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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-10-03 · 38 (3.10.1919) · p. Seite 514

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
38 (3.10.1919)
Date
1919-10-03
Page
Seite 514 (sequence 6)
Language
German
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Seile 610 Dr. BLOCH'S WOCHENSCHRIFT tör. 38 ^greifen wollte. Als die Versammelten dies merkten, ertönten : stürmische - Pfuirufe und Genosse Adler konnte sieh in dem ohrenbetäubenden^ Lärm kein" Gehör verschaffen. Die Menge forderte immer heftiger' seinen Abzug, so daß dem Obmann des Kreisarbeifcerrates" schließlich nichts übrig blieb, als dem mehr-drohenden als freundlichen Verlangen nachzukommen. Die Sitzung des Kreisarbeiterrates, die zur gleichen Zeit im Arbeiterheim hätte stattfinden sollen, ■wurde plötzlich' abgesagt." Den Sinn der Wiener Pogromhetzen begreift der nicht, der sich durch die wüsten Schimpfereien gegen die Ostjuden täuschen läßt. Den Herrn Dr. Jerzab'ek, Dr. Riehl, den Sedlak und Orel ist mit der Vertreibung der galizischen Flüchtlinge nicht gedient; was' sie wollen, hat die „Reichspost" in dem Kommentar zu der ^Massenkundgebung der christlichen Bevölkerung" "deutlich1 genug gesagte „Die Abschiebung der zugewanderten Ostjuden ist eine selbstverständliche Voraussetzung des Ausgleiches in der .Judenfrage, die in ihren Auswirkungen geradezu eine Schicksalsfrage der Bepublik ist." „"Wenn man den tatsächlich bestehenden Verhältnissen Ausdruck gibt, kann, man es nicht bestreiten, daß wir in' Oesterreich eine durch eine - Scheindemokratie nur seh wach verschleierte Judenoligarchie haben. Mitdem Niedergang des deutschen "Ostmarkstammes nach dem. Zusammenbruchschnellte die Macht des Judentums' empor. Es besetzte und leitete die Regierung ' von innen und , von außen, schuf sich eine Rückversicherung in der Nebenregierung der Arbeiter- »und .Soldatenräte, verstand es, in kecker Erfassung der^ Ermattung und müden "Widerstandslosigkeit des Volkes'in alle Staatsämter- -und Kanzleien und in alle Bäteorganisationen eigener Schöpfung seine Leute auf die maßgebendsten und verantwortungsvollsten Posten zu bringen, zog geschickt, seine - Fäden und warf sein Netz dem langsamen Michel um den müden, wuriden Leib. So kam es, daß seit zehn Monaten in .der urdeütschen "Ostmark sechs Millionen Deutsche von einemkleinen Prozentsatz .Angehöriger nicht nur einer anderen .Nation, .sondern sogar einer fremden Basse be- .herrscht werden.". ' . -Also die A-u-s treih.ua g der. Ostjuden soll ledigr . lieh die kleine Einleitung bilden, folgen litußl sodann die, Austreibung des Dr. Bauer, Dr. Deutsch, Dr. Ell e n.b 0 gen usW. ausUder Regierung. Gerade das bilde „die Schicksalsfrage der Republik". Ob selbstdie „Genossen" es als; ein besonderes Unglück einschätzen würden, wenn sie genötigt Wären, auf die staatsmännisefce Genialität der Bauer, Deutsch und , so weiter zu verzichten, wagen wir nicht zu entscheiden. Mancher von ihnen macht sich' gewiß „ seine eigenen Gedanken „vom1 Deutzen der Juden" " und spricht resigni ert: ohne Juden gehts' auch! Und ..sollte selbst Fritz AusterIitz geopfert werden müssen:: auch! "dieses Eeid wird er geduldig ertragen. Demi, wie. die „Arbeiter-Zeitung" so schön sagt: „Man kann sich? mit dem Gedanken, daß es nie Juden gegeben hätte, recht .gut abfinden." Wie stellt es utn> tfasi .Jüdische Heim" Palästina? (Wer trägt die Sch!uld an der prekären , . Situation?) - Ueber die Frage bietet ein ausfühThcher Bericht der- „Wiener Morgenzeitung" - unter dem Titel „Der Streit um den Orient" wichtige Aufschlüsse. Der Artikel ist Amsterdam, 10. September datiert und Jiat folgenden Wortlaut: „Die in Paris tagende Kommission zur Neuredaktion *des Atlas von Europahat in ihren Verhandlungen. ein© Pause eintreten lassen. Die Amerikaner sind abgereist. Lloyd George ist in London, und auch' Balfour verläßt Paris. Es entsteht eine Reihe von Gedankenstrichen in der großen Serie der Ausarbeitungen von Friedensverträgen, von Ge-. dankenstrichen,' die nach einem alten Wort immer dann gemacht werden, wenn es ah Gedanken fehlt. Und das ist kein Zufall. Denn die nun zur Verhandlung kommende Frage ist vielleicht die schwierigste von allen, stellt' die stärkste " Belastungsprobe auf die Einigkeit der Ententemitglieder dar. Das uralte Problem einer Teilung der Türkei soll gelöst werden, das' so. oft den Gegensatz zwischen Prankreich und England bis zum Kriege ■zugespitzt hat. Hat doch die Türkei ihr Fortbestehen seit 150 Jahren überhaupt hur dieser Uneinigkeit der Großmächte verdankt." Für uns aber handelt es sich nicht hur um die Lösung der türkischen^ sondern auchder Jüdehfrage. Und so ist es doppelt wert-, voll, sich über den Stand der Pariser Verhandlungen; klar zu werden. -v ^it Hunderten voii Jahren macht Frankreich Anspruch auf den Schutz der heiligen Stätten. Und wenn es auch längst aufgehört hat, an seiner Spitze den alletchristlichsten'': König zu sehen, wenn auch die Kündigung des Konkordats das gute alte; Verhältnis zur Kurie arg getrübt hat, so fällt es den Franzosen doch sehr schwer, die alten Maentänsprüche aufzugeben, die aus dem früheren ßchutzverhältnis hergeleitet wurden.- Aber die Nachfolger des heiligen Ludwig haben sich während .des Krieges zu einem Abkommen bereit' erklärt, dessen Inhält nicht ganz klar umgrenzt war, 'das: aber dem. konkurrierenden Nachfolger von Eichard Löwenherz (so wird heute der General Allenby im „Temps" genannt), jedenfalls' die bessere und vertraglich gesicherte Position einräumt. Und England ist natürlich schön wegen des Sue'zkanals und des. gesicherten Landweges vom Kap nach Indien nicht geneigt, auf seine Ansprüche zu verzichten. Denn nach der Eroberung Ostafrikas kann ja der alte Traum von Oecil Rhödes .und d'Israeli seine Erfüllung-finden: ein einheitliches britisch.es Protektorat mit Straßenverbindung vom Kap über die Nilquellen nach Kairo und von dort über Jerusalem und Mesopotamien •" nach Kalkutta. Diese wenigen "Worte - -zeigen, welch'' ungeheuren, ^ger^e^ia>ph'antä^'tisclien Machtumfang nach 'dem Gewinn dieses Krieges das britische Reich erreicht hat.- In der letzten Zeit hat es im alten Orient viele Reibungen zwischen den,-lokalen Instanzen gegeben. Die englische ÖkkupatioDsbehörde hat alles getan, um den Franzosen die Benützung des Eisenbahnnetzes in Palästina zu-erschweren." Als der "Emir JPaisul, der sich nun König von Hedschas nennt, aus Europa zurückkam, hat der britische Kommandant von Beyreuth' die Franzosen höflich daran erinnert, daß nur ihm und seinen Truppen das Recht des Empfanges zusteht. Der frahzosenfreundliche Emir Said wurde verhaftet und erst kürzlich freigegeben, als' sich diese Angelegenheit zu einem diplomatischen Zwist aus wuchs. Nun ist Allenby in Marseille" angekommen und hat Gelegenheit genommen, Korrespondenten zu versichern, daß man sich in freundschaftlicher Weise vertragen werde und es sozusagen keine Schwierigkeiten gebe. Aber. die Stimmung in Paris ist bedrückt, 'denn man fühlt sich doch in dieser Frage ganz abhängig von dem britischen guten Willen und empfindet, daß zum mindesten; Galiläa,. auf das . man glaubte, nach dem Vertrag mit England -Anspruch! erheben zu dürfen, wird) geopfert werden müssen. Gerade im Moment der Ankunft Allenbys erklären die Engländer, heimreisen zu müssen. Lloyd George erklärt, daß er in den "Örientfragen nicht genügend orientiert sei, daß ein Fachmann, wie Allenby, die" Verhandlungen führen müsse. Da versteht die französische Presse den Zweck: es ist leichter von London aus auf Grund „der Sachverständigengutachten'' „nein" zu sagen, als in persönlichen Besprechungen in Versailles. > * " England wird jalsö das Mandat süber Palästina erhalten, , wenn auch' noch manche Schwierigkeiten, zu überwinden sind, und das', ist für uns Juden von der größten Wichtigkeit. Denn, wie sich! -die Verhältnisse entwickelt haben, stehen die englischen Machthaber den zionistischen Ansprüchen, weit freundlicher gegenüber als' die Vertreter

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