Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 40 (22.10.1919)
- Date
- 1919-10-22
- Page
- Seite 550 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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S«te 646 . f'? Dr. BLOCH'S WOCHENSCHRIFT i Nr. 40 Fleiscfclhiändlerö übergeben, weshalb "sich! niemand in Wien darum! kümmere, daß an Wiener Reflektanten auf Koscferfleis'ch solches' ans den amerikanischen Sendungen zum Verkauf gelange, was sich sehr leicht durchführen ließe. Augenscheinlich beweist die erwähnte Koschermarke, daß Koseherfleisch streng orthodoxer Provenienz in Wien eingetroffen ist, das ohne Frage, wie das übrige amerikanische Fleisch1, erheblich' billiger zu haben gewesen tojäre, als die hier zum Verkauf gelangende Ware. Angesichts des gegenwärtigen unerhörten Mangels an Kos'cherfleiscb in Wien ist die 'Frage angezeigt: „Was is,t mit jener Sendung geschehen?" Und die zweite: „Warum wird nicht dafür gesorgt, daß ebenso wie die übrige Wiener Bevölkerung, auch' die rituell lebenden Juden Wiens aus Amerika mit Fleisch! versorgt werden?" Sehr geehrter Herr Eedakteurl In Ihrer geschätzten iWochenschrift vom 8. d. M. erschienen zwei Notizen über unsere Kinderausspeisung in der Vorgartenstraße, die voll tatsächlicher Unrichtigkeiten sind. Wir ersuchen Sie daher im Interesse der Wahrheit um folgende Klarstellung: Unsere Aüsspeisungen unterscheiden sich von den christjf liehen Ausspeisungen der Amerikanischen Kinderhilfsaktion nur dadurch!, daß sie statt Schweinefett Oel verwenden. Die Art der Zubereitung und die Größe der Mahlzeiten ist in allen amerikanischen Kinderküchen, ' die rituellen inbegriffen, die gleiche. Die Größe der Mahlzeit ist von Prof. Pirquet mit zehn. Hektonem festgesetzt. Dies entspricht einem Nährwert ven einem Liter Vollmilch'. Auch die Zubereitung ist genau vorgeschrieben und darf von keiner Küche, eigenmächtig geändert werden. Fleisch wird auch in keiner christlichen Küche verwendet. Unwahr ist, daß/ in unserer Küche jemals bloßer Eeis ohne Zulage als Mahlzeit verabreicht wurde. Bloßer Reis wird nie gekocht, sondern stets Milchreis mit viel Kondensmilch^Fett und Zucker. Dazu kommt als Zulage Milchkakäo oder Weißbrot. Der vorgeschriebene Speisezettel enthält folgende Reihe': Kuchen (140 Gramm!) mit Milchkakäo, Milchreis mit Milchkakao, Bohnen mit Weißbrot, Milchnockerl mit Milchkakao, Bitsehet mit Weißbrot und Semmelknödel mit Milchkakao. Größe und Zusammensetzung der Mahlzeit ,nach Hektonem jund kg ist täglich in einem aufliegenden, jedermann zugänglichen Tagebuch und auf Heiner Tafel leicht ersichtlich. Jedes- Schulkind* ist somit imstande, selbst .festzustellen, ob es auch' die vorgeschriebene Menge erhält. Klagen über kleine Portionen sind der Leitung bisher nie bekanntgeworden. Vielmehr müssen viele Kinder von den beaufsichtigenden Damen zum' Verzehren der ganzen Mahlzeit genötigt werden. Wünscht einmal ein Kind eine größere Portion, so erhält es sie ohne weiteres, es sei denn, daßi die leitende Schwester es für das betreffende Kind für nicht zuträglich' hält. Ein anderes Interesse, es den Kindern zu verweigern, kann gar nicht vorhanden sein. Unsere Küch'en stehen unter ständiger Kontrolle der Amerikanischen Kinderhilfsaktion, unter Aufsicht von Aerzten des Komitees und unter ständiger Aufsiehst des Genfer-, tigten. EDer Beitrag pro Mahlzeit heträgjt nicht K 1.80, sondern bloß 30 Heller. toKinder, welche 'die Trambahn "benützen müssen, gibt es in den Ausspeisungen verschwindend wenige. In der Wilhelmskaserne speisen fast nur Kinder vom Prater, für &en 20. Bezirk gibt es auch eine Ausspeisung in der Denisgasse 33, und für den 2. und 9. Bezirk wird in diesem Monat eine dritte Küche, in der Roßauerkaserne errichtet,1. Das Märchen von den gestrengen Schutzmännern und der großen Angst der Kinder wirkt schön etwas erheiternd. Es gibt nur einen jüdischen Stadtschutzmann, welcher vor dem Eingang Dienst tut.. Daß. die Angst der Kinder vor dem Schutzmann jemals groß gewesen wäre, hat Schreiber dieser Zeilen niemals bemerken können. Auch dieser gestrenge „Hüter der Ordnung h'at das Verwüsten des Gartens nicht verhindern können. Der eigentliche Ordnungsdienst wurde bisher von jungen Leuten der orthodoxen Jugendgruppe und in den Speiseräumen von den Schwestern und freiwilligen Damen besorgt. i Das Anstellen ist bei einer derartigen Massenausspeisung nicht zu vermeiden. Jedoch hält sich kein Kind mehr als 20 Minuten beim Mittagsessen auf. .Der Vorschlag, den Kindern das Essen-in gleichen Gefäßen an den Tischen zu servieren, ist aus hygienischen und technischen Gründen nicht durchführbar. Unsere Kinderausspeisungen werden fast täglich von Vertretern verschiedener christlicher Institutionen und Schulen besucht und ist die volle Anerkennung nie ausgeblieben. Gestatten Sie den Ausdruck der vorzüglichsten Hochachtung { American Joint Distribution Committee Abteilung Wien Sektion Kinderausspeisung Im Auftrag der Leitung Anitta Müller : ' Ing. Sußmann. Der technische Aufbau Palästinas!. Die teöh'jni s'che Studiengruppe des Palästinaamtes in Wien erhielt vom! Verband der jüdis'ch'en Ingenieure in Jaffa (Palästina) nachfolgendes' Schreiben,;daßi wir in Anbetracht der großen Wichtigkeit, die technischen Fragen beim Aufbau Palästinas zukoniimt, zur allgemeinen Kenntnis1 bringen. Offener Brief an die jüdischen Ingenieure. 1. Palästina ist ein Land1, das1 in industrieller Beziehung unentwickelt ist! Viele Zweige der geringfügigen Industrie, die sich dort vorfindet, werden auf eine primitive 'Weise betrieben und befinden sich nicht" in der Hand von Juden. Die Erforschung des' Reichtums1 an natürlichen und Mineralstoffen hält sich', noch in bescheidenen Grenzen und das'.Wenige, was auf diesem Gebiete geleistet wurde, erfolgte nicht durch unsere Brüder, und die jüdische Oeffentlichkeit hat keine Vorstellung von ihrem Inhalt, oft nicht einmal von ihrem Vorhandensein. -Darum verlangt unser Land von einem Fachmann, der hinkommt, um' , dort tätig zu sein, ebensowohl ausreichende allgemeine Kenntnisse, die auf vielen technischen Gebieten eine gute Grundlage besitzen müs's'en, wie Spezialkenntnisse über das: Land, seine Bedingungen und verschiedene Sprachen. Es1 ist für einen Fachmann unmöglich1, alles1 dieses' von auswärts1 mitzubringen, wie es1 auch für einen Einzelnen unmöglich) ist, alles' gründlich und ausreichend zu kennen. . \~ 2, Dje jüdis'chiejn .Unternehmer, die hierhergekommen sind, haben keine Einrichtung gefunden, die ihnen .die Kenntnisse über die örtlichen Verhältnisse und die Gewerb'szweige, mit denen sie sich1 beschäftigen wollten, vermitteln könnten. Sie waren daher gezwungen, sich mit ihren Fragen an Privatleute und öffentliche Stellen zu wenden, die meistens' über die gewünschte Branche nicht ausreichend unterrichtet waren, so daß) die Auskünfte, die sie erhielten, oft oberflächlich und widerspruchsvoll waren. Dieser unklare Zustand hat manche Unternehmer abgeschreckt, so daßl sie überhaupt ihre industriellen Pläne aufgaben, und diejenigen, jiie trotz der Schwierigkeiten dort eine Unternehmung, begannen, mußiten meist hiebei Verluste erleiden, während zur selben Zeit die gleiche Branche in Händen von Arabern und Deutschen guten Erfolg hätte. "