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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-11-14 · 43 (14.11.1919) · p. Seite 592

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
43 (14.11.1919)
Date
1919-11-14
Page
Seite 592 (sequence 4)
Language
German
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Seie jM bi± BLüCti'S .W.0CHii;NSCHKll?1? Darwins bezeichnet, gilt^s auch' für das! Judentum?*); Mit welcher Freiheit imsere jüdischen Schjri'fterkiärer und Rehgk>nsphnosöphen die bibhschje Schöpfungsgeschichte behandem,;mußi schon, dem.' j u g e.n d - liehen Geiste bei. den ersten .Worten, äes Chorführer» unter unseren klassischen Kommentatoren, Ras chi, auffallen. Alle Theorien über die Schöpfung sind eben nur Aga «da, ohne jede dogmatische Bedeutung und religiös' verpflichtende .Wirkung, dem Spiel der -Phantasie ohne Eins(^änkung freigegeben;. .Versteigt sich doch kabbalistische yerirrung sögar bis zum Liebäugeln mit der Dreieinigkeit! Fasjeleien, von denen uns1 ein, Jakob Emden mit dem Notung schneidender Kritik erlöste,; Wann kommt auch uns ein .solcher Känipe gegen, das Nibelheim' unserer modernen mystagogischen Chiistliebe",? Die Reihenfolge der Schöpfuhgstage ist nach Raschi ganz irrelevant Die Schöpfung des' .Wassersmußj der der Erde vorausgegangen sein. Die eigentliche Schöpfung hat be- . reits am ersten. Tage stattgefunden.. An .den folgenden werben nur die einzelnen Schöpfungen ihrer Bestimmung zugeführt,. Die, am vierten, läge, in Funktion tretenden Gestirne sollen dein' Menschen dazu dienen, unabhängig von idem Weofrsiel von Hell un,d Dunkel, der schon am ersten Tage eingetreten, durch Beobachtung ,de* Sterne die Zeit zu berechnen. Hier ist deutlich |die Anschauung ausgesprochen: Aus einem Primjären haben sich sekundäre Bildungen entwickelt. In der alten, auf Aristoteles zurückgehenden. Terminologie: das Potentielle, wurde aktuell. Noch mehr: Aus dem Anorganischen entwickelt sich1 das1 Organische 1 Oder Mie es! der Midrasch ausdrückt: ^Wer da, sagt^ die Welt sei aus dem Tohuwabohu geschaffen saorden, geht nicht (eno pogem) fehll" Allerdings ist von. einer Deszendenz, etwa der Tiere von den Pflanzen, hier, noch nicht die Rede,. Sehr dehnbar ist je.doch (die Deutbarkeit des1 - talmudischen Satzes (Rosch haschanahj 41a): „Mit allen Werken der Schöpfung sin,d sogleich alle ihre EntwicMungsmöglichkeiten mitgeschaffen worden, sie trugen schon im Keim1 ihr körperliches Maß, ihr „tsibhjon" und ihre ganze geistige Entfaltung in sich." Der Sinn des'Wortes! „tsihhjon" i£t umstritten;. Die annehmbarste Deutung lautet: „Alles, was sich je aus1 dem Geschöpf entfalten kann, wie beim! Tiere die einzelnen |m fortschreitenden. iWachstum hervortretenden Organe." Wir nennen es! heute: Ontogenese. Etymologisch wird das' Wort ^tsibhjoin." mit „tsabha" zusammengestellt, wie es Genesis 2, 1, gebraucht wird : „Vollendet twjaren so Himmel und Erde und all ihr „tsahha"a -jd. Ü. ihr „Heer", wie, [die landläufige Uebersetzung lautet. Auch Jes'aja 34, 4 spricht von diesem „Heer des" Himmels!'V und nach Nehemia 9, 6, ist junter „tsabha" zu verstehen, was1 den Himmel und entsprechend die Erde und das- Meer „füllt" (vergleiche, das* vierte Gebot). Hiernach ergibt sich das'ansprechende, auch von Herder angewandte Einteilungsprinzip des Sechstagewjerkes der Schöpfung: In den ersten drei Tagen wurden Himmel, Erde und Meer geschaffen, in der zweiten. Hälfte ihr .„Heer", dl h1. jdie Gestirne und „alles!, was; sich" bewegt" in Luft und Was'sjef und auf Erden,^— Ti e r - (l)kreis, Erdkreis, Wasserkreis1 (Okeanos), —i wobei die Pflanzen „als1 Kleid der Erde" in die Schöpfir)ig des ■*) Hätte je ein Jude, wie Augustinus, beten können: >Da mihi, Domine, pauperum intellectum et divitem fidem«? Bitten wir Gott nicht dreimal täglich um Wissen, Verstand und Vernunft? Festlandes am1 .dritten Tage - n^teinb^riffen. werden^. Würde aber, ha'chi jenem»/^ jedes „Heer" im^Keiriie mit seinem .M zugleich geschaffen, dann ist es doch1 mü f#uKph E volutio p; aus! diesem „h e. r v O; r g e g a)i g fei n' V urijd - voneiner eigentliöhen 3 c h ö p f u ng kann nur bei den drei Elementen Luft,. .W-a$g#rc!imd'-'Erde gesprochen werden, zu denen a${|<: viertes!* jdie;' Schöpfung des ersten Tages1, „Or", das! „leuchtende" F.e.ue'i», hinzukäme/ Hiob 37, 3. 11. lö (vergleiche 36, 32) wird ja mit „Or'vjder Blitz bezeidhjneis - Von dieser Reduzierung des Geschaffenen auf vier Elemente ist-dann nur noch ein Schritt zur Annahme, eines ei n z i g e n Urelementes!. Ein, jüdischer Denker des' Mittelalters^ einer der gefeiertsten Dichter der Synagoge, ist auch'.vor dieser Konsequenz nicht zurückgeschreckt. Gabirol führt, freilich ohne Anlehnung an den Bibeltext, die gesamte Schöpfung auf einen Urstbff (J'Ssod k'lali) und e i n e Urform (Tsüra Vlalit) zurück.'D.er Eine könne nur Eines hervorgebracht habien,. Das ist Monismus:. Wenigstens im* Sinne H a e k - kels, dessen Substanz ja im Grunde auch dualistisch' ist Als! Komposition^von Stoff und Kraft, bestehend aus Masse und Äether, sich) äußernd in Ausdehnung und Empfindung. (Job. Jeremias.-) An, das "Protoplas-ma unserer Monisten erinnert der J's's od k'lali Gabirols, - nach dem ein D,ualis!mus' zwischen Stoff und Form; — heute heißt es: Stoff und Kraft oder: Materie-und Geist — nur im GeiSite dies Schöpfers, wie wir sagen würden: nur transzendental, nie aber, inder 'realen Welt gedacht werden kann. . Immerhin laßt Gabirol noch die „Schöpfung aus' Nichts" gelten;. Aber selbist'die; pätonisch^BeÄ1 von der Uners'chaffenheit, der Ewigkeit der Materie, hat unter unseren jüdischen, I^okern.-ider '^oj^it'Ajdhänger gefunden. V . Ä b r a h a m i Ib n, E z r a 'will* ih deiner vorsichtigen Art, inldem hebr&sichen >,jbara" r4(M>ein Schaffen aus1 Nichts, sondern, ein Bilden laus! Vorhandenem sehen. Und (dieses vor ider Schöpfung Vorhahdene bezeichnet Abraham har Chij ja geradezu, mit Aristoteles, alö Hyle und Form,.. Gersonides1, die talmudische -Autorität I), vollends1 spricht ga,nz u n um - wundon von einem „eisigen. Stoff'* Aber selbst der konservative J e h u d a H alle w i erklärt; „Sollte ein dankender Bibelgläutoiger durch' yemunftsfschlüs'se zur Anhahme .einer Welfewigkeit sich jpführt sehen, sie 'brauchte seinem' Glauben an die, Bibel keinen Abbruch zu tun!" ■'.'•,' Schon, diese spärlichen; Zitate können Dir. zeigen> wie twenig das! Schlagwort „scholastische Scheu-1 Mappen" auf die indische Gedankenarbeit des Mittel^ alters apa%. Auch hier leiden wir unter, denkträger „Gedarlltenüh.ertragung'V: Christliche Begriffe werdet kritiklos nach hergebrachter Schablone auf die j ü - dische Kulturwelt ausgedehnt; Hier wjeißi man nichts, von der scharfen Scheidung zwischen Glä^ibi-" gen und Ungläubigen, die ja auch dem Kor ah so geläufig ist.. _ Gerade aus jd.ieisiem! ■- Kreise kam' der erste Stein, auf das1 Idol des Aristotehsimus. Der erst« Stoßi, der eine Autorität erschütterte, mit der sich - in, neuerer 'Zeit nur die eines! Hegel messen durfte. Hüten wir uns vor jSihnlichen geistigen Bindungen! - . Ueber den p,ädagogisiohen Wert der Autorität hat Fr.W.För s'ter s:o ^ef imd ^enon'gesprochen, daßiich Dich einfach nur auf ihn zw verweisjen, brauche«- Doch! darfst Du nie vergesse% daß auch^ iika bei seinen

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