Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 37 (19.9.1919)
- Date
- 1919-09-19
- Page
- Seite 495 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nt. 37 ßr« BLOCH« W . > - gefangenenabteilüng nicht vorgeschlagen zu werden. Ja, viele Gebesserte desertierten nach! Z. zurück, was dem1 Kommando wieder Unannehmlichkeiten verursachte^ weil es angezeigt wurde, daß diese Deserteure als1 Grund ihrer Flucht angaben, in Z. sei die beste Menage und werden sie dort, wenn auch mit eiserner Disziplin, am menschlichsten, behandelt. Ein inspizierender, ein sehr gefürchteter General, konnte nicht genug Lobesworte über diese Strafabteilung, die inzwischen auf nahezu 1000 Kriegsgefangene angewachsen war, finden. Der Kommandant hatte sich? nämlich freiwillig entschlossen, die vom Armeekommando beabsichtigte Aufstellung einer zweiten Strafabteilung, für die schon 400 Anwärter gesammelt waren, auch zu übernehmen, nur mit Verstärkung der Wachmannschaft. Und richtig rückten eines' Tages in Z. 400 neue, Gäste an, zerlumpt, zerfetzt, wie sie in Wäldern und Höhlen aufgegriffen (worden waren. Mit Recht konnte der Stationskommandant von Ghelm erklären, daß der Kommandant von Z. den schwer- ""sten Stand, den man sich/lenken könne, habe. 1000 Kriegsgefangene und zu ihrer Bewachung nur - 80 acht verschiedene Sprachen redende alte Landstürmer mit nur einem Fähnrich als Gehilfen zu bessern, war wahrlich keine leichte Aufgabe. So wurden diese Sträflinge, die mit der eigenen Mannschaft zusammen ein tatsächüches' Sprachenbabel. abgaben, bis zur Auflösung der Abteilung (Ende Juni 1918) behandelt. Die letzten Insassen, von denen sehr viele die letzte Kommandoführung miterlebt hatten, nahmen tränenden Auges von Z. Abschied und konnten den Kommandanten iiü|r dje ihnen zuteij. gewordene menschliche Behandlung nicht genug danken. Die Geschichte dieses Straflagers! wurde erzählt, um zu zeigen, wie _,^a^s^chtige" Jwjlen im Gegensatze zu den edlen Bolen w'<ährlose Feinde nehandeln. Damit aber , mancher Leser nicht denke, die ganze Schilderung wäre ein Märchen, seien die Namen des aus den fünf Juden bestandenen Kommandos genannt: Hauptmann Alired May, Fjähnriöh (später Leutnant), Doktor Max Diamant, Rechnungsunteroffizier I. Kl. Ludwig Wellisch und die beiden Dolmetsche Max Berg (aus Jekaterinoslaw) und Jewel Joffe (aus Wos'snotsdbiensk bei Odessa). - . •* Ein jüdischer Kriegsteilnehmer, Zwei Kundgebungen. Zu den Pogromen in der Ukraine. — Der polnische Eid. Mit zwei eindrucksvollen Kundgebungen trat jüngst der Außenminister der Ukraine, Herr Volodymyr Temnyzkyj, in die Oeffentlichkeit. Die erste betrifft die Pogrome in der Ukraine, deren wahren" Charakter wir jetzt kennen lernen, und die zweite den polnischen Treueid, "zu des'sen Leistung alle in öffentlichen Diensten stehenden Personen ukrainischer (und auch jüdischer) Nationalität von den polnischen Okkupationsbehörden in Ostgalizien gezwungen werden. Minister Temnyzkyj richtet diese Kundgebungen im Drahtwege an den Präsidenten der ukrair nischen Friedensdelegation in Paris, Grafen Tyszkiewi cz, mit der Bitte, sie dem Obersten Allir irtenrate der über das Schicksal von Staaten und Völker entscheidet^ zur Kenntnis zu bringen. Der Vorschlag, des ukrainischen Ministers, des Aeußern, eine jüdische Untersuchüngskommission in die Ukraine zwecks Prüfung der näheren Umstände, \ .■ . ■■ ■ % 0CHENSCHR1FT Seite m wie sich! die Pogrome dort abgespielt haben, zu entsenden, hat in allen interessierten Kreisen lebhafte Befriedigung gefunden. Man ist überzeugt, daß die ukrainisch-republikanische Regierung gerne dazu beitragen will, die Schuldigen zu entlarven und an den Pranger zu stellen, um! auf sich! nicht den ge,- ringsten Makel einer Blutschuld haften zu lassen. Wenn es noch eines Beweises bedarf, daß die schrecklichen Pogrome in Odessa, Jekaterinoslaw, und anderen Städten des Kiewer und Chiersoner Gouvernements von bolschewikischer Seite in Szene gesetzt wurden, so liefert ihn die Tatsache, daß sieb alle diese Städte und Ortschaften zur Zeit der Ausschreitungen und auch später in der Gewalt der Bolschewiken befanden, denen die Sicherheit und das Leben der Bürger anvertraut war, aber statt für Ruine und Ordnung zu sorgen, die furchtbarsten Metzeleien heraufbeschworen haben. Wenn trotzdem behauptet wird, daß Bolschewismus1 und Judentum einander so nahe stehen, daß von einer Verfolgung der Juden durch die Bolschewiken kaum die Rede sein kann, so wollen wir diesbezüglich! nur auf die Vorgänge im Sowjetrußlland selbst verweisen, wo jüdisches Leben und Eigentum ebenfalls unsicher und gefährdet erscheint. Aber auch' die ukrainische Regierung fuhrt die traurigen Vorkornmnisse in Proskurow, Schmerinka und in einem Falle in Wolhynien darauf zurück, daß ein ansehnlicher Teil der döTtigen jüdischen Bevölkerung mit den Bolschewiken sympathisiert und einen Aufstand bolschewikischen Charakters gegen die Ukrainer organisiert hat, weshalb diese zu. Abwehrmaßnahmen zu greifen gezwungen waren. In diese Affäre Klarheit zu bringen, wird Sache der Unterv suchungskommission sein,, deren Urteil wir nicht vorgreifen wollen. Bemerkt muß jedoch werden, daß die Gesinnung einzelner noch lange nicht die Gesinnung der Gesamtheit darstellt und daß sich das Gros des Judentums keinesfalls mit dem Bolschewismus identifiziert: Wir geben öhheweiters die Möglichkeit zu, daß beispielsweise einzelne jüdische Organisationen, wie „Der Bund" und „Poale Zion", sich den Bolschewiken zur Verfügung gestellt haben, allein die Beweggründe dazu muß man kennen: Die Juden Rußlands befürchten Massenporgome, wenn es Koltsehäk oder Denikin gelingen sollte, die BolschewiM zu stürzen, und von zwei Uebeln zieht man bekanntUcK das kleinere vor, weil es weniger Schaden und Nachteil verspricht. Die an Juden begangenen Verbrechen auf ukrainischem Territorium sollen also über Wunsch der Regierung Petljuras durch Juden untersucht werden. Achad Ha am ist der erste, der auf der Liste der Pogromrichter figuriert Er kennt Rußland und die Ukraine und ist selbst ein Kind der Steppe. Wir haben zu ihm und. allen anderen Vertretern des jüdijschen Volkes das vollste Vertrauen, aber auch zur ukrainischen Regierung, die wie keine andere bisher mit solcher Offenheit ein Bekenntnis gegen diePor grome abgelegt und sie auch vom rein menschlichen Standpunkte verurteilt hat. Es ist wahr: Juden und Ukrainer haben jetzt in mancher Beziehung ein gleich schweres Los; hoffen wir, daß sie es glücklich! überwinden und fortab in Frieden und Eintracht leben weiden.; I M Nun zum polnischen Treueid: Minister Temnyzkyj hat in dieser die Verfolgung der ukrainischen Staatsbeamten in Ostgalizien betref-