Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 42 (7.11.1919)
- Date
- 1919-11-07
- Page
- Seite 580 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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J5eite 676g \ fc BEOCH*S \ „Nur Christen dürfen Gesuche einreichen." Herr Rabbiner Isaak L*eimberger in Roznava (Rozsnyö) sehreibt dem. Volksverband der Juden für die Slowakei am 24. .Oktober d. J.: „Gestern und heute wurde liier auf den Straßen durch' Trommelschlag;, wie üblich, bekanntgegeben, daß die Gesuche um Erneuerung der Trafikrechte und Ausschanklizenzen bis' zum1 1. November d. J. einzureichen seien. Hinzugefügt wurde, daß nur Christen Gesuche einreichen dürfen!! Sie können sich denken, welche Bestürzung diese amtliche Bekanntmachung nicht nur unter den Trafikanten und Wirtshausbesitzern, sondern unter der gesamten jüdischen Bevölkerung hervorgerufen hat, die sich damit von maßgebender amtlicher Seite als1 Bürger zweiter Klasse hingestellt sah. Ich suchte den Bürgermeister auf, der (mir auch sein Befremden über die Angelegenheit zum1 Ausdruck brachte. Er versicherte mir, daß ihn selbst kein Verschulden an dem1 Vorfall treffe und zeigte mir die zur öffentlichen Bekanntmachung bestimmte Originalverordnung des Zupanats in Rimbvska Sobota, die er Wort für -Wort hatte austrommeln lassen. Die Verordnung trägt die Zahl 1523/1919, ist vom %7, Oktober datiert und von Hanes, zup. radca gezeichnet." i - Morgenthau, Bund und Sabibätruhe. Wie das1 jüdische Korrespondenzbureau in London berichtet, hat |der polnische Sojmpr|Lsident Troinp tschinski eine Deputation jüdischer Handwerker empfangen, die an ihn das' Ersuchen richtete, daß bei der Einführung der Sonntagsruhe, die für die jüdischen Handwerker ruinös sei, ihre Interessen wahrgenommen Sverden sollten. Der Vorsitzende .des polnischen Parlamentes antwortete, daß er seinen Standpunkt bezüglich' der Sonntagsruhe Morgenthau darlegte, jder mit ihm überemgestimknt habe. Die Delegation suchte dann den 'Referenten dieser Frage, Abgeordneten Schitawski (P. E. S.) auf, der die Erklärung abgab;, daß er gleichfalls1 für die verpflichtete Sonntagsruhe eintrete und .daß der ^jüdische Bund" nichts gegen dieses Gesetz einzuwenden habe. Er erklärte aber* daß er gegen gewisse Milderungen dieses Gesetzes1 nicht ankämpfen werde. Der numerus clausus an der Budapester Universität. Der Dekan der juristischen Fakultät an der Budapester Universität" äußerte sich einem Mitarbeiter des' „Virradat" gegenüber über die Frage der Einführung des numerus clausus' dahin, daß diese Angelegenheit im Laufe der kommenden Woche vor das' Plenum' der Universitätsprofessoren gelangen werde. Wie die Entscheidung ausfallen werde, könne man heute noch nicht sagen. Der numerus clausus richte sich gegen niemanden (1). Natürlich sollen aber diejenigen, die unter der . Proletarierdiktatur eine Rolle gespielt haben, nicht zugelassen werden. Die jüdischen Rechte in Serbien. Einer Delegation der Belgrader jüdischen Gemeinde erklärte der serbische Ministerpräsident, daß die serbische Regierung mit ihrem! Proteste gegenüber der Klausel über den Schutz der nationalen Minderheiten keineswegs* die Juden im Auge habe. Serbien habe die Juden stets1 als1 treue Bürger anerkannt, ihnen alle Rechte gegeben und auch! Zutritt zu den Regierungsstelleu gewährt. Die Regierung wird, nichts dagegen haben, daß die Juden in ihren Schulen Ihre Sprache lernen. Sie hat der Religion gegenüber ^OCHENSCJEIRIEE / 11 Ur, 4ä stets vollste Toleranz und .gehörige Beachtung' bewiesen. Die Regierung; könne jedoch die Minoritätsklausel nicht annehmen, weil in Neu-S erbien viele Bulgaren wohnenA die diese Klausel zum Zwecke einer großbulgarisehen Agitation ausnützen könnten, was für Serbien! eine große Gefahr bedeuten würde. 3 jüdische Minister im neuen ukrainischen Kabinett. K. f. d. 0* An dem! neu rekonstruierten nationalen ukrainischen Kabinett Mazeppa nehmten auch 3 jüdische Minister teil. Es' sind das Goldm'ann, der den Poale-Zion angehört, B r e i t m< a n n (Jüdischer Bund), sdie Gehilfen des Arbeitsministers sind. Ferner Kras'ny (Jüdische, demokratische Partei) als Minister für jüdische Angelegenheiten. TeTegramime in idjer hebräischen Sprache., Das jüdische Korres]ppndenzbureau in London meldet: Die Postadministration in Jerusalem' verlautbart, daß von jetzt an Telegramme in hebräischer Sprache befördert werden können, wenn sie in lateinischen Buchstaben geschrieben isind. i Franz Josef und die Juden. In einem' Feuilleton des: „Neuen Wiener Journal" bespricht Egon Die trieb, st ein die vor kurzem' erschienenen „Erinnerungen und: Schilderungen aus den nachgelassenen Papieren eines' persönlichen Ratgebers Franz Josefs" und berührt hierbei auch das Verhältnis des verstorbenen Kaisers zum1 Judentum1. Es heißt dort: „Daß Franz. Josef' ein Judenfreund war, will der Hofchronist durch dessen eigene Aeußerung nachweisen: Bei einer Familientafel in Ischl sei einmal eine uns'tandesgemäße. Konversation über die Wohltätigkeit der Juden geführt worden, man sprach über Sir Moses Montefiore, den französischen Großrabbiner Zadoe Kahn, und der Kaiser brachte hiebei die Gesellschaft durch überaus1 lobende Aeußerungen über die Spitalsttftung von David und Regina Pollak in Verlegenheit. Seine Hoheit Prinz Wi a 1 d e mi a r von Diane mark war über solche peinliche Glaubensbekenntnisse Franz Josefs so fassungslos, daß er den vom1 spanischen Zeremonienmeister anbefohlenen Respekt vergaß und sich erkundigte, „ob Majestät viellei cht ein Philosemit wäre", worauf der Kaiser die bedauerliche Mitteilung machte: „Freilich bin ich es'. Und mit gutem' Grunde! Waren doch die Päpste seit jeher die besten Beschützer der Juden. Und sollte ich Sa katholischer s'ein als1 der Papst?" . . «" Die gegenwärtigen Verhältnisse in Polen „Uwagojim lo ssargia", unter den Völkern sollst du keine Ruhe finden. Das gilt insbesondere von den in Polen lebenden Juden. Wohl ist es gegen-, wärtig ein bißchen ruh i g e r, es1 finden keine Pogroms en m'a s s e statt. Allein was' sich hierzulande abspielt und zuträgt, ist nichts' anderes' als!> ein dauernder Pogrom1. Die Gefühle sind vergiftet, das" Verhältnis' zu den Juden seitens1 der polmslchien Bevölkerung bis1 aufs: äußerste zugespitzt. Und.1 es bedarf nur des1 leisesten Anlasses', des! mattesten Funkens in dieses Pulverfaß, das sich polnische Republik nennt, um! wieder zu explodieren und eine Katastrophe jh!eraufzubes!chwören, wie sie s1©hon, oder