Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 37 (19.9.1919)
- Date
- 1919-09-19
- Page
- Seite 496 (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 5S2 Dr. BLOCHE (WOCHENSCHRIFH Hr.-37 fenden Angelegenheit an den Grafen Ty szkiewi cz folgendes Telegramm gerichtet: „Die ppliuschen X)kkupätionsfeehörden in Ostgafrzien zwingen Beamte ukrainischter NatipnaUtät in öffentlichen Institutionen, Richter und Leiürer öffentlicher V(blks- und Mittelschulen, den Treueid für den polnischen Staat zu leisten. Personen/ die eine solche Angeiobung dem poku-. sehen Staate verweigern, werden vom Dienste. entlassen, durch1 Hausdurchsuchungen und Verhaftungen verfolgt, die Bezüge, werden .ihjnen eingestellt, so .daß Tausende von Familien ohne Existenzmittel gehlieben sind. Angesichts dessen, .daß; die. staatliche Zugehörigkeit Osigalizien noch nicht entschieden ist und die polnische Armee dieses Land im Namen der Entente nur provisorisch1 okkupiert, entbehrt die Forderung der polnischen Verwaltungsbehörden, die Beamten ukrainischer Nationalität mögen dem' polnischen Staate den Treueid leisten, jeder rechtlichen Grundlage und stellt sichi als eine, unerhörte Ueb'erschreitung der polnischen Befugnisse dar. Die Regierung der ukrainischen Volksrepublik erhebt energischen Pro te st gegen ein solches Vorgehen der polnischen Okkupatipnsbehörden in Ostgalizien und ersucht Sie, diesen Protest zur Kenntnis des Höchsten Rates der Friedenskonferenz in faris zu bringen, die unverzügliche Einstellung dieser Uebergriffe und die Wahrung der Dienstrechte aller aus .obigen Gründen Betroffenen zu verlangen." * . Um diesen Protest nach Gebühr würdigen zu können, fügen wir hier den Wprtlaut des polnischen ^Eides bei, der in wörtlicher Uebersetzung lautet: „Ich! schjwöre - zu Gott dem Allmächtigen und der^ heiligen Dreifaltigkeit, dem Vaterlande und dem polnischen Volke, in dem mir anvertrauten Amte die Freiheit, Unabhängigkeit und Macht zu Wahren und zu festigen,- das Wohl des polnischen Staates und das1 öffentliche Gemeinwohl mir stets vor Augen zu halten, der Republik Treue zu bewahren, dem polnischen Volke mit ganzem Herzen zu dienen, die Gesetzesvorschriften zu beachten, meine Amtspflichten eifrig und gewissenhaft zu erfüllen, den Weisungen der Vorgesetzten Fplge zu leisten und das Amtsgeheimnis zu wahren." Selbstredend ist es eine starke und gewagte Zumutung an das patriotische Empfinden der Ukrainer, sich' durch! ejne spiche Eidesleistung dem polni &ch'en. Staate und dem p o 1 nisch'en Volke mit Haut und Haaren auszuliefern. Soll dies nicht etwa eine versteckte Formel für die. angekündigte Abstimmung über die künftige Zugehörigkeit Osigaliziens sein? Korrespondenzen. Garl Lemberger s. A. Mit dem am 12. September 1. J. nach1 längerem L eiden im 71. Jahre seines segensreichen Löbens dahingeschiedenen und am1 14. zu Grabe getragenen Herrn Carl Lern'!herge r schfwänd eine jener immer seltener werdenden Gestalten aus' dem Leben, die der Wiener jüdischen Gemeinde ihr besonderes1 Gepräge gaben. Eine, ungeachtet ihrer Einfachheit und Bescheidenheit scharf umrissene Persönlichkeit, ver: stand es1 der Verewigte, wie 'selten jemand, sich die Hochächtung, Freundschaft und Liehe; weitester Kreise zu erwerben. Mit einer glücklichen Frohnatur begnadet, wußte er um, sich!; Lebensfreude zu ver-v breiten; ungewöhSnlich! hingebungsvolle Tätigkeit im Dienste der Oeffentlichjkeit beeinträchtigte nicht die unablässige Fürsprge um; seine. Familie, die in ihm den zärtlichsten, aufmerksamsten. Gatten und Vater und den besten- Verwandten verehrte;:Jtiefes' soziales Empfinden bekundete, er gegenüber seinen geschäftlichen Mitarbeitern in jahrzehntelanger, ehrenvoller kaufmännischer Betätigung, von der er sich schon vor längerer Zeit zurückzog, um' sich' ungehindert Werken der Nächstenliebe widmen zu können. Zu diesen war er dank seiher außjerordentlichen Herzensgute und seiner vornehmen Gesinnung, geradezu berufen; seine gröflfce>'Fr^ude :jwar, •. anderen; Freude,; zu 'bereiten und zu helfen, wo. er konnte. Mit Festigkeit und . Treue hing er an dem von ihm als' richtig Erkannten und an den Traditionen seines Hauses und in diesem Sinne "betätigte er sichi in^hervorragender. Weise im Kultusvorstande, im B.e.ihiausvorstande,- im Vorstande der Chiewra Kadisehä und in zaUreichen humanitären Körperschaften. . Sejn Hinscheiden bedeutet für die Familie, einen unersetzlichen- Verlust; in allen Kreisen, in denen er lebte, und wirkte, hinterläßt er eine, fast unausfüllbafe Lücke. Das Leichenbegängnis fand unter stärkster Beteiligung statt und jeder hätte, das Empfinden, daß einer der Besten der Gemeinde 'dahingegangen sei. Diesen Gefühlen gäben an der Bahre der Vizepräsident der Kultus^emeinde, Herr Dr. Wilhelm P a p p e n-j hie i m, der Präsident der Chewra Kadischa, Herr Dr. Markus S pit!zer, der Präsident der B'nai B'ritli „Eintracht", Herr Dr. Siegfried Boxer und der Prä-, sident des Vereines1 reisender Kaufleute, Herr Artur Lem'berger, beredten Ausdruck; für seine Mitarbeiter nahm Herr Alfred A^t-iä^äeier-'^w.e^ng^. Abschied von dem' .Verewigten. Das Andenken des Dah in geschiedenen wird 'bei allen, die ihn kannten, ein unvergängliches und gesegnetes ible,iben;. :; - , i . / Berlin. Dr. I. Elb:ogen, Dozent an der Berliner' Lehranstalt für die Wissenschaft des! JudehtumSy ist zum1 Professor ernannt worden. Erofessor Dr.. Elbogen, 1874 in der Provinz Posen geboren, studierte in Breslau Philosophie und Geschichte und am1 dortigen judisch'-theplögischen Seminar jüdische Theologie. Nach1 seiner 1893 erfolgten Promotion und der ein Jahr später abgelegten Rabbinerpriüfting wurde Dr. Elbogen 1899 als Dozent an das Gp.llegio R a b b i n i c o i t a 1 i a aoberufen, vp,n wo er 1902 einem Rufe als' Dpzent an die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin folgte, an der er das Fac'h! der jüdischen Geschichte und. Literatur vertritt. r> . ' t ■ Redakteur Hans Goslar, Berlin, ist zum Geheimen Regierungsrat und Vortragenden Rat im Beich'sfina,nzmin isieriuim ernannt worden. Geheimer Regierungsrat Go s'lar hät sich1 auch' im jüdischen öffentiichfen Leben eifrig betätigt. Er gehört zu den führenden Persönlichkeiten in der Misrachi,-Orgänisation. Von seinen zahlreichen hterarischen Arbeiten ist seine letzte Schrift ^Die Sexual-Ethik und die Wiedergeburt des jüdischen Vplke's" hervorzuheben.