Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 40 (22.10.1919)
- Date
- 1919-10-22
- Page
- Seite 547 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 40 Dr.. BLOCH'S WOCHENSCHRIFT Seite 64a 1. Sofortige Abschiebung aller seit (August 1914 eingewanderten Juden; insoweit zwingende Gründe Uiese Abschiebung verhindern, allgemeine Internierung in Flüchtlingslagern. ( : 2. Ungültigkeitserklärung ' aller bisher von jüdischen ' Flüchtlingen abgegebenen Staatsbürgerschaftserklärungen und aller auf Grund derselben verliehenen peimatsberechtigungen. 3.- Erklärung der Juden als eigene Nation; Austritt aus der jüdischen Glaubensgemeinschaft hebt für den Ausgetretenen, sowie dessen Frau und Kinder, die Zugehörigkeit zur jüdischen .Nation nicht auf. \ 4. Anlegung eines Judenkatasters und Schaffung einer eigenen Judenkurie für alle Wahlen in die staatlichen und autonomen Vertretungskörper. 5. Ausschluß der Juden von der Bekleidung eines Amtes als Mitglied der Staats'- oder. Landesregierung, Schaffung eines jüdischten Staatsamte^ '(Landsmannministeriums); Zulassung .der Juden zürn Staats^, Landes?- oder Gemeindedienst nur nach' dem Verhältnis ihrer Volkszahl. 6. Ausschließung der Juden vom Lehramte an allen deutschen Volks'-, Bürger^ und Mittelschulen, sowie Lehrerbildungsanstalten; Errichtung eigener jüdischer Volks-, 'Bürger- und Mittelschulen, sowie Lehrerbildungsanstalten; Zulassung der Juden als Hörer an allen höheren Lehranstalten nur im Verhältnis zu ihrer Volkszahl. j Die jüdis'chhationale .„Wiener Morgenzeitung" vom 11. Oktober schreibt dazu: Der dhristii (Asoziale Führer KunSchak hjat bekanntlich] in einer Versammlung bestimmte Forderungen in hezug auf die Judien formuliert, in denen auch.! die Anerkennung der jüdischen Nation in Deuts'cihlösterreich' en^alten ist und die natürlich an- SoUsten die DeklaSsierung der jüdis'ch'en Staatsbürger enthalten. . .... Daß die Anerkennung der jüdischen Nationalität nicht nur gerecht wäre, sondern der einzig'mögliche Weg, die Verständigung von Volk zu Volk zu tbewirken^ Waben andere Sozialdemokraten (zuletzt der reichfedeuts'ch'e Unabhängige Cohn) längst eingesehen. Nur die jüdischen Redakteure der „Arbeiter-Zeitung" finden, daß dadurch! ein „fremdes1 Element im Staate geschaffen würcie", stehen also auf dem reaktionären Standpunkt des1 Nationalstaates, in welchem nationale Minoritäten rechtlos sind. Der Grundgedanke des Herrn Kunschak ist richtig-, das1 erklären wir offen. Aber die Formulierung, die er ihin gibt, ist vom Rassen- und Religionshäß vergiftet (?) und man wird ruhigere Zeiten abwarten müssen, um! diese hochwichtige Frage'ins Reine zu bringen. Vor allem kann es keinen Zwang zur jüdischen Nation gehen, wie eS keinen Zw'ang zur deutschen oder tschechischen Nationalität gibt. Köstlich übrigens, in welchen Schrecken gewisse jüdische Sozialdemokraten die Möglichkeit versetzt, es könnte wirklich einmal eine jüdische Nation im Staate geben und man wiurde dann ihren deutschen Nationalismus nichlt mehr ernst nehmen. ' Das Abendblatt der „Reichispost" (Wiener Stimmen, 11. Oktober) bemerkt zustimmend: Mit den Jüdis'chhationalen wird also möglicherweise lüber die Sache vernünftig zu reden sein. Nur möchten wir Vor einem1 „Warten auf ruhigere Zeiten" warnen, da diese 'desto unruhiger werden, je länger die Ordnung der Frage hinausgeschoben wird. Wenn das Blatt gegen „den Zwang zur jüdis'ch'en Nation" Bedenkein erhebt, so kann mit dem gleichen Rechte gegen einen Zwang des deutschen Volkes, sich unerwünschten Zuwachs' gefallen zu lassen, Einspruch erhoben werden. AntisemitenhuneL In der unter dem Vorsitze des neugewählten Ohmannes Dr. J. Rad er abgehaltenen eisten Sitzung des1 neugewählten Gesamtausschusses' wurden nachstehende Herren in die Hauptleitung (engeren Ausschuß) gewählt: Dr. med. Stabsarzt Dr. Julius Rader, Bezirksrat, XVIII. Bez., Obmainn; Ingenieur Paul Karger, erster Obmannstell Vertreter; Dr. Alexander Frey, Apothekenbesitzer, zweiter Ohmannstellvertreter; Schriftsteller Josef Germ, dritter Obmannstellvertreter; Professor Dr. Josef Rotmeyer, erster Schriftführer; Rechtsanwalt Dr. Erwin Gemeimer, zweiter Schriftführer; Sektionsrat Dr. Franz Odehnal, Gemeinderat, dritter Schriftführer; Marinekommissär Rudolf Koren, erster Zahlmeister; cand. med). A. Tie ran, zweiter Zahlmeister; Professor Simon Binder, dritter Zahlmeister. Die Geschäftsstelle des HauptvereineS befindet sieh nunmehr im VHI. Bezirke, Josef Städterstraße 9, Tür 8, Halbstock, rechts. Die Judenfrage in Ungarn. „Uj Nemzedek" hatte eine Unterredung mit dem Bischof von Stuhlweißenburg Dr. Ottokar Prochaska, welcher sich dahin äußerte, daß die Judenfrage heute in Ungarn die brennendste Frage sei, die nicht oberflächlich gelöst werden dürfe. Der Bischof verwies1 darauf, daß der Kommunismus von den Juden gemacht worden sei, und sagte, bei der Lösung der Judenfrage müsse man darauf Bedacht nehmen, daß das' Land nur soviel Juden dulden dürfe, als ,es erträgt, was nicht wilden Antisemitismus bedeute, sondern eine Frage der Selbstverteidigung der Nation sei. Die Vertreter der iSraehtischen Gemeinde von Budapest und Umgebung veröffentlichen einen Aufruf an die ungarische Nation, worin sie darauf verweisen, daß Hunderte von jüdischen Soldaten im Weltkrieg an der Seite ihrer christlichen Kameraden ihr Blut für ihr geliebtes ungarisches Vaterland vergossen haben. Die ungarische Juden- Schaft stehe dem Kommunismüs in jeder Beziehung, geistig und materiell, fern. Die jüdische Religion und das' jüdische Familienleben schließen jedwede Identifizierung des Judentums mit dem Kommunismus aus. Die Tatsache, daß viele der Bolschewiken der jüdischen Rasse entstammen, schmerze die Judenschaft aus1 tiefster Seele, doch seien diese nicht Juden, und die JudensChaft jhabe keinerlei Gememschaft mjit ihnen. Der Aufruf verweist schließlich darauf, daß jüdische Kaufleute, Gewerbetreibende und Grundbesitzer genau so unter dem Kommunismüs zu leiden hatten, wie ihre christlichen Mitbürger. Wekerle über die Judenfrage. Ein Mitarbeiter des „Uj Nemzedek" berichtet über eine. Unterredung, die er mit dem ehemaligen Mini1 Sjerpräsidenten Dr. Alexander Wekerle auf dessen Danoser Besitzung hatte. Dr. Wekerle führte hiebet (Linter anderem aus: Er teile nicht die Ansicht derjenigen, die einerseits die Oktoberrevolution* anderseits den Bolschewismus den Juden zuschreiben, obwohl auch er zugeben müsse, daß die Juden diese Bestrebungen ausdrücklich genährt und unterstützt haben. Das Wirtschaftsleben des Landes bedürfe jedoch des Unternehmungsgeistes der Juden, die nicht von heute auf morgen ersetzt werden könnten. Anderseits dürften die Juden auf führende Stellen nicht zugelassen werden, und man müsse bestrebt sein,