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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-10-22 · 40 (22.10.1919) · p. Seite 551

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
40 (22.10.1919)
Date
1919-10-22
Page
Seite 551 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 40 Dr. BLOCH'S WOCHENSCHRIFT Seite 647 3. Viele Privatleute und offenÜiche Institutionen, die im Lande keine geeignete technische Einrichtung vorfanden, vertrauten ihre Unternehmungen nicht fachmännisch! gebildeten Leuten an, obwohl in manchen Fällen geeignete jüdische Sachverständige zu finden gewesen wären. Jeder von unseren Spezialisten im' Lande wurde in irgendeinem versteckten Winkel ganz von seiner Arbeit in Anspruch' genommen, so daßi die Allgemeinheit von ihrer Existenz und ihren Fähigkeiten oft überhaupt keine Kenntnis? hatte. So brachte es' das jüdische Gewerbe infolge des' Mangels an Sachverständigen oft nur zu einem unvollkommenen Stand der technischen Ausführung. Daher steht die jüdische Industrie im Lande auf einer niedrigeren Stufe als1 die der Nichtjuden. So ist zum Beispiel in Jerusalem' das jüdische Bauwesen sowohl nach der konstruktiven wie nach der ästhetischen Seite sogar dem der Araber unterlegen. 4. Der jüdische Ingenieur in Palästina, der immer durch seine Arbeit und den schweren Existenzkampf ganz in Anspruch genommen war, besaß) auch .keinerlei Verbindung mit seinen Fachkollegen und fand niemand, von dem1 er im Bedarfsfall Auskünfte erhalten könnte, daher leistete er oft nur unzulängliche Arbeit. 5. Das Fehlen einer wissenschaftlich e n Anstalt, welche den jüdischen Ingenieur anregen und ihm den Anstoß zu wissenschaftlicher Arbeit geben könnte, war schuld daran, daß dieser nicht genügend Aufmerksamkeit darauf verwandte, die Erfahrungen zu sammeln, fdie sich aus seiner Praxis und aus' den Ergebnissen seiner 'Reisen im Lande und seiner Umgebung ergaben. Aber auch der jüdische Ingenieur, der von auswärts herkam und das Land zu Forschungszwecken bereiste, fand dort keinerlei wissenschaftliche Einrichtung, die ihm einen Ueberblick über die Industrie und. die Möglichkeit ihrer Entwicklung hätte geben können. Manche unserer Kollegen, die hier tätig gewesen waren, haben uns wieder verlassen und das wissenschaftliche Material, über das sie verfügten, ging uns und dem Volke verloren. \ I | t; 6. Jüdische Techniker und Industrielle von außerhalb, die 'sich für eine gewerbliche Tätigkeit in Palästina, vorbereiten wollen, finden kein technisches I n S t i t u t, das ihnen die Wahl des1 Zweiges' Auskunft geben könnte, der für die Bedingungen des Landes geeignet wäre. Sie stützen sich daher vielfach auf verschiedene Ratschläge, die ohne jede reale Grundlage sind und leider auch oft in der Presse erscheinen. 7. Unsere jungen Brüder, die sich außerhalb Palästinas für eine nationale Arbeit vorbereiten, wählein oft mangels1 'einer fachmännischen Beratung solche Gebiete, die vorläufig in unserem Lande keine Zukunft Ihaben und sogar die Programme unserer tech- . nischen Schulen, pbwohl sie durch1 bekannte europäische Sachverständige aufgestellt wurden, s£nd nicht dem Bedürfnis' und industriellen Stand Palästinas und seiner Nachbarländer angepaß|t. 8. Jüdische öffentliche Institutionen, die von außerhalb "jüdische Sachverständige zuziehen wollten, haben bei ihrer Wahl oft Mißjgriffe begangen und Persönlichkeiten herangezogen, die für die Bedingungen der Arbeit und des' Landes nicht geeignet waren. Hierdurch wurde die Entwicklung der Industrie und des Handwerks ungünstig beeinfluß(t. 9. Während des Galuth wurden die Leistungen und Erfolge, die auf dem Gebiete der Technik und des'. Gewerbes durch unsere Brüder ausgeführt wurden, ohne einen besonderen jüdischen Stempel zu tragen, der Industrie des1 Landes angerechnet, und mit unserem! Ruhm dürften sich Fremde rühmen. 10. Geleitet durch die Erkenntnis1 der größten Bedeutung des gegenwärtigen geschichtlichen Zeitpunktes, durch!die Erwägung, daß) das1 heimische Gewerbe jetzt an der Schwelle einer neuen intensiven Aera steht, und durch das Bestreben, die Industrie von ihren bisherigen HemnisSen zu befreien, haben wir jüdischen Ingenieure Palästinas beschlossen, einen „Verband jüdischer Ingenieure" zu begründen. Das Ziel dieses Verbandes ist, alle jüdischen Ingenieure in Palästina und in den anderen Ländern zu folgenden Aufgaben zu vereinigen: 1. Das Gewerbe und die Arbeit in Palästina zu entwickeln. 2. Alle Erfahrungen, wis'senschaftische Forsoh!ungern und Versuchergebnisse zu s'amm'eLn, die auf diesem Gebiete bisher gewonnen wurden oder s'päter gewonnen werden. 3. Eine ständige dauernde Verbindung mit unseren Fachkollegen außerhalb des Landes herzustellen, damit wir durch sie befähigt werden, ständig auf der Höhe der modernen technischen Entwicklung zu stehen. 4. Das' wissenschaftliche und wirtschaftliche Niveau unserer Kollegen zu heben. -t 5. Zuverlässige Kenntnisse über die jüdische Industrie, ihre Leistungen und Erfindungen, sowie über die jüdischen Techniker und Handwerker der ganzen Welt nach den einzelnen Gegenden und Industriezweigen zu sammeln. Die Gründungsversammrung des! Verbandes jüdischer Ingenieure in Palästina. Aus denselben Erwägungen heraus, die die jüdischen Ingenieure in Palästina zu diesem Aufrufe veranlaßten, schritt gleich nach! dem Umsturz eine Anzahl von jüdischen Ingenieuren in Wien zur Gründung einer technischen Studiengruppe des Palästinaanites. Diese Gruppe hat bereits eine ganze Reihe von für den Aufbau Palästinas wichtigen Fragen studiert, diesbezügliche Projekte ausgearbeitet und sie der zionistischen Zentrale in London, zur Begutachtung vorgelegt. Ferner ist die technische Studiengruppe darangegangen, technische FacWkurs'e zur Heranbildung von Handwerkern und technischen Hilfskräften einzurichten, um sio einen Stamm von geschulten Hilfskräften und Professionisten beim Wiederaufbau Palästinas zur Verfügung zu haben, aber auch, um schon jetzt die wünschenswerte BerufsumsChichtung der Juden anzubahnen. In der allernächsten Zeit wird auch an die Gründung eines1 Verbandes sämtlicher jüdischer Techniker, die sich! für Palästina interessieren, geschritten, um so eine möglichst große Anzahl von Spezialkräften zur Arbeit heranzuziehen. Es ergeht daher an - alle jüdischen Ingenieure und Techniker, welche für die eminent wichtige Frage des technischen Aufbaues Palästinas; ein Interesse haben, die Einladung, diesem Verbände beizutreten. Ohne der Arbeit, [den Erfahrungen und Kenntnissen des Ingenieurs ist ein Aufbau in unserer Heimat und eine entwicklungs'fälbige Kolonisation geradezu unmöglich1. ,; . '

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