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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-10-22 · 40 (22.10.1919) · p. Seite 543

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
40 (22.10.1919)
Date
1919-10-22
Page
Seite 543 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 40 DK BLOCH'S WOCHENSCHRIFT Seite 639 dem Standpunkt des! Naturforschers1 näherrücken? Uadvwie verstehen wir den Aussprach! eines Ampere, Mose habe eine ebenso gründliche Kenntnis der Naturwissenschaft besessen!wie unsere Zeit, oder er ..sei inspiriert gewesen? Auch.! ein Helmhol tz sagt, Mose habe mit s'einer Kosmologie das1 Richtige getroffen. Ohne Zweifel meinte er, als' Naturforscher, dies1 doch! nicht von dem Buehs'tahen des' Bibelwortes. Er dachte sich vielmehr, Mose habe eine tiefe Naturerkenntnis besessen, sie aber, als Volksh erzieher, ähnlich für die Religion verwertet, wie etwa Schiller, als1 Dichter, die Geschichte verwertet. Die großen; leitenden Gedanken müss en zur Geltung komnien. Die zeitgemäße Einkleidung tritt zurück neben dem ewigen' Inhalt. Welche Sprache würde nun ein Helmholtz für die Gedanken der ersten Kapitel unserer Genesis wähle»? * Ii!; M Li 1 * Tt! 1 Zunächst würde er uns' die modernen Kosmogonien vorführen. Sie haben bei aller Verschiedenheit das eine miteinander. gemein, daß jede spätere jeder früheren Fehler nachzuweisen sucht. Greifen wir nur die Grundidee der volkstümlichsten dieser Weltentstehungshypolhesen heraus1: die Annahme ejines rein mechanisch wirkenden Gesetzes', nach) dem die Drehung des an den Anfang gesetzten Nehelballes von West nach Ost erfolgt sein soll! Ihr iwiderspricht Schon der Umstand, daßt der Saturnmond Phoehe sich um den Saturn in einer Richtung bewegt, die 'der aller übrigen Saturnmonde entgegengesetzt ist. Auch! sonst 'stößt die mechanische Theorie letzten Endes1 auf einen toten Punkt, über den, einzig und alleinidie.Zuflucht 'zu einem, „Eingreifen eines leitenden und kontrollierenden Prinzipes" hinweghelfen kann. Gegen diese Konsequenz sträubt sichf aber das „wissensohafitiiche" Gewissen. Ein Gesetz ohne einen Gesetzge'b'er! Das ist wissenschaftlich!! Ein besonnener Geist, wie Helmhol tz, würde wahrscheinlich! entweder (wie CoppernikuS, Kepler, Newton, Herschel, Cuvier u. a.. sich zu dem Glauben an einen Schöpfer oder zum mindesten seine Unzulänglichkeit in diesem Punkte bekennen. Und nun zu den einzelnen Schöpfungsakten oder Entwicklungsstufen. Die Energie, die die Materie durchdringt, tritt zuerst als Licht auf; damit ist das Leuchtende von dem Niehtleuchtenden, dem leeren Weltenraum, geschieden. Infolge des Sinkens1 der Temperatur bildete sich unsere Erde aus einem ursprünglich gasförmigen Körper zu einem festen Kern um, der von einer dichten Atmosphäre umgeben war. Diese kondensierte sich und kam' als" Regen hernieder. Daher stammt unser irdisches Wasser. Hierdurch wurde geschieden zwischen diesen Wässern auf der Erde und dem Wasser, das sich als1 Wolken im Luftmeer erhalten hat. Das Firmam'ent wurde s'ichthar. Durch iweitere Abkühlung der Erdrinde verdunstete ein Teil des" irdischen Wassers' und je nach der Bodenbeschaffenheit [bjildeten >sich!iF e s^ljäüd'er und M e er e. Hiermitwären die Bedingungen fiür das1 Dasein der^.Rf lanjtzenwselt gegeben. Die Pflanze bedarf allerdings' zur Spaltung der Kohlensaure in Kohlenstoff und Sauerstoff mittels1 des1 Chlorophylls gewisser Strahlen, die das Sonnenlicht enthält. Dies'e Strahlen konnten aber im Spektrum der Sonne-gergeben Sein, ohne daß! die Sonne s!elhs't in ihrer heu t i g en Form vor ha nden w a r. Für die Aufeinanderfolge der weiteren Stadien der Genesis' sind die modernen Kosmogonien mit der biblischen Schöpfungsgeschichte vom vierten Tage an noch leichter, als! die früheren, in Einklang zu bringen.' Beachtenswert ist ferner die Tatsache, daßt die Erde unter allen Himmelskörpern a 11 e i n U e w o h nhar ist. Nur hier vereinen sich: die angemessene Sonnenbestrahlung, die rechte Temperatur, das unentbehrliche Wasser und eine Atmosphäre, die physikalisch wie chemisch den Bedingungen des Lebens entspricht. Sie muß dicht genug sein; um die Organismen vor allzu hoher Sonnenwärme zu schützen^ des Nachts das Entweichen der ausgestrahlten Wärme in den Weltenraum zu. verhindern, den Aufschlag der Meteorsteine, des Hagels, ja selbst des Regens zu mildern und die den Pflanzen notwendige Kohlensäure enthalten. Durch sie werden auch Winde, Wasser und Warme über die ganze Erdoberfläche verteilt. Alles' Voraussetzungen, die sonst nirgends, — trotz Marconi — auch nicht auf dem Mars, vorhanden sind. Die ganze Schöpfung erscheint somit als auf die Erde abgestimmt. Lassen wir nicht dieser Erkenntnis durch „wissenschaftliche" Voreingenommenheit unsere Augen verschließen! Voraussetzungslose Forschung lehrt uns': Eine große Anzahl von Harmonien war leitend und kontrollierend am Werke, mit dem Erfolge, daß an einem besonders geeigneten Orte, in der Mitte des ganzen HimmelsgebäudeSj ungestört eine Sonne sich entwickeln konnte. Diese wiederum entwickelte in Ruhe einen Planeten, auf dem alles vorhanden ist, was die höchste Blüte der Schöpfung, der Mensch, zu seinem Dasein braucht. Gewiß, „die Blüte der Schöpfung"! Wie schlagend heißt es in dem achten Psalm, auf den ich Dich erst neulich hingewiesen: „Aus dem Munde der lallenden Kleinen an der Mutterr brust hast Du Deinen Sieg begründet über alle Widersacher und Leugner Deines1 Waltens." Das eine Moment der menschlichen Sprache allein schon bildet den Rubikon, den, selbst bei der Annahme aller möglichen Entwicklungsmöglichkeiten, nicht nur nie das Tier, den auch' die Beiweiskraft des Materialisimus niemals überschreiten wirft! i Ich kann mir lebhaft denken, daß sich beim Lesen dies'er Zeilen etwas in Dir» dagegen sträubjtj. Ganz ehenSo erging es! mir, als ich R i e h m1 s „Natu rl und Bibel" las, dessen Gedankengängen ich hier folge. Dieser neue, in gewissem Sinne wieder geozentrische Standpunkt wird aber von der Wissenschaft up to date eingenommen. Unsere Astronomie spricht auch nicht mehr von der Unendlichkeit der Schöpfung, nicht mehr von unzähligen Sternen, auch nicht mehr von — einem Naturgesetz, das für alle Weltenräume gellen sollte. Sie denkt sich das W e 11 s y s t e m in der Ebene der Milchstraßie symmetrisch aufgebaut. Und wäre die Anzahl der Sterne nicht beschränkt, so müßten bei .genügender Beleuchtung der photographischen Platte immer neue Sterne fixiert werden, was nicht der Fall ist. (Wird fortgesetzt.) Siegmnnd Mayer. „Die ¥ieaer Juden" (1700—1900>. (2.. Auflage-, E. Löwit, Verlag.) . *** Von Dr. Heinrich. Schreiber. Noch' mitten im Kriege — freilich schon unmittelbar vor seinem Mäglichen. Ende — ist von diesem, zum achtzigsten Geburtstage des Verfassers im Jahre 1916 veröffenfliehten. Werke die zweite Auflage erschienen. '.

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