Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 37 (19.9.1919)
- Date
- 1919-09-19
- Page
- Seite 493 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr.?>9 Dr. BLOCHE I^OGHiffeGSRiFf Seite 58$ Solidarität der zivilisierten Welt; und sie haben ihre letzte Hoffnung in das heilige Recht aller Menschen zum Leben und zur Freiheit gesetzt. Anatole France; Paul Appell, memhe de l'institut; A. Aulard, professeur ä. la Facülte .des Lettres de Paris; Henri Barbusse; Charles Bernard, deputö; Emile Corday; L. Dispan de Fleurian, professeur agräge aü lycee Lakanal; Georges Duhamel; Elie Faure; Charles Gide^ professeur ä la Faculte de Droit de Paris; Ferdinand Herold, vice-president de la. Ligue des Droits de rHomme; Gustave. Herv6; L, Laqicque, professeur ä la Faculte" die Sciences; F,. Larnaude, doyen de la Faculte de Droit de Paris; Ernest LavisS1©, de l'Acad^mie Francaise, directeur de, l'Ecole Normale superieure,; Victor Margueritte; Marcel Daohin, depute; Mmfe. Menard-Dorian; Pierre Mille; Wilfred Monod, pasteur; de Monzie, depute, ancien ministre; Moutet; depute du Rhone; A. Prenant, profes'seur ä la Facülte de Medecine, membe del'Academie de Medecine; „Henri Roger, doyen de la< Faculte de Medice; Gabriel Seailles, professeur ä l'Universite de Paris; Cb. Seignobos, professeur ä la Faculte dös Lettres de Paris; Albert Thomas, depute,; ancien ministre; abbe ViolleL Die Antisemitenjbiund^MitgHedscih^ff ate( Reiseausweis. Die „Reichspo.st" bringt folgende Mitteilung: In den letzten Tagen (überwachten Organe der Tiroler Landesregierung sehr scharf die Durchführung der Erlässe $ber die Abreise der Fremden. Parteien., die ihre Abreise immer wieder hinausschoben, wurden, «chließlich so rasch und plötzlich zur Bahn gabracht, daß ihnen kaum Zeit zum Einpacken blieb. Zivei; s dieser, iQrgane, trafen in einem Gasthofe auch einen Wiener, der das Unglück hatte, etwas östlich auszusehen. Diese. Beobachtung machten auch die zwei- Ueberwachüngsorgane und sie machten daraus1 kein , Hehl. „Verzeihen. Sie, ich bin kein Jude", warf der also Verdächtigte. ein.* „Wenn Sie . auch kein Jude sind, so treiben Sie doch' zumindest im Dienste der Juden Schleichhandel", war die Entgegnung. Auch dagegen verwahrte sich1 unser Wiener entschiedenst und. zog schließlich zur Bekräftigung seine Mitgliedskarte des Antisemitenbundes: aus der Tascjie. „Wir danken, das genügt; sie können noch! "bleiben 1" war die. Entgegnung der Tiroler. Behandlung von Gefangenen. Sehr geehrter Herr Redakteur! . Unter dem Titel ^Mens'chenschjckslale' * bringen Sie; in ihrer .letzten Nummer Schilderungen -aus polnischen Gefangenen- und Interniertenlagern, die dem. Protokolle entnommen sind, weiches mit dem dieser Hölle entflohenen Oberleutnant Iwan Odowijczuk aufgenommen wurde. Beim Lesen dieser Einzelheiten, welche der p.arstellungskunst eines Höllen-Brueghel wiirdig wären; tauchen einem die Bilder der Dantescben Unterwelt auf und man kann füglich die Behandlungsart von Gefangenen als Gradmesser für. die Kultur eines Volkes oder seiner Angehörigen gelten lassen. ' ■ : , . Es dürfte daher nicht uninteressant;,- sein, zu hören,, wie Juden, denen man nebst anderen Lastern stets auch' ^besondere Rachsucht als kennzeichnendes RaSs!emerkmal nachsagt, in ■ ähnlichen Fällen / gehandelt haben. Deshalb soll die Geschichte eines- Gefangenenlagers' erzählt werden^ dessen. Kommando .total. ,yverjudet" war. Alsnach dem! zweiten Rückzüge , von Luck das russische Gefangenenlager in Kowel immer größer wurde und manche der dort internierten Moskalen sehr viel zu schaffen gaben, wurde eine Auslese getroffen und das Lager in eine „Strafabteilung" umgewandelt. Diese Bestimmung ^als Korrektionsanstalt kam auch in der Firma zum Ausdruck. Bei dieser. Abteilung war ein iuss.-jüd^Krie^efangener-DoImetsei^ welche Tätigkeit er im' früheren Lager schon seit 1915 ausübte. Was dieser Jude und später mit ihm' der zweite Dolmetsch, der ebenfalls ein Jude war, ihren „Landsleuten", unter 'denen sicherlich sehr viele Pogromihelderi und ehrenwerte Mitglieder der „schwarzen Hundertschaften" Waren, bedeuteten, das erforderte allein einen langen Artikel. Es ist nochf zu wenig bekannt, welche Dienste die meisten der russischen Juden ihren Mitgefangenen schon vermöge ihrer Sprachkenntnisse geleistet haben und wieviele eS eines Juden im würdig fanden, sich an den armen Muschiken für das ihnen vom Zarismus angetane Leid zu rächen. Diese beiden jüdischen Dolmetsche haben aber ganz hervorragende Dienste aufzuweisen und Taten edelster, echtester jüdischer Nächstenliebe. Zu diesen zwei Juden kam* nun ein jüdischer „Feind" als Rechnuingsunteroffizier in die Kanzlei. Und auch1 dieser nahm' sich' der Gefangenen sehr an, besonders! in puncto Verpflegung, soweit es in seiner Macht stand, und duldete es nicht, daß( die Gefangenen nicht die vorgeschriebene Gebühr erhielten, weil er es mit seinem Empfinden für unvereinbar hielt, arme Teufel die Sünden ihrer Tschinowniks büßen zu lassen. Da man eine solche Gesellschaft, die aus Meuterern, Deserteuren, Aufwieglern, Hetzern und arbeitsunwilligen Elementen bestand, nicht in Kowel, dem Sitze hoher militärischer Kommanden und Behörden, belassen konnte, wurde dieses Straflager im Frühjahre 1917 nach Zawadowka bei Chelmi verlegt, wo die Kriegsgefangenen in einem Steinbruche arbeiten mufften. Der Gegensatz nun zwischen der Stadt und dieser Einöde (wo sie hinter starkem Stacheldraht ihre freie Zeit verlebten, sonst aber in den Steinbrüchen, begleitet von scharfen Eskorten und berittenen Feldgendarmen, arbeiteten), die ausgebroehene russische Revolution und die teils durch "die Ungeschicklichkeit des! Kommandanten, teils durch die großartige Oekonomie mancher österreichischer Verpflegsbehörden verschuldete diürftige Menage ließfen nun Streiks und Meutereien als fast tägliche Erscheinung bei dieser Abteilung auftreten. Der Kommandant, ein deutscher Reserver leutnant, konnte sich?, da er weder der russischen Sprache mächtig, noch1 sonst den Anforderungen, die man an den Leiter einer solchen Korrektionsanstalt stellen mußte, gewachsen war, nicht anders helfen, als das Armeekomtaando fortwährend telegraphisch. (Telephon gab es in dieser Waldeinöde, fern jeder menschlichen Behausung, keines1) um Verhaltungs!- maßregeln zu bitten.. Aber nichts nützte. Der Kessel brodelte immer stärker, zumal er täglich: neuen Zuwachs erhielt, da die Kommandanten der normalen Kriegsgefangenenäbteilungen nichts eiligeres5 zu tun hatten, als, wenn sie auch nur ein Störrisches _ Element t — sehr oft durch schlechte Behandlung widerspenstig, gemacht — bei sich hatten, dessen Abslchiebung nach Zawadowka zu beantragen, was von der vorgesetzten Behörde zumeist bewilligt wurde. So iwar Zawadowka das Sammelbecken für alle schlechten oder dafür gehaltenen russischen Kriegsgefangenen des ganzen Armeebereiches geworden. Nun wurde es immer toller, und die Gerichtskommission in diese Einöde hinaus mußte, um dortselbst Gericht zu halten, weil der