Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 39 (10.10.1919)
- Date
- 1919-10-10
- Page
- Seite 538 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 634 Dr. ßLOCH'S WOCHENSCHRIFT Nr. 30 Ich stehe aller Mittel entblößt da, auch fehlt mir die nötigste Wäsche und ein Anzug, um mich — falls ein Posten frei —, vorstellen zu können. Hahe bereits alles^ was halbwegs' einen Wert repräsentierte, versetzt oder verkauft, Ich bitte inständigst, einen Aufruf ohne Nennung meines Namens in Ihrem gesch. Blatte veröffentlichen zu wollen, denn ich bin der Verzweiflung nahe und weiß nicht, was mit mir und meiner Familie geschehen soll, wenn mir nicht Hilfe gebracht wjxdl Soweit die Zuschrift, die wir der Oeffentüchkei't mit der Bitte übergeben, dieser notleidenden Familie zu helfen. Wir erhielten zu diesem Zwecke von Herrn Dr. Pachtmann 100 K.; von Herrn Baruch Lo w und "Jakob .Nowak 100 K.; zusammen 200 IL. W|en. Im Laufe des Monates Oktober w'rd die dritte rituelle Kinderausspeis'ung in der ameiikänisehen Kjmderhilfsäkiion der Roßauerkaserne eröifnet- Nur bedürftige, unterernährte, schulpflichtige Kinder im Alter von 6 bi;s 14 Jahren werden nach vorheriger ärztlicher Untersuchung aufgenommen. Anmeldungen werden beim American Joint Distribution Qommitee, IL, Praterstraße 17, auch für die bestehenden Ausspeisungen, IL, Vorgartenstraße, Wilhelmkaserne, XX., Denisg. 33, entgegengenommen. , Jungjüdischer Abend. Sonntag den 12. d. M. veranstaltet der Wanderbund -„Blau-Weiß" im Saale des' Ingenieur- und Architektenvereines, L, Eschenbachgasse \9, um halb 6 Uhr einen Liederabend. Karten sind Dienstag, Donnerstag und Samstag von 6 bis' 7 Uhr, Währingerstraße 15, und an der Kassa erhältlich. Wilhelm Pappen heim s., A. Allgemeine Teilnahme erregt der Heimg'ang des durch, sein iumanes "Wirken in den verschiedensten jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen bekannten Philantropen Wilhelm Pappenh'eim, der nach, einer langen, schweren Krankheit in ein besseres Jenseits frühzeitig abberufen worden. Ein Mann von umfassender Bildung, von glänzender Beredsamkeit und starker Ueberzeugungen, war er auch durch viele Jahrzehnte eines der eifrigsten Mitglieder in der Leitung der Wiener israelitischen Allianz. Er widmete seine Geisteskraft dem Wohle seiner Glaubensgenossen und hat im Leben vermöge seiner vielseitigen Wirksamkeit viel Gutes gestiftet. Zahlreiche Freunde und Verehrer betrauern den Heimgang dieses trefflichen Mannes und bringen der tiefgebeugten Familie, vor allem der edlen Gattin des Heimgegangenen und seinen Kindern aufrichtige Teilnahme entgegen. Emil Jeilnek. Von einer Schar seiner Freunde und Verehrer geleitet, {wurde Emil J e 1 i n e k zur letzten Eukestätte gebettet. Geboren am 22. Februar 1860, gehörte er einer angesehenen Familie an, die mit'der Tradition der Wiener Kultusgemeinde eng vei'knüpft war. - Vor allem und in erster Linie war er ein guter Jude,, der sich', wo sich ihm Gelegenheit bot, mit Kraft und Energie für seine Glaubensgenossen einsetzte und betätigte. Er war auch' ein ständiger Besucher des Früh- und Abendr; gottesdienstes im Stadttempel. Als vor vielen Jahren die „Israelitische' Allianz" die Auswanderung der infolge der schrecklichen Pogrome aus Eußland und Eum,änien vertriebenen Juden und ihre Beförderung nach Amerika in die Hand nahm, hätte er die alleinige Leitung inne, die ihn oft von früher Morgenstunde' bis spät in die Nacht in Anspruch nahm und die ihn auch öfters zu kleineren oder größeren Eeisen nötigte; mit welcher Euhe und Zufriedenheit ertrug^er die dabei, notwendigen Strapazen! Durch viele -Jahre als Musik-, Theater-, und Kunstreferent eines kleinen Blattes' tätig, hat er sich auch als Schriftsteller versucht. „Eine Nordlandreise mit dem Doppelschraubendampfer „Fürst Bismarck"; „Die Amerikareise des Wiener Männergesangsvereines mit der Doppelschrauben-Lustyacht Oceana"; „Die Eeise des Wiener Männergesangsvereines nach' Salzburg" zeigen stilistische Gewandtheit "und haben viel Beachtung gefunden. Während der' Kriegsjahre hat er mit seinem Bruder zusammen in etwa 400 Veranstaltungen in Spitälern und Eekonvaleszentenheimen für die verwundeten Soldaten mitgewirkt, mit Freude und Stolz erfüllte es fhn, wenn nach einem solchen Konzerte, bei welchem oft die beiden Brüder allein die* Ausübenden waren, ein Verwundeter im Namen seiner Gefährten einige Worte des Dankes sprach und dabei bemerkte, daß man ihnen einige "angenehme Stunden bereitet hätte, die sie an ihre Schmerzen vergessen ließen! Oder, wie dies auch einmal nach einem Konzerte in der Seutterschen Fabrik, Unter-Eggendorf, der Fall war, daß ihn sämtliche Verwundete bis-zu dem eine viertel Stunde entfernten Bahnhofe begleiteten, sich dort in Front aufstellten und bei Abfahrt des Zuges salutierten! EnüV Jelinek stand im 60. Lebensjälir; sein Heinis gang hat aufrichtige Teilnahme geweckt. Zahlreiche Freunde werden ihm ein treues Gedenken bewahren. M. Josef Schjwarz. Kammersänger Josef Schwarz gibt am 15. Oktober im Großen Konzerthaussaale einen klassischen und althebräischen Abend. Es ist dies das erste Mal, daß ein Künstler vom Eange des Kammersängers Schwarz sich auf dieses Gebiet begibt. In Berlin hätte der Künstler mit diesen Abenden sensationelle Erfolge und ist zu erwarten, daß, sich auch hier die jüdischen Kreise sehr dafür - interessieren. Kammersänger Schwarz wird Lieder von Mendelssohn; vier biblische Gesänge von Dvorak, die Hymne von Behm, „Die Ehre Gottes in der Natur" von Beethoven, sowie das Arioso von Händel und das Kol Nidre von L e w a n d o w s k i (mit Cello- und Orgelbegleitung) zum Vortrag bringen. Mitwirkend: Professor Louis Dite (Orgel), Hugo Kr eisler, (Gellofc. Das Eeinerträgnis fließt jüdischen wohltätigen Zwecken zu. Karten an der Konzertkasse Gut mann, I., Kärntnerring 3, und in der Buchhandlung E. Löwit, I., Eotenturmstraße 22.« ' ';; , . ■ { .. ' ( Wien,. Für die 'he vors teilende Premiere von Arnold Zweigs Tragödie „Eitualmo.rd in Ungarn". („Die Sendung Semaels") an der Neuen Wiener Bühne werden große Vorbereitungen getroffen. Direktor Geyer wird das bisher von der Zensur verbotene Stück, das den bekannten Tisza-Es'zlarer-Prozeß zur stofflichen Grundlage nimmt, aber mysterienartig zwischen Himmel und Erde 'spielt und deshalb die Eegie vor schwere bühnentechnische Probleme stellt, persönlich' inszenieren. Für die Darstellung des Volkes in ,'den Massenszenen haben Studenten ihre Mitwirkung zugesichert. Arnold Zweig trifft zur Aufführung, die für den 18. Oktober festgesetzt wurde, persönlich in Wien ein. Der Vorverkauf beginnt in den nächsten Tagen. Wien.. Arnold Zweigs fünfaktige Tragödie „Eitualmord in Ungarn" (Sendung Semaels) geht in der zweiten Hälfte Oktober .außer" an der Neuen Wiener Bühne in Wien auch am Neuen Theater in Frankfurt a. M., im Deutschen Theater in Berlin und den Kammerspielen in Hamburg zum ersten Mal in Szene. , [