Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 39 (10.10.1919)
- Date
- 1919-10-10
- Page
- Seite 539 (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 39 Dr. BLOCH'S WOCHENSCHRIFT Seite 635 r Baden. Herr Adolf Dukes, langjähriger Kantor und Religionslehrer in Seybus'ch (Galizien), wurde •in der. Ausschuß Sitzung der israeltischen Kultusgemeinde Baden am 21. y. M., nachdem er duich Monate als Käntor zur Zufriedenheit hier tätig war, als zweiter Kantor und Religionslehrer einstimmig .. akzeptiert. Herr Dukes hat auch durch drei Jahre Kriegsdienste geleistet. AVietuer-Neustadt. Anläßlich des Scheidens von dem hiesigen Gymnasium und der Realschule als Beligionsprofessor . erhielt Herr - Markus Alexander Landau vom Direktor des Staatsgymnasiums Gemeinderat Dr. Georg Schön und dem Direktor der Landesrealschule Regierungsrat Dr. Karl Pro k o, p p überaus schmeichelhafte Schreiben, mit welchen Herrn Landau für sein langjähriges ersprießliches Wirken an beiden Anstalten und seine hervorragenden Lehrerfolge der Dank und''-die Anerkennung ausgesprochen wei-- den. Ebenso haben . die Schüler dieser, Anstalten ihrem verehrten Lehrer das monumentale Werk, die große zweihändige Bibel von Professor Kautzsch als Andenken überreicht mit der Widmung: „Die dankbaren Schüler — ihrem unvergeßlichen Lehrer". Leopold Hifsner in; Prag. Aus Prag 6. d. M. wird uns telegraphiert: Leopold H i 1 s - ner, der aus dem Ritualmordprozeß von Polna "bekannt ist, weilt seit einigen Tagen in Prag. Er mußte Wien als Ausländer verlassen. Wie es heißt, will er sich eine Audienz beim Präsidenten Dr. Masaryk erwirken, um eine Wiederaufnahme seines Prozesses und damit seine Rehabilitierung zu ermöglichen. Bekanntlich hat Dr. Masaryk zur Zeit der Abführung, des Hilsner-Prozesses den Ritualmordaberglauben heftig bekämpft, während der jetzige Bürgermeister von Prag Dr. Baxa ein Verteidiger der gegen die Juden erhobenen Ritualmordbeschuldigungen war. Feuilleton. Holländische Eeiseeindrücke. Von Z. F. Finkelstein. Ost und West Hier prallen die Gegensätze hart aneinander. Hier im Brennpunkte jüdischer Wanderung seit Jahrhunderten erhielten sich' beinahe unverwischt Spuren öst;- lichster und westlichster Kultur der Juden. Von den portugiesischl-spanischen Gemeinden, die in stolzer Abgeschlossenheit ihre eigenen Riten, eigene Traditionen und Gebetsarten aufbewahrten, bis zu den Juden Rußlands und Galiziens, die teils1 in Wandejrung nach1 dem überseeischen Dollarlande begriffen, teils1 über Belgien fluteten, hier die Zelte aufschlagen — überall gewahrt man deutliche Konturen gesonderter Kulturen und eines eigenartigen MensChen;- s'chlages'. Wenn auch die Allmacht ausgleichender Kultur Hollands alles mit dem Schein völligen Auflösens verdeckt — der Jude bleibt deutlich sichtbar. Sowohl die östlichen Juden, die in dichten Scharen das enge Ghetto Amsterdams1, die s'chmutzigen Gäßchen Haags und die Nähe der Hafenanlagen Rotterdams bevölkern, als1 auch!" die westlichen, die in dem Schlamm angelsächsischer Kultur versinken — beide stechen durch deutliche Rassenmerkmale hervor. Man erkennt sie beinahe im Menschenge wirr und erkennt sie erst recht zu Hause an ihrer Frömmigrkeit. Wie merkwürdig das klingt: sowohl die östlichen wie die westlichen Juden bewahrten die urr sprüngliehe Frömmigkeit des Mittelalters. Ist es der Einfluß des protestantisch> frommen Hollands oder ist es die stete Zuwanderung frömmster JudenschichJten des Ostens? Allenfalls betet man hier erstaunlich viel, beachtet auch in .höchstgestellten Häusern jüdische Sitten, und da der Samstag ein jüdischer Rasttag ist, feiern an diesem Tage die Börsen und die Märkte und der rasende Lebensodem eines Amsterdam oder Rotterdam sickert an Samstagen nur in einem langsamen Hauch durch die leeren Gassen dieser Städte. Holland, die ireieste Judenstätte Europas seit Jahrhunderten; vermochte mit ihrer Freiheit die Juden zu treuen, stolzen Bürgern einer Kolonialmacht heranzuziehen, ohne in ihnen das Judentum zu ersticken. Wenn auch ein Großteil von ihnen vom Judentum nur die Frömmigkeit und eine Handvoll Sitten bewahrten — der mächtige Hauch nationaler Wiedergeburt rüttelt auch in diesem Reiche der Fischer und Weltkrämer jüdische Herzen auf und der letzte Zustrom jüdischer Flüchtlinge aus Belgien umbrausjt das: Leben holländischer Juden mit einem Windhauch urwüchsigen Judentums. So wiedelholt sich das ewige Spiel geschieht^ lieber Ereignisse. Einst strömten in hellen Scharen Früchtings aus Spanien, Poitugal und England ..nach Holland und brachten ein Stück echtester Kultur mittelalterlicher Juden mit, die in D'Akosta und Spinoza ihren Gipfel erreichte. Zu Beginn des Weltkrieges überfluteten das kleine Flachland tausende östlicher Juden aus Belgien und Rußland, und belebten, wie überall im westlichen JSuropa, den .ersterbenden Geist des neuzeitlichen Judentums. Geschlechter vergehen, Jahrhunderte schwinden wie Atome im Meer der Geschehnisse dahin und es ist nur; der äußere Schein neuer Erlebnisse, der uns an die ewige Wiederkehr alles Seins vergessen macht. . In der Diamantenbörse in Amsterdam. Wie kreischende Vögel schwirren die Schreie und Ausrufe in der riesigen Börsenhalle. In allen Ecken stemmen sich Menschenknäuel in dichten Scharen und dieweil die einen mit losen, glitzernden Biamanjtsteinen über den Köpfen der anderen herumfuchteln, strömen immer neue Scharen in den Saal und erfüllen mit sich überstürzenden Nachrichten über die Diamantenkurse auf dem Weltmarkt die drückende Sommerluft mit einer Gewitterschwüle auflodernder Leidenschaften. Da lauschen die einen mit weitaufgerissenen Augen und starren wie geistesabwesend die letzten telegraphischen Berichte aus den Diamantenfeldern Amerikas und Australiens'an; da rennen die anderen wie besessen durch den Saal, als wenn sie ein verlorenes Glück noch im letzten Augenblick ergattern wollten. Die einen fluchen, die andern strahlen vor Freude, die einen reißen Tierische Grimassen, in denen Geldgier und rasende Ungeduld siefr spiegelt, die andern ballen die Fäuste dder senken die Köpfe in stiller Verzweiflung. Die Diamantenbörse Amsterdams ist seit dem Weltkrieg die größte Europas. Von Rio de Janeiro his zu den Koralleninseln — aus aller Herren Ländern Vertreter strömen hier zusammen und bestimmen den Weltpreis der Diamanten. Da sieht man die Yankeesi mit ihren einfachen Keppis, die mit sonorer Stimme aber bedächtig ihre Anbote machen und da erblickt man die noblen Gentlemens, die tadellos gekleidet, wie zu einem Ball in der Börse ersch.ejn.en.