache, es wirkt aber nicht al3 Führer, sondern nur als Diener. Nach der Natur des Kapitals ist es regierungsr. freundlich, ausgenommen die Bolschawikiregierung, die es töten will. Indem es aber jeder Regierung diente, diente es immer nur einer ungarischen Eegierung und es könnte nur dann unpatrlo:i;ch genannt werden, wenn wir in der Reihe der Regiarungen eine unpatriotische Regierung anerkennen ... ,Ea steht auch fest, daß die Mitarbeiter der Presse zu überwiegendem Teile Juden sind, doch die Presse wurde ganz und gar nicht von Juden dirigiert, sondern stand mit ihren jüdischen Mitarbeitern wieder nur den politischen Führern zur Verfügung, und diese waren in keLier Partei Juden und verfolgten auch keine jüdischen Zwecke . . . Das Ungartum ist nicht so stark, sich unter dem Titel de3 Antisemitismus amputieren zu können, es kann aber auch niemals so schwach werden, um nicht eine überlegene mäch Ii je Garde des Judentums zu bleiben." Offener, entschiedener i3t schon die Stellungnahme de» Jüstitzministers a. D. Dr. Wilhelm Väzsonyi, dieses allgemein bekannten Führers der ungarischen Demokratie, der sich inmitten all der politischen Kämpfe der letzten Jahre sein - warmes jüdisches Gefühl ungeschmälert zu wahren gesucht hat. In einem Leitartikel de3 „Neuen Fester Jourcalä" be.p.icht er auch 8ei.e:B3:t3 dio jüdische Frage. Beleuchtet in scharfea Unuijsen die Agitation d«f