Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 41 (31.10.1919)
- Date
- 1919-10-31
- Page
- Seite 564 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 660 Er, BlfOeiTS WOCHENSCHRIFT " Kr. 41 des! Staatsgrundgesetzes vom' 21. Dezember 1867 üiber die allgemeinen: Rechte der Staatebürger, findet das. hbhe MMsterium' für Kultus' und Unterricht . . . '. die Bildung einer selbständigen Kultusgemeinde in Karlsbad . . . „ zu gestatten." Und am! 31. Oktober 1869 konstituierte sieb zutal ersten Male die selbständige Israeli tische Kultus'genieinde in Karlsbad. Ihr erster Vorsteher war Salomen Knöpf Im ach er/ ihr erster Rabbiner Dr* 0 p p e n h: e i im e r. Auf Dr. Oppenh'eimer folgte im Rabbinate Dr. Rudolf Plaut, während im' Vorsteheramte Salomon Knöpflnracher am 20. Dezember 1874 von Ludwig Moser abgelöst wurde, der dies Ehrenamt bis' zu seinem am' 27. September 1916 erfolgten Tode verwaltete. Auch Robert Epstein und Josef Haims'furtb, noch heute Mitglieder des Vorstandes, wurden schon 1874 in den Ausschuß! gewählt; Epstein von der Repräsentanz in den Vorstand als zweiter Beirat entsendet. Ende des Jahres 1875 wurde auch' Adolf Ros'e&feld Mitglied des Ausschusses; bald darauf Vizepräsident der Gemeinde, wurde er nach' dem? Ableben Mosers von der Repräsentanz zum' Vorsteber der Gemeinde gewählt. Im1 Rabbinate folgte Dr. Nathan Porges' dein' nach Frankfurt a. M. gewjählten .Dr. Plaut. Seit 15. August ist Schreiber dieser Zeilen Rabbiner in Karlsbad. Die jüdische Gemeinde in Karlsbad ist derzeit die -viertgrößte im alten Böhmen, die Zahl ihrer Steuerträger dürfte bald das' sechste Hundert überschritten haben. Ihre Bedeutung jedoch reichet weit hinaus tiiber die Grenzen unseres Landes1. Ihre modernen gottesdienstlichen Einrichtungen sind für viele Gemeinden vorbildlich geworden; in ihren humanitären Institutionen bat sie weit größere Gemeinden überflügelt. Möge sie auf dieser Bahn auch' weiter schreiten, blühen und gedeihen zur Ehre und zum' Segen der gesamten Judenheit, zur Kräftigung und Erstarkung des Judentums. Korrespondenzen. Die Reduzierung der Hilfsaktion des Joint Distribution Comitee in Wien. Vom Joint . Distribution;Comitec -."erhielten wir zumf Zwecke der Publikation schon für die letzte Nummer eine Zuschrift, die wir nicht abgedruckt haben. Da wir von be-' soliderer Seilte wegen Unterlassung der Publikation befragt wurden, so soll hiermit die Antwort gegeben werden. •Der größte und umfangreichste Teil der'Zuschrift ent-. halt lediglich "Wiederholungen dessen, was bereits im Laufe der Diskussion in bezug auf die neugefaßten Beschlüsse in diesen Blättern zu lesen war. Man ist zur Erkenntnis gelangt, „daß wenn die fortlaufenden Unterstützungen allen bisher Beteilten weiter ausbezahlt werden, würden infolge nicht zureichender Mittel in der allerkürzesten Zeit sämt-5 liehe Unterstützungen zur Gänze aufhören müssen". Auch betreffend die Kinderausspeisung wird im wesentlichen nur wiederholt, was in der Zuschrift des Herrn Ing. S u ßm an n enthalten ist. In bezug auf die .Andeutung in der Zuschrift an die „Wochenschrift", „daß das Komitee mit den Geldern nicht besonders gespart hat, insbesondere daß Hunderte undHunr. derte von /Beamten angestellt worden seien", wird festgestellt, „daß in unserer Abteilung Mariahilferstraße, die die allgemeine Verteilung der fortlaufenden Unterstützungen, also die Agenden der früheren staatlichen Flüchtlingszentrale, besorgt, die Zahl der Beamten geringer ist, als der - Beamtenstand 'der Flüchtlingszentrale. Sie mußte entsprechend der Größe der uns obliegenden Arbeiten wechseln, sie bat'aber nie, selbst als gerade auf Drängen, der PeJ-, tenten zum' Zwecke der Beschleunigung der Arbeiten der Beamtenstand vermehrt werden mußte, die Zahl von 70 überschritten, und sie wird jetzt wieder um" die Hälfte reduziert. Die Mariahilferstraße zusammen mit unserem Zentralbureau hat' nie die Zahl von 100 Angestellten' erreicht," Diese Angaben sind trotz ihrer eigenartigen Stilisierung mit den wirklichen Tatsachen schwer zu vereinbaren!. Nach unserer Kenntnis waren es 250 — sage zweihundert^ undfünfzig — Beamte und Angestellte, die man bezahlt hat. Allerdings werden jetzt Entlassungen vorgenommen. In bezug auf die verschwendeten Summen für Zwecke der Bureaueinrichtungen wird wiederum bemerkt, daß „der gerügte „Luxus" im Zentralbureau wohl nur auf das Zimmer des Präsidiums und des Sekretariates sich' beziehen durfte, deren Einrichtung ein Geschenk des Hausl herrnv für das Hilfskomitee bildet. — Unverständlich ist die Bemerkung, daß „eingerichtete Lokale zur Verfügung gestellt, aber abgelehnt wurden". "Wir führen dagegen an, daß wir wochenlang geeignete Amtsräume suchten, daß das Staatsamt für soziale Verwaltung uns in der. zuvorkommendsten Weise behilflich war, daß. wir aber bis zur Erlangung der jetzigen Lokalitäten keine entsprechenden finden konnten. "Wer die "Wiener Verhältr. nisse kennt, wird dies nicht unbegreiflich finden." Somit waren Amtslokäle überhaupt nicht zu bekom> men und nur das eine erhältlich, dessen Hausherr bereit war, die Möbelstücke mnd 'Einrichtung \als („Geschenk'* daraufzugeben, iDiese Möbel;und sonstigen Einrichtungs*- stücke sind jetzt '.nicht billig:; trotzdem' wurden sie vou dem Hausherrn als '.„Geschenk" geliefert. Also — ein Geschenk „von einen* Freund'11,, Allein die Frage \ dürfte sich' aufdrängen, warum man nicht . die Bureaus -der früheren staatlichen Flüchtlings zentrale, an deren -Spitze Gemeinderat Dr. Sclh'warz-Hiller stand, '»in Anspruch genommen? Allerdings hätte man sich dann diesbezüglich' vielleicht an Doktor Schwarz- Hiller, an seinen Einfluß, "wenden müssen. Es hat den Anschein, daß man gerade dies vermeiden wollte. Daher suchte man andere Lokale. "Welche Gründe aber walteten,; ob, daß gerade Dr. Sch'warz-Hiller aus der Verwaltung dieser Wohlfahrtsinstitute ausgeschaltet werden mußte — gerade Dr. Sch'warz -Hiller, der all^ die Jähre hindurch' uneigennützig im1 Dienste der armen jfadisch'on Flüchtlinge gewirkt, \ seine Zeit und seine Arbeitskraft den notleidenden Brüdern selbstlos gewidmet! und auf diesem' * Gebiete die größten und wichtigsten Erfahrungen gesammelt hat? iSeine Arbeitskraft, sein Organisationstalent sind außer 'allem' Zweifel, ebenso die Uli-, antastbarkeit seines Charakters. Seine hohen Verdienste haben selbst die Feinde anerkennen müssen. Warum;hat man gerade ihn aus der Verwaltung ausgeschlossen? - Alle möglichen Persönlichkeiten, auch Kreti und Pleti, wurden zusammengetrommelt, um ein Komitee zusammen«: zustellen — nur »Dr. Schwarz-,Hiller . durfte nicht dabei sein. Er, 'der wie kein , zweiter zur -verantwortlichen Leitung dieses "Wohlfahrtswerkes ' der amerikanischen Brüder geradezu prädestiniert 'war, wurde ausgeschieden, um das großherzig geplante' Unternehmen unserer amerikanischen Brüder zugunsten der 'Armen und Bedürftigen in Oesterreich' einer, sagen wir — exotischen Person auszuliefern ohne hinreichende Erfahrung und Qualifikation, von der man' das eine zunächst konstatieren kann, daß sie sich! in einen lächer!-; liehen "Bureaükratismus gefiel, 'so daß jedes Gesuch eines wirklich Notleidenden Monate'zur Erledigung brauchte, wenn nicht irgendeine besondere »Protektion zu Hilfe »kam, um . den „Amtsweg";zu beschleunigen. Daß das im Sinne der amerikanischen* Spender - gehandelt w&t, ' glaubt