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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-10-22 · 40 (22.10.1919) · p. Seite 542

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
40 (22.10.1919)
Date
1919-10-22
Page
Seite 542 (sequence 2)
Language
German
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Seite 638 Dr. BLOCHS WOCHENSCHRIFT, Nr. 40 tuhihchen „Schrullen", ihre Lehren, ihre Lebensführung fbeibehalten. — Und diesem unpolitischen Schritte jenes ersten jüdischen „Goluspolitikers" verdanken wir es noch! heute, daß' iwir als1 Juden leben. Was tun aber die heutigen jüdischen Politiker? Sie glauben sich den Luxus einer Politik ä la Tschechia, Jugoslawia leisten zu können, glauben den ganzen Tamtam des öffentlichen Getues, der Versammlungen, Wahlkäinpfe u. dgh mit in den Kauf nelrinen zu müssen, dabeivergessend; daßl di e übe rmäßig e B etonung des nationalen Momentes1 zwar pro foro interno unseren leider nicht w e n i g e n B r u c h - [u n d D e z i m a 1 j u d e n g e g e n - 'über angebracht und geboten, pro f oro extermo, den anderen Nationen gegenüber, nur schädlich sein kann. Hätten die zionistischen Führer, statt sich in die Reihe der anderen, um ihre nationalen Rechte kämpfenden Kleinvölker zu stellen und so das Mißfallen der in ihrer jungen staatlichen Selbständigkeit noch mißitraui sehen Völker zu erregen, die die reine Defensivpolitik der Juden mit den irreder^tistischen Bestrebungen manch' anderer Klein Völker zu verwechseln geneigt sind, hatten sie, meine ich, hei jeder Gelegenheit unsere Bestrebungen in eine solche Form gekleidet, welche g a r!k e i n e n Z Iwt e i f e 1 aufkommen ließet daß es uns! nur um1 unsere Lehre, unsere Religion, unsere Schulen und internen unpolitischen Gemeindeangelegenheiten zu tun ist, fürwahr, iwir hätten mansche herbe Enttäuschung abwenden, manche jetzt bestehenden Hindernisse überwinden und manchen, wenn-auch' unauffälligen, aber doch nicht minderen Erfolg aufweisen können. Aber die zionistischen Führer, die das jüdische Problem als ein nur-nationales' Problem auffassen und bewerten, jwollen, wie in manch' anderem^ auch1 in der jüdischen Pohtikführung so handeln, „wie die übrigen Nationen"; sie iwollen das Felsenvolk der Erde zu einer hebräischen Kopie irgendeines kleinen Politikvölkleins mächen. Sie glauben, Glück und Wehe des jüdischen Volkes hänge nur von Mandaten zu Vertretungskörpem, von politischen Organisationen und dergleichen Scheinwerten ab. Sie haben den unglücklichen Ehrgeiz, das' jüdische Volk in den faulen, verpesteten 13oden der Politik zu verpflanzen, es. den Tand und Flitter des1 politischen Tage'sschäuspieleS lieben und schätzen zu lehren, statt es1 in jenen lichten Ewigkeitsregimen fester zu verankern, in denen es zweitausend Jahre lang einer Welt von Feinden zum Trotz blühen, wachsen und sich' immer verjüngern konnte. Sie bilden sich ein, daß; ein von ihnen gezüchtetes Gesinnungsjuden,- tum einen Ersatz bilden kann für die immer mehr vernachlässigten, imimer .mehr in Vergessenheit geratenen Wesentlichkeiten im jüdischen Volksleben, in seinem Fühlen, Denken und Handeln! Man sehe .sich' doch die Erfolge der jüdischnationalen Politik ein wenig näher an: das jüdische Volk war in den Ländern seiner Massenansiedlung vor einer Generation Apolitisch! unreif", es! galt in den Augen deäJ anderen Völker nur als „Konfession", hatte nur eine äußerlich als' politisch unschädlich anmutende jü- .disch-religiöse Gemeinde und seine bescheidenen, staatlich) nicht anerkannten Chädorim und Jesehiwas und doch! — sein Leben war jüdisch, seine Gassen atmeten jüdische Eigenart und seine Jugend war Trägerin und Bewahirerin einer echt jüdischen Weltanschauung und einer echt jüdischen Gefühls- und Lebensweise. Heute aber, wo breite jüdische Massen (wie die Ausdrücke lauten) „politisch orientiert" sind, wo der jüdis'chioationale Gedanke von dem überwiegenden Teil unserer Jugend mit Begeisterung verbündet wird und sogar manche Staaten uns' als selbständige Nation anerkennen, heute .— verlieren dieselb'en „politisch' orientierten" Judenmas'sen äußerlich und innerlich! immer mehr von ihren jüdischen Wesenseigenschaften und -Merkmalen, wird die jüdische Gasse immer mehr ihrer echt jüdischen Hülle entkleidet und sogar derjenige Bruchteil der jüdischen \Jugerid, der modernjüdische Kulturstätten verläßt, steht der grandiosen jüdischen Tradition mit ihTen erhabenen Gedanken und Gefühlswerten, der echt ■jüdischen Lebensführung mit ihrem innig-poetischen, tiefhationalen Stimmüngs'gehalte gefühls1- und verständnislos, ja feindhoh gegenüher. , . . Angesichts der grauenhaften Entjudung, von der gewisse Teile der auch national gesinnten Judenheit ergriffen wird, kann iwohl mit. Recht die Frage aufgeworfen werden, ob1 die „Erfolge" der jüdischhätionalen Politik keine Pyrrhussiege sind? Noch einige Jahrzehnte einer solchen Politik und — das1 Judentum ist verloren! Wenn das jüdische Volk seine ihm' angeborenen Wesenseigentjümliohikeiten, seine religiös'- nationale Weltanschauung, und — was' das praktisch' Wichtigste ist—, seine in religiös'-nationalen Formen sich ausprägende Lebensführung einbüßen soll und dies auch allmählich1 einbüßt — wahrlich, so zahlt sich! der grandiose, mit Blut üb'erflossene Dornenweg, den das jüdische Volk seit Jahrtausenden wandelt, gar nicht aus. Weil Judentum etwas' "Wesentliches, das Leben Ausfüllendes war, darum haben es die Juden stets bis zum lejtzten Atemzuge verteidigt^ darum verteidigen sie es' noch heute trotz ungeheurer Opfer an Gut und Blut. Wird aber das Judentum zu einem politischen Programme verflacht, dann wehe uns, wenn Später einmal die 'Versuchung und die Not an uns herantreten sollte! Caveant consulesi jüdaici! Wenn die erzenen Fundamente unserer religiös-nationalen Lebensverfassung baufällig werden, wenn ein Am-Haarazentum einer irreligiösen Jugiend mit v e r s t änd ni sl o sex Ueberh eb'ujng die Quader steine jüdischen Denkens, Fühlens! und Handelns durch morsches1 Heidengeröll ersietzen s'ollte, dann kan)n, dann muß! auch das.ganze nationale Gebäude des jüdischen Volkes, um dessen Erhaltung1 d^e zionistis'dhijüdis'chem Führer s'ichf ehjrlic h bemühen, zusammenstürzen. Nicht ein in einer bloßen Gefühlsätmosjphäre hangendes: und atmendes! Gesjnnungsjudentum haben wir zu züchten, sondern ein in eigenartigen Taten sich' auswirkendes Wesensjudentum. Die jüdisich'nationale Gesinnjung ist ein zu Schwaches1 Pflänzlein, wenn es im Boden einer heidnischen Lebensführung wurzelt... Ein! Heide wird noChi nicht zum Juden, wenn er s.'jch auch ihit b'lauw e pl ß| e r n! a t o n a 1 e r G e S i ja n u n g s1 f a r bi e ü bi e rm a lt. Caveant öonsüles! Die 'zionistischen Führer mögen bedenken, daß) die heidnischen Ersatzfüße den jüdischen Volkskörper werden nicht lange tragen wollen, m '. Monistische Märchen. Aus einem Briefwechsel. ' j Von Dr. M»x Gronwald. | (Fortsetzung.) Kosmogonien. Denke {Dir ietwa, in unserer '(bibtischen Schöpfungsgeschichte w,äre, iwie im1 Buche Esther, nicht ein einziges Mal von Gott die Rede! Würde sie darum

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