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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-10-31 · 41 (31.10.1919) · p. Seite 562

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
41 (31.10.1919)
Date
1919-10-31
Page
Seite 562 (sequence 6)
Language
German
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Seite 658 Dr. BLOCH'S WOCHENSCHRIFT Kr, 41 Band für die JudenbSeit nur die in untrer Religion* enthaltenen ethischen Grundsätze sind und daß es jedem Juden freistehen müsse, sich zu jener Nationalität zu bekennen, der er sich durch Heimat, Sprache und Erziehung zugehörig fühlt. Für die Konstituierung einer jüdischen Nation in d .r Republik Oesterreich "fehlen die unerläß ichen Grandlagen dar sprachlichen Gemeinschaft und der geschlossenen territorialen Siedelung. Die Zustimmung und Förderung aber, die die jüdischnationale Bewegung von Seiten der antisemitischen Parteien findet, läßt uns deutlich ihre Gefahr für die öffentliche Rech'sstel- 3ung der Staatsbürger jüdischen Glaubens erkennen. An Stelle der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung soll ein fragwürdiger ^linoritätsschuiz treten. Das wäre der er-ste Schritt zu einer Sondergesetzgebung, deren Begrenzung nicht in unserem, sondern im Willen der Mehrheit läge. Wir werden deshalb alle Bestrebungen für die Anerkennung einer jüdischen Nation in Oesterreich — mögen sie von antisemitischer oder jüdischnalionaler Seite oder gar von beiden zusammen ausgehen — auch fernerhin mit allen zulässigen Mitteln bekämpfen. _ Max Nordau für ein ungeteiltes Palästina und freie Einwanderung. Aus New-York wird der "„Jüdischen Prefizentraie Zürich" berichtet: Für den 14. Septetmber ist nach Ghieago die amerikanische zionistische Konferenz einberufen. Max Nord au hat aus Spanien ein Begrüßungsschreiben an die Konferenz gerichtet, in dem es u. a,. heißt: Zu unserem Glücke hat sich! in Amerika-in-den letzten 40 Jahren eine neue Judenheit, bestehend aus1 3 Millionen Seelen, gebildet, deren Pflicht es ist, für die Zukunft unseres Volkes zu sorgen. Betreffs der Forderungen an. die , englische Regierung heißt es darin: Der geographische Begriff Palästina muß nach den tradi ionellen Grenzen festgesetzt werden, und man darf auf keinen Fall zulassen, daß die Grenzen des Landes irgendwie geschmälert werden. Die Türen Palästinas müssen einer unbegrenzten Immigration offen stehen. Es ist eine Ironie und beleidigend für uns', wenn man uns sagt: „Palästina gehört euch" und gleichzeitig uns die Grenzen schließt. Aller Boden, der bisher der türkischen Regierung gehört hat, muß jüdischnalionaies Eigentum werden. Privaterwerb darf nur nach den Grundsätzen unseres Gesetzgebers Moses erfolgen, wofür bereits Versuche in Argentinien vorliegen und worauf Henry George in Nordamerika e:n theoretisches System aulgebaut hat. Die amerikanischen Juden müssen auch die Einberufung des jüdischen Weltkongresses auf sich nehmen. Durch1 diesen wird eine neue Epoche in der politischen Selbsterhaltungdes alten jüdischen Volkes beginnen. Amerika. Vorbereitungen zu einem jüdischen Emigratioaskongreß. Im Zusammenhange mit der vom Kongreß in Washington gefaßten Bill betreifend die Einschränkung der Einwanderung in die Vereinigten Staaten, riahm die jüdische politische Oeffenüichkeit von neuem das alte Projekt von der Einberufung eines jüdischen Emigrationskongresses auf. Der Kongreß soll, wie es verlangt wird, in Paris unter Beteiligung der Vertreter der Juden aller Länder stattfinden. Wie mitgeteilt wird, sollen in 4eu Reisebureaus in Amerika bereits 200.000 Juden notiert sein, die Verwandte in Osteuropa haben undbei der ersten Möglichkeit sie nach Amerika zu bringen entschlossen sind. : (J. P. SÜ.) Denikin und die französisdis Regierung. Wie das jüdische Korrespondenzbureau in London berichtet, bezeichnet Denikin in einem Brief an Koltschak die französische Regierung als „einen Pack von Juden, die nur schwätzen und nichts für die Regeneration des' heutigen Rußlands machen".. s,>- d ' ■: Sir Aurel Stein. Der „Pester Lloyd" meldet: Bekanntlich hat unser berühmter Landsmann, der gelehrte Armin Vämbery, in England großes Ansehen genossen: Der nun verewigte König Eduard zeichnete ihn besonders aus. Jetzt ist es abermals ein Ungar, der sich um England Verdienste erworben hat. Es ist dies Sir Aurel Stein, der Sohn eines gewiesenen Budapester Kaufmanns, und Neffe des einstigen- Magnatenhausmitgliedes Dr. Ignaz Hirschler. Stein, der viele Jahre als Ober- Studiendirektor in Indien tätig war, hat große Entdeckungsreisen unternommen, und eben jetzt haben im, Britischen Museum die kostbaren Manuskripte und Kunstschätze Aufstellung gefunden, die er in Ost-Turkestan, in der Nachbarschaft der Wüste Gobi, in den unteurdischen Tempelbauten der Tausend Buddhas entdeckt hat. Er* hat dort mehrere tausend Manuskriptrolien gefunden, die seit dem Jahre 1035 in der Verborgenheit geruht .halten und sich wegen der außerordentlichen Trockenheit des;1 Landes in einem .vorzüglichen Erhaltungszustände be'inden. Die Handschriften stammen aus der Zeit von 400 Bis-'llöOÖ •n. Chr. Darunter beiindet sich ein Teil der „Jahrbücher des Frühlings und des Herbstes", des1 einzigen Werkes, das man Confucius persönlich zuschreibt und das an die „Werke und Tage" des Hesiod erinnert, sodann ein Kalender vom Jahre 978,.eine offizielle Liste der Familien, die in dem' Bezirk von Fuhuan lebten mit dem J)atum von 416. Außer den Manuskripten wurden auch, einige Druckschriften gefunden, nach denen man die Erfindung des JBuchdrucks in China, die bisher Wens-Taho (881—854) zugeschrieben wurde,, um mindestens zwei Jahrhunderte früher ansetzen muß. Unter den Kunstwerken ragt besonders eine schöne Holzschnitzerei hervor, die Buddha im Kreise seiner Anhänger darstellt, wie er seinen Schüler Subhuti unterrichtet. Ein« jüdtsWhfe HandeMäinmer in London. Das jüdische Korrespondenzbureau in London berichtet, daß eine jüdische Handelskammer in London in Gründung begriffen ist. Der Zweck der Handels1* kammer ist der Schutz und die Förderung der jüdi« sehen Handelsverbindungen mit allen Völkern und Ländern. Diese neue Institution wird die erste jüdische Handelskammer der Welt sein. Krlegämemoiren eine* jüdischen Genera!*. Sir John Monash hat dem' Londoner jüdischen Korrespondenzbureau zufolge ein Buch veröffentlicht, in welchem er die Operationen des von ihm geleiteten australischen Armeekorps Schildert. Das Buch, das auch .mannigfache strategische und taktische Fragen behandelt, wird von vielen englischen Blättern -als eine bedeutsame Bereicherung der englischen Fachliteratur bezeichnet.

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