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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-10-10 · 39 (10.10.1919) · p. Seite 532

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
39 (10.10.1919)
Date
1919-10-10
Page
Seite 532 (sequence 8)
Language
German
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fgSeite 628 Dr. BLOCHS WOCHENSCHRIFT. Nr: 89 der kommunistischen Herrschaft einzig und allein die Juden verantwortlich zu * machen seien. Indem wir anerkennen, heißt es in .dem'Aufruf, daß es in Ungarn unter den Verkündern der kommunistischen Grundsätze und den Schöpfern der Proletarierdiktatur viele Personen jüdischer Abkunft gab, müssen wir gleichzeitig feststellen, daß diese Leute sich mit dem Judentum weder in Religionsnoch in Rassengeineinschaft eins fühlten. Ihre Angriffe, trafen in erster Linie> die Juden, sc*vveit sie Repräsentanten des Kapitals waren. Der Aufruf ~ klingt in eine Aufforderung an die christlichen Mitbürger aus, einander die Hand zu reichen zur Rettung des; Vaterlandes1. Ungarische Aristokraten als Kommunisten. Aus Budapest wird der „Korr. Expreß" gemeldet: Der Führer der kleinen Landwirte Stephan S z a b o zählte in einer Aeußerung alle diejenigen ungarischen Aristokraten auf, die während* der Räteherrschaft organisierte Kommunisten waren, alle damit verbundenen Vorteile ausgenützt haben und von allen als Kommunisten angesehen wurden. Unter. den von Stephan Szabo Angeführten befinden sich unter anderen der gewesene Kämmerer Osdön Abaffy, Graf Geza Apponyi, Graf Denes-Szapary,Graf Ladislaus Cziraky, Graf Mo:i;z Esterhazy, Graf Alexander Festetics,- Baron Tornyai-S choßberger, der gewesene Kämmerer Paul Jeszensky, Baron Georg Pronay, Graf Julius S om'ssich,Graf Jubus Karolyi, Graf Johann Ziehy und andere. Auch der jetzige Ackerbauminister Julius Rubibinek war organisierter Kommunist. VerMafiete „Judeans" in Palästina. ' Zu Beginn des vorigen Monats sind 55 „Judeans", die aus Kanada und den' Vereinigten Staaten nach Palästina kamen, verhaftet worden. Als Grund ihrer Verhaftung wird ihre Aeußerung angegeben, zukünftig den Befehlen nicht gehorchen zu wollen, und daß sie sich nicht mehr als Soldaten betrachteten, da man sie sech's Monate nach Waffenstillstand zu demobilisieren versprochen habe, während "jetzt die militärischen Autoritäten erklärten, daß sie erst sechs■ Monate nach Unterzeichnung des Friedens aus' dem Heer entlassen würden. Sie glauben, daß dieser Entschluß von den Lokalbehörden auf Einfluß der zionistischen Kommission gefaßt worden sei. Die Männer behaupten weiter, daß sie tief getäuscht worden sind von der gegenwärtigen unbefriedigenden Lage Palästinas. Man hätte sie glauben gemacht, Palästina solle ein jüdischer Staat werden, während sie nur den Eindruck gewonnen hätten, daß das Land nur eine englische Provinz .sei. Sie beklagen sich1 über unfreundliche Behandlung seitens der jüdischen Kolonisten und daß nichtjüdisclie Soldaten größere Annehmlichkeiten genießen als die jüdischen. „Jewish "Chronicle." Die Wahtfteit ifö&er den Stand der Paüästinafrage. Unter dieser Ueberschrift veröffentlicht Chefredakteur Morris Myer in der Londoner „Jewish1 Times" eine Artikelserie, deren wichtigsten Stellen wir nachstehend nach der „Jüdischen , Preßzentrale Zürich" wiedergeben, indem wir zugleich "für die Richtigkeit der gemeldeten Tatsachen dem1 englischen Autor die Verantwortlichkeit überlassen; .Was die Immigration anbelangt, so betont Doktor W.eizmann miaufhorlich, daß diese starken Einschränkungen unterliegen müsse. Weshalb sind tiie zionistischen Führer jetzt plötzlich1 /so vorsichtig ge-. worden? Sie sollten über diesen Punkt überhaupt nicht sprechen, weil die Kontrolle über die Immigration tatsächlich' nicht in jüdischen Händen liegen wird. Es ist noch' nicht abzusehen, wie lange .dies dauern wird, aber laut den jetzigen Anzeichen"scheint es', daß aridere und nicht die Juden noch manches Jahr bestimmen werden, wieviel und welche Juden nach Palästina einwandern können, und eben deshalb wird die Immigration eine beschränkte sein. Nicht besser steht es um den Schütz des' jüdischen Handels und der jüdischen Arbeit. Es ist Tatsache, daß englisclbe Firmen den Handel in Palästina an sich' reißen und daß den jüdischen Kaufleuten nur Brocken abfallen werden. Noch schlimmer steht es mit der jüdischen Arbeit. Denn während der jüdische Kaufmann noch imfrier eine Möglichkeit finden kann, mit anderen zu konkurrieren, so fehlt diese Möglichkeit absolut dem jüdischen Arbeiter, der den Konkurrenzkampf mit den anderen Arbeitern, vor allem den arabischen, nicht aufnehmen kann. "Wegen, der Behandlung der jüdischen Arbeiter werde der zionistischen Leitung auch der Vorwurf gemacht, daßf sie ihrer Pflicht der Unterstützung und Aufmunterung nicht Genüge leiste. Aehnlich verhält es' sich! mit. der Frage der Legionäre.. Die genaue Darstellung dieser traurigen Tatsachen müßte jedoch eine, starke Kritik an den Führern zur Folge haben, was'nicht Zweck dieser Artikelserie ist. Es sollte hier nur die tatsächliche Lage, so wie sie sich jetzt darstellt, geschildert werden. Das Resum6 ist folgendes: 1. Die Grenzen Palästinas sind durdh das» englisch-französische Abkommen nochf nicht endgültig bestimmt, da England eine Äenderung dieses Abkommens erstrebt und es ist zu hoffen, daß Palästina ungeteilt bleiben, wird. 2; Die englische Deklaration wird zwar durchgeführt, .aber es wird ihr nur ein minimaler Inhält unterlegt,, s'o daß die zionistische Leitung das „Ch'owewe-Zion"- Prinzip annimmt. 3. Der Großgrundbesitz wird nichtnationales Eigentum desjüdischen Volkes werden, wodurch eine großzügige Kolonisation unmöglich gemacht wird. 4. Es1 ward eine nichtjüdische Administra tiön geschaffen, und "die zionistischen Führer haber nur die Hoffnung, feine gewisse Einwirkung ausüber!, zu können. 5. Die Kontrolle über die Immigration werden nicht Juden führen, ürid es' wird nur eine kleine und eingeschränkte jüdische Immigration geT stattet werden. 6. Es' wird weder für jüdischen Handel, noch für jüdische Arbeit ein Schütz geschaffen. Tor dem Wandersturm. Nach Tausenden und Tausenden rüsten jüdische Familien in Polen und Rußland, in Galizien, Ungarn und Slowakei zur Auswanderung. Palästina, wohin so viele Hoffhungen gerichtet waren,- ist aber verriegelt und verschlossen. „Es sei unmöglich, die Grenzen Palästinas jetzt für die Einwanderung von Juden zu öffnen, die in panischem. Schrecken aus Osteuropa fliehen", sagte Dr. Weizmann in einer Massenversammlung am 3. September in London, . Wohin sollen diese Unglücklichen, die sich vor der „Abendländischen Zivilisation" der Christenheit flüchten, in ihrer Not sich' wenden? Der Weltkrieg hat das gesamte Gebiet jüdischer Siedelungen. in. Europa verwüstet zurückgelassen. Ob sje sich1, nun in den Ländern der Sieger oder Besiegten -böt:

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