Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 43 (14.11.1919)
- Date
- 1919-11-14
- Page
- Seite 603 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/3020846-3022353-3022391--28083-3053536- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Ä».\ 4H ßr, ßfcO€H'S Wd6HB»ä(3mlF^ Seil» fc& leone ruht: in einem prächtigen Sarkophag mit hochr . trabender Inschrift im -Klosterhof von San Paolo Fuorile'Mura. Wo "Papst Anakletbegraben ist, weiß ich nicht.*)...... Die angebliche Verwandtschaft mit dem' Hause Habsburg -ist . von - der; historischen Kritik angezweifelt Worden, aber in;allemeuester Zeit ist noch ein, anderer l>apst für die Familie Pierleoni in Anspruch .genommen worden. Kein geringerer als Gregor VH./der Einführer des Zölibats der Geistlichkeit, der -gewaltige Gegner Heinrichs IV., vor dem der deuts'che Kaiser sich' barfuß im Schloßhofe^ von CanoSsademütigen mußte, soll ebenfalls ein Judenstäminling,ein Vetter Anaklets, gewesen sein. Und es ist, nicht, etwa ein auf Entdeckung barühmter Volksgenossen erpichter jüdischer Schriftsteller, sonder^ ein italienischer Gelehrter, P. Fedele, der diese Entdeckung gemacht und mit nicht zu verwerfenden Beweisgründen in einer wissenschaftlichen italienischen Zeitschrift — ArcMvio della societä romana di storia patria, XXVII — veröffentlicht hat. Den Ausgangspunkt seines Le famiglie di Anacleto II e di Gelasio II betitelten Aufsatzes bilden die Peggauer Annalen (in Monumenta Germ. hist. Script. XVI), in denen Petrus Leonis ausdrücklich der Onkel Gregors ,VII. genannt wird, sowie die Angaben seiner Zeitgenossen über - sein Aussehen, die wohl auf einen Juden passen können. Wie Fedele, auf hoch andere Beweismittel gestützt, annimmt, war Gregor „der Sohn Bertas1, einer Tante Anaklets, die einen vornehmen Römer geheiratet hatte, also dessen GeSchwJsterkind. M. Tangl, der im Neuen Archiv für ältere deutsche X^chictekua^e (1905, :Band 31) die Darstellung Fft^e^<^B^pf^/?:#itzt sich auf-r den^Jmstand, -daß keinfer der: zei^enössiselhfeh, .'Gegner Gregors ihm jüihSche. Abkunft vorwirft,, sowie auf den Altersunterschied. Es ist, meint er, nicht .möglich', daß Gregor,der im Jahre 1073 Papst wurde,, ein Cousin Anaklets .war, der 57 Jahre, später , den päpstlichen Thron bestieg. Aber wir wissen weder. daS Geburtsjahr Gregors1 noch das Anaklets mit Sicherheit. Ersterer ist nach manchen Angaben im Jahte 1020 geboren. Anaklet, der schon 1138 gestorben ist, kann - wohl schon 1060 geboren sein, der Altersunterschied würde sich also auf vierzig Jahre reduzieren, was bei Geschwisterkindern nicht so unwahracheinlich ist. Uebrigens1 gibt auch' Tangl zu, daß Fedeles Hypothese „so sachkundig und geschickt vorgetragen ist, daß sie ernste Beachtung und eingehende Widerlegung verdient". Schwächer sind die Argumente Fedeles für die jüdische Abkunft Gregors Vi. (1044 bis 1046) und für seine Verwandtschaft mit den Pierleoni. Sie bestehen hauptsächlich darin, daß er, bevor er Papst wurde, Johann Gratian hieß und diese Namen in der Familie Pierleoni häufig vorkamen. Dann ist Ihm1 Gregor VII. sehr anhänglich gewesen, hat sein. Vermögen geerbt und ihm' zu Ehren als Papst den Namen Gregor angenommen. Dagegen ist aber einzuwenden, ,dä4 da er 1044 auf den Stuhl Petri gelangte, er nicht später als 1020 geboren sein kann. Damals war der Großvater Anaklets noch nicht geboren, und von einem älteren Bruder dieses wahrscheinlich noch als Jude geborenen Leo wissen wir nichts. Wir können also den sechsten Gregor als" von jedem jüdischen Blutstropfen reinen Christen annehmen. _ (Schluß folgt.) *). Einen höchst interftssanten .Aufsatz über das Msreellusibeuter und seine Schicksale hat die gelehrte. Archäologin Gräfin lrfilia Gaetani-Lovatelli in der Nuova Antolögla vom 1. April d. J. veröffentlicht: Literatur. ' „Der Prager Golem.";. Von Rabbiner Dr. J. G u a ii g (Losebit2). . t Vor mehr als zehn Jahren .habe ich mich mit einer Arbeit über das 'ebenso dunkle wie interesslant» Problem des Golem beschäftigt. Es sollte eine gründliche Untersuchung über das Wesen des Golem, diese» rätselhaften Scheinmenschen, seine Entstehung und Entwicklung, wie über die an ihn sich Imüpfenden Sagen und Legenden im jüdischen Volksmunde werden. Verschiedene Ursachen haben mich' von der Vollendung meiner zu weit angelegten Arbeit abgehalteh. Doch habe ich einige Kapitel davon iä . verschiedenen. Zeitschriften veröffentlicht; andere noch unvollendete ruhen in meinem Pulte, darunter das „Der hohe Rabbi Löw und sein Golem" überschriebene. '; Seitdem haben sich mehrere Forscher mit der Frage dieses Problems beschäftigt, aber sie alle haben das Problem nicht gelöst, sondern nur noch mehr verwickelt, da ihnen die meisten Sagen, die sich an die Gestalt des Golem knüpfen, verschlossen gebheben und andere wohlbekannte von ihnen: über-" sehen worden sind. Da ist nun ganz unerwartet vor kurzem ein jüdischer Gelehrter, Chaim Bloche mit einer anderthalbhundert Seiten starken Legendensammlung über den Prager Golem*) hervorge-; treten, die uns zum' ersten Male Aufschlug über viele diesbezügliche Fragen gibt und die uns zu einer tieferen Erschließung dieses rätselhaften Problems mehr als alle die bisherigen Versuche zu fuhren*;' imstande ist. Wohl ist die Frage nach dem Wosen* dieser Wundergestalt, wie nach dem aU^memea. Mötiv dieser Schöpfung und der sich an sie imüpfeniden Sagen bedauerlicherweise noch immer nicht beantwortet -res ,war dies auch nicht die Aufgabe des Verfassers und der Zweck seiner Untersuchung aber durch die zahlreichen von ihm. gesammelten und übersichtlich geordneten und dargestellten Golemsagen gibt er uns' zahlreiche Anhaltspunkte an die Hand, durch die wir unsere Untersuchungen auf die1- Sem' Gebietebeweiskräftiger zu gestalten und auf denen wir unsere Schlüsse zur Lösung dieser be-* deutungsvollen Frage viel - leichter, als - es bisher der Fall war, aufzustelien-vermögen. ' CÜhaim Bloch, der sich bereits durch) Veröffentlichung seiner chassidischen Geschichten in die jüdische Literatur bestens eingeführt hat, hat ühsThier in 27 Erzählungen/Üie er aus einenl altc-n hebräischen^ Werke, in dem sie so lange unnütz geschlummert, ans Tageslicht gezogen, ein treffliches und vollendetes Bild des sagenumwobenen hohen Rabbi Löt und des von ihirn' geschaffenen Golem entworfen und uns zugleich den tieferen Sinn der Sagen erschlossen, ' die sich an diese Scheingestalt knüpfen, sowie der vielen Wundertaten, ' die der hohe Rabbi Löw mit dieser vollbrachte. Mit besonderer Anmut und vielein " Liebreiz schildern sie die Geburt Rabbi Löwss (in. der ersten' Sedernacht des Jahres 1513) und dessen Jugendjahre, seine Verlobung mit der Tochter <ies frommen und reichen Primas R. Samuel Scbmeike; Reich1 in Worms, sein Wirken und Schaffen," bierichten sie von seinen Disputen mit der Präger Geistlichkeit (unter Kardinal JohannSylvester) zur Ab1 *) Der Prager Golem von »ein.« »GakuiU41& zu.ieinem »Tod«. Naeh einer alten Handschrift bearbeitet von Cba'jim Bloch. Mit einer £iniertüng von'ffftn* Ludwig Heid.- Wim 1919.. Verlag- Dr: Bloch« Wociwasebri|t 169 Seilen. , . . . . i,