Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 37 (19.9.1919)
- Date
- 1919-09-19
- Page
- Seite 500 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6S6\ Dr-..,BLOCHS WOCHENSCHRIFT. Nr. 37 Bestehendes, durch eigene Scliöniieit Verherrlichtes. Dem hebräischen Sänger erscheint sie immer in Beziehung auf eine -höner. -waltende, . geistige Machjt;. Die Natur ist ihm ein Geschaffenes, Angeordnetes, der 'lebendige; Ausdruck der Allgegenwart. Gottes in den Erschemungen der Sirmenwelt.^ Deshalb , ist die lyrische Dichtung der Hebräer großartig und von ieiertichem.iftrnst." , „In betreff nun des1 zweiten Teiles Ihrer, hebenswerten Zuschrift tut es mir unendlich wehe, Sie in einem so schweren Seelenkampie zu wissen, der gleich1: schädlich Ihren Lebenszielen, wie .. ihrem menschlichen Bewußtsein sein .muß. Um alles a'ber möchte ich Sie von dejm Schritte abreden, ihre Religion, nocihi die mit den Forschungen objektiver Wissenschaft am leichtesten zu vereinbarenue, mit der. in Ihrem Lande dominieHendjen Trinitas zu vertauschen, Harren Sie ausbei Ihren Brüdern, die einen so, merkwürdigen Märchengang durch die Jahrhunderte voübraent haben,, und jetzt an der -Schwelle ihrer Freiheit stehen. W jdmen Sie der tieistesarbeit ihrer tausendjährigen Geschichte Ihre, Kräfte und Ihren Geist; der iErfolg kann und wird nicht, ausbleiben, und die Resultate, die Sie, junger Freund, aus dem Sehachte freier .Wissensenatt erringen, werden Sie für so. manche trübe Erfahrung der nebelgrauen, vor Anbruch des lichten Freiheitsmorgens stellenden Gegenwart trösten, und beruhigen., & Ich habe. d£e Ehre, zu, zeichnen- Ihr gewogener Alexander von Hum'holdt." Der Verfasser djer „Zeitspenden der. Humanität, Reden und Betrachtungen", ßernliard ß. Hirsch in Elbing, sandte die genannte. Schrift an Alexander liumbjÄkt und enthielt lolgende kurze, aber schneidende Bemerkung über das, was für religiöse Dulldung und staatsbürgerliche Gleichberechtigung* noch zu tun ist. Humho,ldts Schreiben enthielt folgenden schmerzlichen Ausruf: „Die Verbreitung, der Reden ist. um sp. wünschenswerter, als im deutschen .Vaterlande selbst die Fortschritte religiöser Tple.ranz und staats;- biürgerlicher Gleichheit eben nicht glänzend sind." Noch am 12. November 1855 schrieb er an den gelehrten Rabbiner Marco. Mortara in Mantua: „Da ieih] seit meiner, frühesten Jugend die Ehre hatte, in Deutschland mit hervorragenden Männern unter Ihren Glaubensgenossen, weichte in Phüosophie und Mathematik geglänzt 'Haben, verbunden au sein, und da e i ne r u n s e r e r gjRöß ten und ä 1,t ies t e n Sc kr i f % s teile r, der Fr eund .Leasings, Moses Mendelssohn, auf die Erziehung, welche ich und mein Bruder in der vorsintilutlich'en Zeit genossen,- Einfluß ausgeübt hat, sehe ich. mit sehr, lebhaftem Vergnügen,, wie eich, in allen Teilen Europas die Liebe zur .Wissenschaft und |ku ernstem Studium mannigfaltiger Art unter den Juden bahnbrechen, inmitten der Hindernisse, welches das traurige Erbe vergangener Jahrhunderte und der religiösen' Intoleranz des Mattelalters sind." Alexander, v. HumMdt und s. SlonimskL Es' dürfte nur wenigen bekannt sein, daßj unter den vielen. Gelehrten und Fprschern,. die sich des Wojhlwollens und der Freundschaft Alexander von Ii «im bp. 1 d t s liüjrmen durften, sich auch ein, Gelehrter im. J£aftan aus Russisch-Polen befand.- Dieser Auserlesene, war Chaim Seiig, Slpaimski, ein [gewiegte* Mathematiker und. Astronom,, dessen fachwissenschaftlichen Arbeiten sowohldie Gelehrtenkreise Rußlands wie Deutschland» LoJ)' und .Anerkennung zollten. Im Jahre 1844 kam Slonimski nach Berlin, um hier eine, seiner physikalischen Erfindun;- gen zu verwerten, m der preußischen Hauptstadt war es ihm vergönnt, mit den namhaftesten deutschen Förstern auf dem Gebiete der Mathematik und Astronomie wie Bressel,. Crell, Enke, Jdeler, Jakobi, persönlich bekannt zu werden. Ideler. machte ihn mit Alexander v. Humboldt bekannt, der. an dem kenntnisjreichen polnisch - jüdischen Gelehrten außerordentlichen Gefallen fand. Er zeichnete ihn bald durch sein besonderes Wohlwollen aus. 1 Slonimski durfte öfters sein Haus besuchen und ihm' seine Forschungsj-- ergebnisse mitteilen. Diese Bekanntschaft zählte Slonimski. zu den schönsten -v Errungenschaften seines Lebens und er war Jdem Schicksal dankbar, das ihn mit dem Nestor: der Naturwissenschaften zusammentührte. Von diesem Dankgefühl legt eine in hebräischer Sprache abgefaßte Schrift Slonimskis „Alexander v. Humboldt, eine biographische Skizze... Dem Nestor des1 Wissens gewidmet zu" seinem 88. Gehuftstäge von S. Slonimski, Berlin, 1857" beredtes Zeugnis1 ab: Das Buch enthält .eine ausführliche Lebensbeschreibung Humboldts sowie -eine eingehende Besprechung der von ihm' in französischem und deutscher Sprache erschienenen Werke. Mit (welchemi Beifall das Erscheinen der Humboldtseheu "Biographie vom hebi\äischen ' Lesepublikum aufgenommen wurde, beweist, der. Umstand, daß sie drei Auflagen erlebte, was bei hebräischen Büchern, zumal biographischen, selten vorkommt; Als Slonimski im Jahre 1857, zum zweitenmal in Berlin -weilte,, üherieichte er. dem greisen Forscher die biographische Skizze nebst einem' Begleitschreiben des Orientalisten Dr. Michael S achs1. Darauf erhielt Slonimski von Humbpldt den folgenden Dankbrief.: „Verehirtester Herr Slonimski! Jch,hin .tief in Ihrer Schuld durch jdie lange Verzögerung des" Dankes für eine Ehre, die Euer Wphlgeboren' mir so wohl^ wpllend bereitet haben.- Die unruhige Lage, in der ich! lebe, in einer gesellschaftlich und politisch so bewegten Zeit, kann mich kaum1 rechtfertigen. Eine. Empfehlung von zwei berühmten, . mir so teuren Freunden wie Bressel und Jakobj, läßjt einen dauernden Eindruck.- Der (ftehräisuchen Literatur leider entfremdet, aber vpn, früherem Umgang mit denedelsten Ihrer. Glauhensgenpss'en iiinigst verbunden, ein lebhafter und dauernder ..Verfechter tder ihnen gebührenden und sp, vielfach' entzogenen Rechte> bin ich; nicht gleichgültig für die Ehre, die Sie mir erwiesen 'haben. Das Zeugnis leimst tiefen (orientalischen. Sprachkennersjj des vprtreffli.dhjen Doktor Michael Sachs*, kann eine splehe Auszeichnung nur erhöhen. Er/ ist für die bipgraphischi Belobten fast eine Beruhigung, der Ursprache nicht mächtig' zu sein. Ichbin vpn Dienstag, an einige Wochen wieder, in Berlin .und es wird mir an jedem Tag zwischen 1 und 2 Uhr eine Freude sein, Herrn" v. Slonimski, falls er nicht schon nach Warschau zurückgekehrt ist, in Berlin zu empfangen und Ihnen den Ausdruck der Hochachtung mündlich zu erneuern/ der Ihren wissenschaftlichen Bestrebungen gebührt. Euer Wohlgeboren ergebenster Alexander y. H u mi h o 1 dt. Pots - dam, den 12. September 1858." . ifais der Zeit der Bekanntschaft Slonimskis mit Humbpldt verdient eine, lustige Episode mitgeteilt zu werden.' Alexander v^ Humboldt, der. bekanntiieh, der mtimus Friedrich Wilhelms IV. «war,; wußte* den König für den jüdischen. Gelehrten dermaßen zu interessiejren, daßi .der Monarch!, ihn zur Pfivataudienz entbot. Hum'boldt benachrichtigte hievon Slonimski und gab.., ihm den Tag an, an dem erjlhnbeim König einführen