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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-10-31 · 41 (31.10.1919) · p. Seite 561

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
41 (31.10.1919)
Date
1919-10-31
Page
Seite 561 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 41 Dr. BLOCHS WOCHENSCHRIFT. Seite 667 Di ch'ter mehr, als1 was* zur Steuer der Wahrheit aus reim m'enschlichlemi Pflichtgefühl heraus Päpste, wie der Vater der deutschen! Reformation', Fachgelehrte, wie Gerichtshöfe feierlichst vor aller Welt durch' ihr Zeugnis1 erhärtet haben? Mehr als aus1 (den Prozeßakten gelbst als dürres!, ungeschminktes1 Tatsachenmaterial [hervorgeht? Ja, er sagt mehr, viel mehr. Aber nicht auf Kosten der realen Wahrheit. Durch ihn wird sie zur ewigen Wahrheit. Was1 dort in Südungarn in; den achtziger Jahren an Jammer sich entlud über unschuldige Dorfjuden, an Schmach über das* jetzt sosCh'wer heimgesuchte Magyarenvolk, — der Dichter zeigt 'seinen tiefsten Quell auf und seinen höchsten Zweck und1 Wert. Die feinen Fäden, an denen aus: oberein Sphären, was1 auf Erden sichf begibt, geleitet wird—, 'des1 (Dichters' Genius1 läßt um' sie Lichter spielen, daß sie aus1 ihrem geheimen Dunkel aufblinken. Er macht sie unserem1 inneren Ohr erklingen, daß sich im Harmonie auflöst, was' hjier auf Erden so grelle Dissonanzen auslöst. Mit der unfehlbaren Sicherheit begnadeter Kunst greift Arnold Zweig auf die „Mysterien" zurück. Das1 Doppelspiel in Ober- und Unterwelt, zu klassischer Vollendung im1, ,Faust" gereift, wird von Zw1 ei g auf das glücklichste durchgeführt. Der Untertitel „Die Sendung Semaels" weist, weise gewählt, auf den transzendenten Hintergrund der irdischen Handlung hin. Einen Hintergrund', gezeichnet von reifem religiösem Gefühl, dem sich abgeklärtes Volksempfinden zu ergreifender Wirkung vermählt hat. Für eine Figur sind1 wir dem1 Stück besonders zu Dank verpflichtet. Es1 ist der Typus des1 Täuflings1, der Schandbube Pfefferkorn'. Man hat die Tragödie des Ueberläufers schon1 einmal hier in Wien auf dieselben Bretter gebracht. „Ketten", so war der. Versuch betitelt. Ihm! fehlte aber die Vertiefung ins Wurzelhafte, die Erweiterung über die Episode hinaus^ die Erhebung zum! TypuS, die Zeichnung des Urbildes1, in dem!, sich1 selbst anwidernd, hier der Verräter sich spiegelt. Zweigs1 Pfefferkorn ist die personifizierte Satire auf das1 Renegatentum. In durchsichtiger Struktur ist hier seine wahre Spottgestalt bloßgelegt. Wie Geißelhiebe treffen die Worte, die Elijah an! den entarteten „Bruder" richtet. Selbst einen Boden, wie er dieser Menslcliheit'ssdh'ande der Taufsucht sich! hier in Wien bietet, günstig wie kaum sonst zum' zweiten' Male, selbst diesen Sumpf müßte solche Stachelrede aufwühlen im! verborgensten Grunde. Von dem' Wiener Judenhaß Sagt M a Chj a r einmal: „Diese Wiener Antisemiten sind ein besonderes Volk: freundlich! und wohlwollend stimmen sie jeglicher Meinung und jeder Rede bei, ja, reden Selber so zu einem!, wie ihnen Seine Note beschaffen zu sein scheint, stellen! sich an, als' begriffen und! verstünden sie alles, — und doch gibt es keine größeren Achselträger, Nichtswürdigen und Rüc&gratlosen wie sie. Wer jenen glücklichen sechsten Sinn für die Charakteremanation besitzt, die von' jedem1 Menschen, mit dem man! spricht, ausgeht, der kriegt einen solchen Wiener im! Minütchen Satt." Sprießt nicht . aus1 denn gleichen Beete hemmungsloser, ungezäumter Charakterslchlamperei die Blüte unseres Wiener . Marranentutas1? Sie alle diese Gesinnungslumpen wünscb- 1 ten wir vor den Richterstuhl Arnold Zweigs. Zur Anklagebank müß das1 Auditorium1 für sie werden. „Jüdische Tragödie in fünf Aufzügen", so bezeichnet der Dichter Sein; Meisterwerls;. Beiiri Verlassen des' Saales fuhleio! wir aber, wenn auehl von der Kuns^t noch so reich] beschenkt, ja vielleicht gerade darum! um so schmerzlicher, daß uns das Leben noch! einen weiteren Akt schuldig bleibt. Die „Katharsis"; die innere Befreiung erzielt das Stück, in demi die Nemesis den: Schuldigem trifft. Aber der Unschuldigen gedenken wir, die trotz Tisza-Eszlar oft und oft unter dem' gleichen haßverführten Wahn! leiden müßten! und — wer weiß, {wie bald wieder? — noch werden leiden müssen. Der Name Bei Iis? brennt uns auf der Zunge. Auf die Lippen drängt sich! die zornige Frage: „Und Hilsner?!" Hinweg mit d'ies'em Schandfleck auf dem! Ehrenschuld der tschechischen: Justiz! Ein Denkmal soll demnächst dem' jungen; Tschechenstaat in Prag erstehen. Sehet zu, daß es nicht hohl Sei, wie der Justitia Standbild in! Zweigs Tragödie! Daß nicht auch in ihm' einen Unterstand „die Dummheit" finde, die mit anderen Unholden im Bunde, Semäelgehbrsäm1, fun's1 eine Tragödie Hilsner leibhaft erleben ließ! Masaryk, der Präsident, wird, hoffen wir, trotz HoUeschau, bei H i 1 s' ri e r h a 11 e n, was der Professor Masaryk versprochen. Die Revision des Hilsner-Prozesstes! sollte,, müßte die erste Großtat sein des freie i* T s1 C h e e h! e n t u m.sl BaS wäre ein Denkmal, würdig eines Wahren! Freistaates, einer Freistatt für Recht und Gerechtigkeit! Es gilt nicht dem jammervollen mdividium, nicht einer in! ihm' getroffenen Gemeinschaft, nicht der Rehabilitierung des Volkes Seiner Henker. Er gilt der Menschenwürde! Vom Jahrmarkt des Lebens* Rechtsgleichheit oder Minoritätsschfufz, Zur Judendebatte im der Nationalver^ s'ammlung. Die „Oesterreichisch-Israelitische Union" ersucht uns1 um Aufnahme folgender Erklärung: Die Forderung nach Anerkennung einer jüdischen Nation in der Republik Oesterreich war bisher lediglich Gegenstand von Meinungsverschiedenheiten innerhalb der österreichischen Judenschaft. Durch die Anträge des christlichsozialen Abgeordneten Dr. Gimpl und des jüdiSebhationalen Abgeordnetem Stricker, bei der bevorstehenden Volkszählung das1 Bekenntnis zur jüdischen Nationalität zuzulassen, ist diese Frage nunmehr auch zur parlamentarischem Diskussion gestellt worden. Die weitergehenden Absichten, von denen sich die Christlich- Sozialen bei dieser Unterstützung der jücüsChhationalen Bestrebungen leiten lassen, gehen aus dem zweiten Antrag Gimpl, die Juden von der Wehrmacht auszuschließen, und aus dem! in einer Versammlung formülierten Programm! des Abgeordneten Kunslcbak, die Juden in einen nationalen ZwangskataSter zu verweisen und sie zu den öffentlichen Aemtern sowie zu Schülern nur im1 Verhältnis1 ihrer Volkszahl zuzulassen, hervor. Die Anerkennung einer jüdischen Nation in Oesterreich wäre hiernach nur die Voraussetzung für die Aufhebung der staatsgmndges'etzlich statuierten Gleichberechtigung und der Beginn einer Ausmahm^gesetzgebung füjj d£ej Judtem. Dem gegenüber betonen wir in Übereinstimmung mit der überwiegenden Mehrheit der österreir chischen Staatsbürger jüdischen Glaubens neuerdings unseren in der Presse und in Versammlungen, wiederholt kupajdg.egebea.ep, Standpunkt, daö das! einigende

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