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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-10-22 · 40 (22.10.1919) · p. Seite 541

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
40 (22.10.1919)
Date
1919-10-22
Page
Seite 541 (sequence 1)
Language
German
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Hummer 40 Dr. Bloch's jaüfgang AAAVi Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums Postspukusenamt Dentschösterrelch: 810.976 Ungarn: 5.634 Tschecho-Slowak.: 10.976 oooo Redaktion and Administration: Wien, II/l, Praterstraße 9 Telephon 45.359 Wien, 32. Oktober 1919 Erscheint jeden Freitag Brief-Adresse: Wien, H/1, Praterstraße Nr. 9 Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift Wien Bezugspreis: Halbjährig . . . 15 Krone» Ganzjährig .. 30 Kronem Einzelexemplare 80 Heller Anzeigern: DI« zwelatal gaspaltwM PetitseU« 70 Haller Inhalt: Leitar likel : Caveant coasules! . . . — Monistische AI ärciun — Süguj und Mayer. - Vom Jahrmark de» Leben's : Glossen zur Tagesgeschichte. — Daa Programm Kunschaks, — Antisemitenbund. — Die Juden in Ungarn. — Wekerie über die Judenfrage. — Massenkonvertierungen von Juden in Ungarn. — Die Juden in der bolschewikische» Partei. — Der britische Gesandte in Berlin. — Korrespondenzen: Die einzige jüdische Augenklinik in Jerusalem. — Reduzierung der Hilfsak ion des Joint Distribution Committee in Wien. — Wo ist das Koscherfleisch aus Amerika? — Der technische Aufbau Palästinas. — Musik ist kein Studium. — Vermischtes. — Feuilleton: Eine Gottes* fügung. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. An unsere gesehätzten Abonnenten! An jene Abonnenten, welche mit dem Abonnement im Rückstand sind, werden wir uns erlauben, den Betrag mitteis Postauftragskarte ein heben zu lassen^ ~. - Ä ■*> . . , ,. irr- '. .■■ - /—,. . :; Die Administration. Cayeant consules! ♦ (Ein Wort an die Vertreter des jüdischen .Volkes in Paris.) Von Ben-Zion Fessler. pie Friedenskonferenz in Paris steht vor Beendigung ihrer Arbeiten. Obwohl die endgültige Entscheidung in. bezug auf die Lösung der Judenfrage in Palästina «und. in-den Galusländern noch: ausstehlt, so läßt sich! doch schon auf Grund der in Konferenzkreisen herrschenden Stimmung — wenn nicht außergewöhnliche Zwischenfälle eintreten —, eine meht weniger befriedigende prinzipielle Anerkennung des Rechtes des jüdischen Volkes auf die Errichtung einer Heimstätte in Palästina einerseits und die Befriedigung gewisser nationaler Mimmalforderungen in den Ständern der jüdischen Massenansiedlung andererseits mit gewisser Wahrscheinlichkeit vorausprophezeien. Soweit also scheinen die zionistischen' Vertreter des jüdischen Volkes in Anbetracht der nicht gar zu großen Rolle der jüdischen Nation als weltpolitischen Machtfaktors ziemlich viel erreicht zu haben und soweit verdient ihre Tätigkeit vom ganzen 'jüdischen Volke anerkannt zu werden. Anders aber verhält sich' die Sache, wenn man die Methoden der zionistisch-jüdischen Politiker, ihren strategischen Feldzugsplan sozusagen, einer kritischen Betrachtung unterzieht. Denn da zeigt es sich auf den ersten Blick, daß die zionistisch-jüdischen Vertreter in Außerachtlassung und Uebersebung der Ms torischen Wesenheit des jüdischen Volkes und seiner exzeptionellen Stellung unter den Völkern die Methoden der anderen, um ihre nationalen Ansprüche kämpfenden Kleinvölker blind annahmen und anwendeten, ohne sich zu sagen, daß eine jüdische Politik, wenn eine solche überhaupt zu machen, ist, von ganz anderen Voraussetzungen auszugehen, ganz andere Methoden anzuwenden und ganz andere Resultate zu zeitigen habe. Das jüdische Volk ist kein politisches Volk, sondern ein Kulturvolkl Wer die jüdische Geschichte kennt, sieht ed deutlich, daß der Lenker der Weltgeschichte die Juden im Gegensatze zu anderen Völkern zu einem Kulturgewächs ausreifen ließ, daß er ihnen andere Lebenswege zuwies, andere Bestimmungen auferlegte. Deshalb ist auch die jüdische Geschichte im wesentlichen auch nur Kulturgeschichte. Die scheinbar eine Ausnahme bildende biblische Periode mit ihren politischen Kämpfen, Kriegen und Siegen bestätigt nur unsere Absicht. Immer standen nämlich' die Propheten, diese übermenschlich-großen Seher-Staatsmänner, auf dem Standpunkte der splendid isolation, und der ständige Mißeriblg der nur auf Politik eingestellten Tätigkeit der jüdischen Könige, die schließlich in ihrer katastrophalen Auswirkung zu dem Zusammenbruche der beiden jüdischen Reiche führten, gab dem jüdischen Volke eine solche Lehre mit auf den Weg, die ein späterer jüdischer Führer und „Politiker", Jochanan ben Zakkai, bei der Zerstörung des zweiten Tempels in Beherzigung der empfangenen „Lektion" auf eine scheinbare grandios-bizarre und doch so genial-glückliche Weise anwendete, daß noch heutzutage scheinbar grandios-bizarre und doch so genial-unpolitischen Schrifte jenes Mannes sich ableiten läßt. Jäbnel Wie mußte der politisch geschulte römische Feldherr aufstaunen, als ihm der Vertreter der jüdischen Nation eine so lächerlich unwichtige, politisch belanglose Forderung (Stellte! Der schlaue Titus;mochte sich gedacht haben, daß es sich nicht auszahlt das jüdische Volk wegen der Verweigerung einer solchen „Bagatelle" zum ^erzweiflungskampfe?.nzustacheln. Mögen nur die Juden weiterhin ihre eigen-

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