Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 40 (22.10.1919)
- Date
- 1919-10-22
- Page
- Seite 552 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite £48 Dr BLOCH'S WOCHENSCHRIFT •. Anmeldungen sind mündlich und schriftlich zu richten an das. techlnschle "Referat des Palästinaamtes1, W^n, IL, Zifkusgasse 33 (täglich vormittags; ausgeoomMfeu Samstag): 1 Musik fttfcein Studium.. ÄMfccte' Ansicht eines1 Polizeikomrriissärs. c ■ "~ : An einer der ersten Wiener Musikschulen sind zwrei v Scfiwestern — polnische Jüdinnen — Schüle- ©nnen der Violmausbildungsklassen. Die jungen Mädchen sind ganz ungewöhnlich begäbt/und genießen wegen ihres1 beispielgebenden Fleißes und' wegen ihrer vorzüglichen musikalischen Fortschritte seit drei JahrenFreipfcätze. Mit der Ausweisungsverordnung ist das fürchterliche Muß, Wien zu verlassen, auch für die beiden Mädchen gekommen. Die Direktion der Musikschule hat nun den Schwestern Zeugnisse ausgestellt^ welche besagen, daß es im Interesse der vollständigen Ausbildung der beiden Mädchen zu 'Geigen- Künstlerinnen gelegen sei, ihnen die noch fehlend^ Schulung an der gleichen Anstalt und bei der gleichen Lehrkraft angedeihen zu lassen und daß die ungewöhnlichen Talente der größten Rücksichtnahme würdig wären. Mit diesen Zeugnissen haben die jungen Mädchen ihr. Glück bei der Polizeidirektion versucht, wurden aber von dem amtierenden Kommissär mit den Worten abgeurteilt, daß Musik k^ein Studium sei und daß sie somit Wien innerhalb dreier Tage zu verlassen hätten. Vermischtes. Verein Machsike Hadath. '- - Wien, IL, Schiffamti'gasse 20. . -..Zugunsten der unentgeltlichen Ausspeisungsaktion der notleidenden Flüchtlinge sind dam Vereine nachstehende Spenden zugeflossen: f y Spehdeneingang. dtu*cft den Verein „Liwias Chen": .. . S. Spieler K SO; M. Wohlmann 3; Berl Bosen 20; Ehranberg -2; Is. Silberstein 10; Samuel März 28; Simon ISeser 60; Jakob März 50; S. Ungar 20; M. Seelenfreundj 10; Fink 10; Wolf Josef 5; Bardach 30; Nadel 8; Joel Schildwach 70; Jakob Wolf 5; Adolf Wolf 5; Abr.. Hammers^ feld 5; Simon Tisser 7; Sal. Wasser 50; Weiß 50; Wür> ifelm Zeiler 50; Einhorn 100;. M. .Tauber 28; S. Spieler 5; Ijferher: Verein ,^Iadh!sike Haäatfc", Xazenhof, von Herrn Hartenstein 380; Herrn Bernhardt Goldstern, Inhaber der I$rmä Ljlienleinwand, durch Herrn Jakob März, 250; Einkorn,Ainsterdam, 150; Gottesmann 100; D. D. Stern, Wien, §0;; Mäekenbrunn, Bielitz, 100; Hirsch' Birnbaum 50; zusummen K 1801.—. ' •' .. Orthodoxe Jugendgruppe II, Grofie Srbiffgasse 16. Worte aa* jüdisch© Herzen: Jede Vereiaignng ans reinen Ke- '": i. r ^speggrttaden, zu reihen Zwecke», gelangt endlich zu Beistand! - l ""..•.-/ (Miaehiueh Owans^f 1 12. Spe nden! is-te. . "** Der "orthodoxen „Jugendgruppe" sind in der abgelaufenen Woche nachstehende Spenden zugekommen: L. K. X lOOO.—. -; Für di» Lainzer-Aktion sind uns zugegangen: /.Ladislaus Deutech, Arthur Sputz je K-100; Wilhelm Kritzler,. .Teestubenaktion (durch Herrn Kohn), Tomech Ewjonim, Sahdor Adler, je 50; H. Fuchs 40; Max Friedmann, Moritz Schreiber, Thora-Spend© (Hosckanoh-rabbo), je 20; Hegine ,L.t Bella Ii., Iälly S., Frau Gruber, Emanuel Felsen» Wag, je 10. ,''? ... Weitere Geldsendungen sind zu richten an die Filiale des Wieher, Bankvereines, II.,' Stephaniestraße auf Postsparkassen- Konto Nr 172.829 für . die »Jugendgruppe« öder an. Herrn David Brömgarten, II.. Herxoinengasse 18. Spfenden: Bei der „Wochenschrift" eingelaufen: Für den unglücklichen Familienvater (Aufruf in Nr. 39): von Mj Baron, Wien, K 50.—, Kegina Blüh, Wien, K 10.—, anonym unter „B." K 5.—, Karl Herzfeld, Wien, VI., K 10.—, Emma Deutsch', Wien, K 30.—. Von Herrn Julius und Frau Berta Kosulik, LipthaJ, Mähren, anläßlich des Todestages ihres Sohnes Eugen, K 100.— für Lemberger Pogromopfer und aus Anlaß der erhaltenen freudigen Nachricht vom bereits verschollen geglaubten Sohne Richard für galizische Waisenkinder K 100.—; zusammen K 200:—. Wien« (Jüdische Religi onsQebrer.) Das Massenlied des Elends, das in. dieser furchtbaren Zeit .über Europa dahinbraust, soll um eine neue, wehmütige -Melodie reicher werden. Leise, müde Stimmen erheben sich', qualvolle Bitternis1, lange schweigend in tiefgedemütigten Herzen getragen, ringt nach1 Ausdruck, blasse -Lippen, des Bittens1 ungewohnt, öffnen sicfii> Barmherzigkeit, Verständnis, Gö-- rechtigkeit heischend. "— Wer wird helfen, ihir Los zu erleichtern, das Los der ärmsten aller Frauen und Mütter, das Los: der Gattinnen — jüdischer Reügionslehrer?!! ■ « ■■ ~ i Die Feder sträubt sich, das' Elend zu schildern, dem' sie preisgegeben sind. Nur eine Tatsache als grausiges5 Beispiel: Ein Lehrer, der zehn Jahre im Dienste der israelitischen Kultusgemeinde steht; erhält samt Teuerungszulagen etwa 400 Kronen monatlich!. Es1 'bedarf keiner weiteren Schilderung des MjMyerertums1 ihrer Frauen. Sie wurden einst von ihren Männern zum Traualtar gefiührt mit der Hoffnung auf ein ganz bescheidenes1, aber sicheres Auskommen, das1 keinerlei, (äußeren Glanz, aber — bei ernster Pflichterfüllung— um so mehr inneres Glück und stille Zufriedenheit im Kreise der Familie verbürgte. War das zuviel erhofft? Ist der Beruf des Rehgiön^lelirers1 lein' 7so geÄÄ6rt.;'väaß'Im'ISl. ü^,'sßinf Frau und seine Kinder skrupellos dem Hungertode preisgeben darf? Wird die Seele des jüdischen Kindes in unserem Volk so gering geschätzt, daß ihre Heranbildung Bettlern anvertraut werden darf? Die Hand des Gärtners; der berufen ist, das Unkraut aus .den jungen Herzen zu jäten und Verständnis für die uralten Wahrheiten einer erhabenen Religion darin einzupflanzen, darf nicht vor Ermüdung wanken, sein Blick nicht verdunkelt werden vom Schleier endloser Enttäuschungen, seine Sinne dürfen nicht erfüllt sein von dem einzigen Gedanken an das qualvolle Hinsterben von Weib (u(nd Kind, dem' Stolze und der Krone seines armen Daseins5. Wohin soll das' führen? Unermeßlicher Schaden wird angerichtet durch die Verkümmerung eines Standes, dessen Wohl und Wehe das Wohl- und Wehe der ganzen Gemeinde bedeuten müßte. Will man es denn zum äußersten kommen lassen? Mögen, sie es1 doch bedenken, die Führer der Wiener jüdischen Gemeinde, daß sie keinen Grund haben werden, den Tag als einen Ehrentag zu feiern, an dem die Frauen und Kinder der itirem Wohlwollen ausgelieferten jüdischen Lehrer auf die Straße und vor ihre Türen ziehen werden, um das lange zurückgedrängte Lied des Elends ihnen gellend' ins Ohr zu schreien 1 - F. Moritz Bontfls 70. Gefrurtsfoo. - &u den Persönlichkeiten, die sich auf philantropischem Gebiete eines verdienten Kufes erfreuen, gehört unzweifelhaft der langjährige Ehrenpräses des allgemeinen Kranken- und Unterstützungsvereines ^,Montefiore", Herr Moriz B o n d i. Vor 37 Jahren hat Herr B o n d i diesen humanitären Verein*