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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-11-07 · 42 (7.11.1919) · p. Seite 575

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
42 (7.11.1919)
Date
1919-11-07
Page
Seite 575 (sequence 3)
Language
German
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Nt: 42 Dr. BliOCH'S WOCHENSCHRIFT Seite 6?1 scheinliehkeit grenzenden Möglichkeit Alles wandert nach Deutschland, das doch für die Juden wahrlich, kein Eldorado bildet; sie fliehen nicht vor den „Segnungen des Minoritätsschntzes", wohl aber trotz dieser Segnungen. Herr Dr. Cbajes erinnert daran, daß der Minoritätsschütz durch den Völkerbund überwacht werde und jeder Staat des' Völkerbundes habe das Recht, ^die Klagen einer nationalen. Minorität vor den* Völkerbund zu vertreten^ Deiriseeenuber wissen wir alle,, daß) über das Verhalten des neuentstandenen polnischen Staates gegen die jüdische Minorität, es: an Klagen bei der Entente doch' nicht gefehlt hat. Was* war das? Resultat? Man h'at diverse Koriunissionen nach Polen entsendet, sie haben untersucht, ausgefragt, festgestellt und protokolliert und schließlich ist alles! beim alten geblieben. Ja, Mr. Mo r geh th au machte den Polen das präjudizierliche Zugeständnis1, daß jüdische Offiziere, die sich zur jüdischen Nationalität bekennen, aus! dem' polnischen Heeresverband ausgeschieden werden sollenl Und wenn der Nationaljude kein Offizier werden kann, trotz des1 Minoritätsschntzes' — wird man ihn dann zu einem] höheren Staatsiamt zulassen? In zahlreichen Schulen Polens werden .jüdische Schüler nur nach der Prozentnormi zugelassen. Die Juden Posens sind beim' Ministerium in Warschau bittiichi eingeschritten uht Aufhebung der an der polnischen Universität in Posen eingeführten Prozentnorta für jüdische HörerlI! So hat denn das! „Journal du Peupte" mit vollem Recht die Bestimmungen des* Friedensvertrages' über ' Minoritatsschutz als „un bluff enorme" bezeichnet. „Manchesiter Guardian" schrieb: „Da ist eine Rasse, welche täglichen Insulten und gelegent- Hchen Massakers1 ausgesetzt ist, welche tatsächlich! vöm' Staatsdienst ausgeschlossen, von den Hauptindustrien durch' nackten Fanatismus ferngehalten wird und mühsam durch Kleinhandwerk, Krämer- und Hausierhandel das1 Leben fristen muß! und wir bieten ihr als Lösung -~ jüdische Schulen." Solchen Inhalt umschließt der angepriesene „Minoritäts's'chutz"! Da soll es eine „Schande" sein, solchem Bluff nicht hereinzufallen? Wenn aus Unvorsichtigkeit in Berlin ein Franzose erschossen wird; dann schreien Frankreich und England nach1 Rache und fordern eine Million Goldfranken als! Sühne; wenn am Rhein einem englischen oder französischen Soldaten auch1 nur ein Haar gekrümmt wird1, dann tritt der feindliche Staatsgerichtshof in! - Aktion; wenn aber Hunderte und Hunderte von Juden in Polen Opfer entsetzlicher Pogrome werden, wird die erlogene Entschuldigung, daß angeblich! die Veranstalter der Metzeleien dem' niederen Pöbel angehört haben, als1 hinreichend angesehen und die Angelegenheit ist erledigt. Der Zufall wollte es, daß der ermordete Franzose in Berlin ein Jude war., aber Jessen ungeachtet verlangte Frankreich! eine Million Goldfrancs! als1 Sühne. Dieser jüdische Soldat Frankreichs, der ermordet worden^ stand ni cht unter nationalem; ^1^111^- s^dhütz, sondern' war gleichberechtigter Franzose. Es1 gibt gefährliche Schlagworte, von blendendem Glanzx die mit Zaubergewalt die Massen berauschen und gefangen halten, und erst, ernüchtert durch; traurige Erfahrung, dringt die Erkenntnis durch, $stfl sie eigjentiidh5 nichts als1 ein fauler Zauber waren. Monistische Märchen. Aus einem BriefwechfseL Von Dr. Max Granwald. (Fortsetzung.} Die „religiöse Lüge", Du erinnerst mich daran, daß zwei von Dir hoch verehrte Männer es so scharf auf die Reli-f gion haben. Der eine fordert für sein StaafcsideaX die Kasemierung der'— Religion. Der ander© ruft nach) der Polizei gegen „die religiöse Lüge", die „unser ganzes öffentliches und privates Leben durchdringt und demoralisiert".- „Der Staat lügt, wenn er Verurteilungen wegen Beleidigung von Religionsgemeinschaften ausspricht" usw. Ich' antworte Dir darauf, daß ich an diesen Ausfällen nur eines' beklage: daß sie von Juden kommen. Wie Nichtjuden zu Bilderstürmern werden, ist unschwer zu begreifen. Ich verweise Dich gar nicht auf ausgesprochen antikirchliche Summen- Lies nur einmal, was P au Isen in seiner Ethik aus gewissen „Moraliheologien" zitiert l Du :wirst dann den wahren Horror Dei derer verstehen, die selbst einst auf der Schulbank aus1 solchen Kompendien Religion lernen mußten. Die sie mit dieser Art voö. „Moral" von Kindheit auf zu identifizieren sich gewöhnt hatten, bis1 sie mit wachsender ^ssenschaffelicher Erkenntnis zur Sprengung dieses' Joches1 empört und erstarkt waren. „Religion" wird dann im blinden Eifer mit „Kirche" verwechselt und indem man diese meint, auf jene losgeschlagen. Man zählt das1 Sündenregister der Kirche auf,, zeigt, „wie oft die größte Rohheit und Verwilderung der Sitten Hand in Hand mit der absoluten Herrschaft einer allmächtigen Kirche ging" (Haeckel). Oder man verweist auf Tertullian und Eusebius1, die alle wissenschaftliche Forschung als für den Ohjristen unnötig und unnütz erklären (Büdhiner). Wo findet sich eine solche Verachtung oder gar Aedhtung der Wissenschaft in unserem jüdischen Schrifttum1 aus' jenen Tagen? Wissen wird vom; Talmud höher gestellt als Prqpheiie. Betontv daß die Bibel den Ewigen einen Gott des Wi s's'ens' nennt „Mit Wissen hast Du alles, ohne Wissen nichts." Gründliches! Studium: der Astronomie und Chronologie wird zur religiösen Pflicht gemacht. ,-,Gott selbst unterwies* Adam: in allen Wissenschaften." So lehrten und taten die Vertreter der jüdischen Religion schon in alter Zeit. Daß unsere jüdischen Intellektuellen von ihnen nichts wissen und darum1, die anderen noch übertrumpfend, die Religion als kulturfeindüch hinter Schloß und Riegel wünschen, mag noch hingehen. Daß sie es aber auch unter ihrer Würde halten, sich1 über jüdische Religion bei einem' der Zeitgenossen zu unterrichten, einem Steinthal, Lazarus oder Cohen, um nur die staatlich punzierten Akademiker zu nennen, das verrät die Gesinnung des Vogels, der mit Vorliebe das eigene Nest beschmutzt In solcher „Objektivität" spreizt man sich vor 61er Welt. Und Atheismus fordert doch „le dernier eri"! So erkläre ich es mir auch, daß, bis auf einige, spärliche Ausnahmen, unsere jüdischen Ideologen auf der einen, die Juden unter den Naturforschern auf der anderen Seite unsere Frage, sicherlich ein* der wichtigsten und brennendsten, unberührt lassen. Was schert unsere jüdischen Großen ttad Reiche*

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