Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 43 (14.11.1919)
- Date
- 1919-11-14
- Page
- Seite 595 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3020846-3022353-3022391--28075-3053528- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
SäSMEK»; Wr. m Dr. BCOCH'S WOCHENSCHRIFT Sffite m Leute haben die Monarchie zerschlagen, sind an dem Tod;-von Millionen" Mensiehen skMiid, haben uns ins Elend gestürzt, waren das Verhängnis1 der Gesellschaft im kleinen - wie' im' großen.: Wenn sie eine Spur-von Gewissen hatten, müßten sie sich' verkriechen und" für immer verschwinden. Mit eiserner Stirne tauchen sie aber immer wieder' auf und wollen die t Herrschaft über die von ihnen uns Ünglück gestürzte Menscihheit wieder haben: Sie nehmen ihren Weg wieder über dasi Ghetto und der blinde Haufen strömt ihnen wieder zu ins1 eigene Verderben. Allerdings1 ist auch' die Gefahr für uns' Juden wieder im Anschwellen und wir werden trotz 'unserer Unschuld Mühe haben, uns1 gegen die Rotte der Korruption und Gewissenlosigkeit zu Wehren. * * ... * . Der Antisemiti.slnms1 der Buben am Franz Josofskai dauert weiter fort. Am1 letzten Sonntag haben sich wieder einige hundert Schüler und Anhänger der christlichsozialen und großdeutschen Propaganda zwischen den Städtbrücken des1 Donaukanals versammelt, . haben die. armen Wachleute um' ihre Sonntagsruhe gebracht und. einige galizisChe Juden belästigt. Ihr angeblicher Zweck besteht bekanntlich' darin, den . Flüchtlingen, den Ausweisungsbefehl in Erinnerung, zu bringen. Während die dummen Jungen noch' de- . m'onstrieren, steht in den Zeitungen zu lesen, daß die Flüchtlinge sogar.für Viehwaggons zur Rückbeförderung in ihre. Heimat die höchsten. Preise bezahlen, hur .um' endlich1 von Wien loszukommen.. Es 5 ast also, in keiner Weise nötig;, mit frechen Gewalttätigkeiten gegen sie loszugehen. Im übrigen haben ..die. . antisemitischen Helden ,,auch! diesmal kein großes Glück gehabt und einige von ihnen werden .^si^t apii Inächsten. Sonntag?:das. aiitisfem^tis'dhe Bum- T mein, wohl abgewöhnen. Von jüdisichhationaler Seite haben .nämlich. Gegendemonstrationen stattgefunden und von den Deutsch'nationalen wurden Stockhiebe " nicht nur gegeben: sondern in viel größerer Anzahl ..auch genommen. . Esf ist jedoch' bekannt, daß Verr ' yämjmlun'gen unter freiem. Himmel jetzt überhaupt verböten sind. Was für die Kommünisten angeordnet .wurde, gilt auchr für die Antisemiten. Man soll also die jungen Leute von vornherein nach' Hause schicken,; damit sie etwas anderes lernen, als' alte Juden im' Namen des1 Germanentums' zu molestieren. * * *•' . .; Auch' in Deuts^iland' sind die Antisemiten so frech wie 'bei ims*. Sie waren es', die . Alldeutschen voran, die den-Krieg gemacht und außerdem' durch' Schwindel und Lüge das1 Volk zum Verbluten. gebracht haben. Man denke nur an die freche Zurück- . Weisung des Witsöns'chen Friedensversüches;. an die mäßlosen Krie^sziele, an die lügenhaften . Berichte über die U-Boote. Trotzdem' hält die volksverräterifefche Partei die Köpfe hoch und rettet sich1 aus' ihrem Sumpf auf die Arche des. Antisemitismus*. Die Juden haben unter wütenden Angriffen zu leiden, mit denen •sich7 Professor Gerland an leitender Stelle int „Berliner Tageblatt" beschäftigt. - ' . Er sagt dort unter anderem' Worte, 'die genau -auf unsere Verhältnisse passen und lauten: „Die Behauptung, daß unsere, jüdischen Mitbürger in viel weiterem Umfange. vom Krieaslrlienst reklamiert gewesen seien, als die christlichen, ist unzutreffend. Denn es1 wird bei diesen. Zahlen nicht berncksichltigt, daß die ungeheuer große Menge der Reklamierten, die Arbeiter in den Bergwerken und in den Mu- -nitonsfabriken doch sicher nur zum geringsten Bruchteil jüdischer Konfession, .sind.. Es* müßten bei allen diesen Vergleichen ferner auch die zahlreichen Offiziere mit herangezogen werden* .die während des Krieges zu Stäben der Heimat kommandiert waren. Gewiß waren sie nicht reklamiert. Aber der Endeffekt war derselbe, und ich glaube, man brauchte nur einmal die Zahlen des; Kriegsministeriums in Betracht zu ziehen, und man würde erstaunliche Feststellungen treffen können. Daß ich' diesen Offizieren keine Vorwürfe aus* ihren Kommandierungen mache, versteht sich' von selbst. Denn sie waren in der Heimat unentbehrlich, und das* richtige Prinzip einer jeden ■Kriegsführung und Verwaltung ist, daß jeder nach' seinen Fähigkeiten am richtigen Platz eingesetzt wird. Nur für die vergleichende Statistik können sie nicht fehlen. So könnte man noch manche gewichtigen Gründe gegen die antisemitische Agitation ins1 Feld führen. Allein gegen Sentiments kämpft sich' schlecht, wenn überhaupt mit Reflexion. Und so glaube ich, wird diese ganze Aufklärungsarbeit sehr wenig Erfolg haben gegenüber der einfachen, sattsam1 bekannten Taktik der Gegner: „Tut nichts!, der Jude wird verbrannt." Oer Bo&ettewtemus und die ungarischen Juden. Angesichts' der von gewissen unverantwortlichen Kreisen mit großer Gehässigkeit immer wieder verbreiteten Verleumdungen eines tieferen Zusammen- Jbanges zwischen dem Bolschewismus und dem Judentum in Ungarn ist es wohl am Platze, wenigstens* in großen Zügen das! Martyrium zubeleuchten, das* die ungarische Judenschaft — ebenso wie die ctmstlichen Mitbürger des Landes — unter der Räteiegierung zu erdulden hatte. Es gebricht uns an Raum, alle?die Verfolgungen, und ausgesprochen judeafeindlichen Verfügungen anzuführen, deren süipihJ diese Rlfcteregierung in den hundertdrsiunddreißig Tagen ihres Bestandes1 schuldig eemacht hat. Immerhin wird auch! schon eine kleine Auslese .genügen, den Beweisl dafür zu führen, daß die ungarischen Juden In ihrer Gesamtheit nichts mit einem System1 gemein haben konnten, welches ihnen derartige Leiden auferlegt hat. Bekanntlich' hat die ungarische Räferegierung un- . mittelbar nach der Uebernahirie der Macht in der Hauptstadt sowohl wie auch in den größeren Provinzstädten unter den führenden politischen und bürgerlichen Kreisen eine Unzahl von Geiseln verhaftet. Daß sich1 unter diesen Geiseln aucM zahlreiche führende Juden befanden, die in den Kasernen der Lenin:Buben zurückgehalten und ebenso unmenschlich behandelt wurden, wie die übrigen, beweist folgende, bei weitem nicht vollständige Liste der jüdischen . Geiseln der Hauptstadt: Franz S z 6 ke ly„ Präsident der Pester Israelitischen ReTigionsfcemeinde, Abraham von Freudiger, Präsident der Pester autonomen Orthodoxengemeinde, die Gemeindevorstände Gustav G. Ehrlich, Dr. Sami ei GlücksthräI, Baron Bela Dirslztay, die Barone Theodor und Josef Wolf ner, Baron Ado7f Kohner, Baron Adolf Ullmann, der große Philantrop Baron Manfred Weiß, der einen Selbstmordversuch verübte, um inur seinen Peinigern zu entgehen. Die revolutionären Gerichte wüteten allenthalben ebenso gegen die jüdischen, wie gegen die anders'- gläubigeax „Gegenrevolutionären". Mord, Raub -und Plünderung von Juden stand überall auf der Tagesordnung. In Miskolc wurden der Arzt Dr. BeTa Klein» der Grundbesitzer. Bernat Lefkovits'ch und $er Hörer der Medizin Bela R 6 z $ a v ö 1 g y i, in Nagy- 'ü f l