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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-11-07 · 42 (7.11.1919) · p. Seite 583

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
42 (7.11.1919)
Date
1919-11-07
Page
Seite 583 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 42 Dr. BL'ÖCH'S WOCHENSCHRIFT Seite «7» aufs Lan)d" tum-. Der Verein liat nach.' verschiedenen Richtungen pich bemüht,. koschere Nahrungsmittel zuN beschaffen. Ganz ungewöhnliche Bemühungen waren erforderlich, um die Mazzesbeschaffung nicht nur für den Verein, sondern für ganz Wien durchzuführen. Den TJnterrichts'- anstalten, die völlig umgestaltet wurden, wurde große Sorgfalt zugewendet. Im Berichtsjahre wurde das Haus, Große Schiffgasse 10 {neben "dem bisherigen Bathause), angekauft, um' den Platz zum Umbau der Synagoge zu erhalten. Aus detn Ziffernbericht sei hervorgehoben, daß das Kassenrevirement die stattliche Summe von 461.170.40 Kronen ausmacht, fwelchem Betrage noch' 10.616.— Kronen für das ICriegshilfskbmitee, etwa 30.000.— Kronen Erhaltungskosten für 'die Jesod Hathbrah und ein Betrag von ungefähr 40.000.— :Kronen für das Beth! Hamidrasch zuzuzählen; sind. lAn Bethlaussipenden gingen 110.708.42 Kronen ein, das Ergebnis aus den Sammelbüchsen betrug 7330.94 Kronen, der Pessachsammliing 3261.— Kronen, ^der Sitzmiete 29.015.60 Kronen usw. Für Gehalte und Pensionen wurden '66.000.— Kronen, für Hasch'gach'ah 17.000.— Kronen ausbezahlt. An Subventionen und Spenden an verschiedene Vereine jwurden 40.000.— Kronen verausgabt. Der Stand dete Hausbaufonds am' Jahresschluß betrug 45.332.— Kros nen. Die Anzahl der Mitglieder am Ende des Jahres war 452. Die Generalversammlung der Adas Jisroel findet Sonntag, den 9. Kovember 1919, um "10 Uhr vormittags, im Beth'aus Hämidrasch', II., Große Schiffgasse 8, I. Stock, statt. Das iteue Frermfengestetz in England Das' jüdische Korresiponden!2ft),ureau in_ London berichtet:! ' ' : [■ i! : f < 1 i :; " i Das1 englis'dhle Parlament bat am1 23. Oktober das1 Fremdengesefa: der dritten Lesung unterzogen. Bekanntlich1 haben reaktionäre Elemente bei den letzten' ParlamentswaMen, Iwelche fcür Zeit [der Beendigung des1 Krieges' stattffariden^die Haßgefühle des1 Pöbels gegen alles1 Fremde, die durch den Krieg sehr gesteigert Worden waren, ausgenützt, um in der breiten Oeffentlichkeit die Empfindung zu erwecken, daß eine Fremdengefahr $ür Englaöd in bedrohlicher Weise vorhanden wäre. Die gelbe Presse tat das ihrige, um die öffentliche Meinung gegen 'die Fremden aufzuhetzen und' zahlreiche „Anti-aliens" zogen in das Parlament ein. Die Regierung, welche sich' auf die Majorität des Parlamentes' stützen muß, Sah sich gezwungen, ein Fremdengesetz auszuarbeiten, das zahlreiche Härten enthält. Das neue Gesetz macht das Schicksal jedes' Fremden von dem Minister des' Innern abhängig, der das* Recht hat, Fremde zu deportieren und1 ihnen 'den Eintritt in das Land zu verwehren. Jeder Fremde ist verpflichtet, sich hei der Polizei <zu melden, ihr jede Adreßverariderung mitzuteilen, sich1 jeder Agitation für Streik zu enthalten und an keiner Bewegung teilzimehim'eri,!die gegen die Ordnung des! Staates" gerichtet ist. Auch eine Anzahl von Bes'chränkungen im' Handel sind in dem Gesetze vorgesehen. Das" Ministerium' hat das4 Recht, Fremden zu verbieten, sich! von einem* Orte nach einem anderen zu 'begehen. Wiewohl das1 von der Regierung ausgearbeitete Gesetz hart genug ist, haben die Anti-aliens; im Parlamente sich1 während der Debatte bemüht, eine Verschärfung seiner Bestimmungen durchzusetzen. Die Debatten haben' gezeigt, daß es selbst im! englischen Parlament an antisemitischen Empfindungen nicht gebricht. Einige Reden hahen deutlich genug bewiesen, daß das' Fremdengesetz vor allem gegen Juden gerichtet ist. E.'* Wilde (Konservativer) erklärte in einer Rede, daß „wer an der Fremdengefahr zweifle, sich nur in das E astend' zu bemühen brauche, um von ihrer Existenz überzeugt zu werden. Ganz Whitechapel sei von Fremden verpestet". M. Neill (Kons.), Bottcmley (Wilder), Bilting (Wilder), Butcher und andere haben gleichfalls in ihren Reden antisemitische Töne angeschlagen. Dagegen haben einige Liberale, Konservative und Arbeiterabgeordnete gegen den Gesetzentwurf entschieden Stellung genommen. Major Ormsby-Gore protestierte in seiner Rede gegen die antisemitischen Auslassungen der früheren Redner. Die Arbeiterabgeordneten richteten sich mit scharfen ironischen Bemerkungen gegen jene Reden, welche gegen ein Zusammenarbeiten von englischen Arbeitern mit fremden Arbeitern gerichtet waren. Bas* Fremdengesetz beabsichtige lediglich der "Völkerverhetzung zu dienen. Kealey (Whitechapel) wies* auf die großen Verdienste hin, die die Fremden für England erworben hatten. Während der Kriegsjalfre hatten die Fremden von Whitechapel die englische Armee mit Uniformen im Werte von 10,000.000 Pfund Sterling versorgt. / Major Rothschild war der einzige jüdische Abgeordnete, der an der Debatte Anteil nahm. Er bedauerte den antisemitischen Charakter der Debatten und s'ehlug in seiner Rede vor,, allen Fremde», weiche deportiert oder welchen der Eintritt in das* Land verwehrt werden solle, die Möglichkeit zu bieten, an ein Gericht zu appellieren. Der Antrag wurdfe abgelehnt. OstjiMsche Konferenz. Der Verband der Ostjüden in Deutschland" hat den Beschluß gefaßt, zu Weihnachten eine ostjüdische Konferenz nach Berlin einzuberufen. Die Konferenz soll aus1 gewählten Delegierten von dem- Verband angeschlossenen oder sich noch anschließenden ostjüdischen Ortsgruppen und Vereine aus* ganz Deutschland zusammengesetzt sein. Auf je 50 Mitglieder, für die Lan'desheitrase von je fünf Mark an die Zentrale des Verbandes abgeführt werden, kommt ein Delegierter, für jeweitere 50 Mitglieder mit entrichteten* Landesbeitrag von je fünf Mark ein weiterer Delegierter. Die Tagesordnung der Konferenz wird noch1 bekanntgegeben Werden. Auf der Konferenz sollen die aktuellen Fragen, die sich! aus der gegenwärtigen Lage der Ostjuden ergeben, im Allschluß an Spezialreferate eingehend behandelt werden. Dazu gehört vor allem die Fürsorge für die? ostjüdischen Flüchtlinge, die soziale und rechtliche Lage der Ostjuden in Deutschland, die Stellung der Ostjuden in den jüdischen Gemeinden und anderer Organisationen, die kulturellen Aufgaben der Ostjuderiheit, der organisatorische Zusammenschluß des ostjüdischen Verbandes. Die ostjüdische Konferenz ist berufen, eine einheitliche Grundlage für die Zusammenfassung der Kräfte und unser gesamtes Soziales und kulturelles Werk zu schaffen. Bei der großen Wichtigkeit der Aufgabe ist es dringend erforderlich, daß alle tätigen ostjüdischen Kreise in Deutschland mit größtem Eifer ungesäumt die nötigen Organisations- und Propagandaarbeiten für die Konferenz in Angriff nehmen und energisch durch führen. Wir ersuchen dringend alle in Deutschland! bestehenden ostjüdischen Vereinigungen, 'die sich unserem' Verband noch! nicht ange's'ehlossien haben, diesen Anschluß zu vollziehen und jdie erforderliche MitgliederanzaM zu organisieren, um1 die Konferenz durch Delegierte beschicken zu können. An den Plätzen, wo keine Ortsgruppen bestehen, müssen solche nach Möglichkeit gebildet werden. Ortsgruppen mit weniger als' 50 Mi^liedeni; könne» sieh1 mit be-

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