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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-09-19 · 37 (19.9.1919) · p. Seite 492

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
37 (19.9.1919)
Date
1919-09-19
Page
Seite 492 (sequence 8)
Language
German
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Sfeite 588 Br. BEOOTS ^WOCHENSCHRIFT Nr. S7 den Worten:. Ceska hblota" („T s c!he c b i s ch!e B äg a g e") an der tsehecmscheh Nation vergangen hätten. ES fehlte nicht viel, und beide Damen hätten die Kraft der Fäuste verspürt. Es wären zwei Damen der hiesigen französischen Mission, welche in dem Laden der Obstbändlerin Jirousek einkaufen wollten, die aber zu hohe Preise verlangte, s'o daß die Damen nichts kauften. In ihrer Erbitterung bezeichnete die eine dieses Vorgehen mit dem' Ausspruch: „C'est une voleuse" („Das ist eine Diebin"). Die Jirousek wußte nicht, daß diese Worte französisch sind und war der Ansicht, daß es ein pölnisfch'-jüdischer Jargon sei und begann die Damen als polnische Jüdinnen zu bestohümpfen. Das Volk rottete - sich zusammen, begann die armen Damen zu verfolgen und plötzlich1 hieß es, daß die Damen die tschechische Nation beleidigt "hätten. Zufällig erschien ein Herr, welcher lange Jahre in Frankreich gelebt hatte und erkannte, daß die Damen Französinnen seien. Er setzte der Volksmenge auseinander' daß es sich wohl um einen Irrtum handle, denn die Verfolgten konnten unmöglich die Schampfwbrte „Ceska holota" äußjern, weil sie, kein Wort tschechisch! sprächen. Die Bemühungen des Herrn wurden noch; dadurch erleichtert, daß sich p auch! einige französische Offiziere einfanden, welche || in den Damen Bekannte ihres Kreises erkannten und die Damen mitnahfmen. Die Volksmenge kalkulierte nun: Wenn die verfolgten Damen' keine Jüdinnen waren, * dann mußi die Obstverkäuferin eine Jüdin sein. Und die Menge wandte sich1 sofort gegen den Obstladen, begann dort Spektakel zu machen, bis sie von besonnenen Leuten beruhigt wurde, da * doch Jirousek sicherlich kein jüdischem Name seL Mr. 'Mongenrhäu jüffcr die Närtuf „nationaler Mfnoritätstreeiftte". Botschafter Morgenth'au besuchte Krakau, RzeszoW, Lemberg, Stanislau. und andere Städte im' Sinne seiner Mission, die Lage der Juden kennen zu lernen und einen polnisch-jüdischen Ausgleich herbeizuführen. Ueberall empfing Morgenthau die Vertreter aller jüdischen Parteien und konferierte mit den führenden jüdischen und polnischen Persönlichkeiten. - -Vielfach! kommentiert werden seine Aeußerungen in Krakau, betreffend die von der polnischen Regierung verfügte Entlassung jener jüdischen Offiziere aus dem1 polnischen Heere, die sich als5 Nationaljuden bekannt haben. Eine Beschwerde beim Ministerium1 war erfolglos-, die Angelegenheit wurde vor Morgenth'au besprochen und über seine Meinungsäußerung findet sichfein Krakauer Brief in der Warschauer Tageszeitung „Der Moment" Nr. 208. Nach' diesem Berichte hat Morgenth'a unerklärt: „Meine Herren, _ die Polen haben vollständig recht Wer sichf al s jüdischhational erklärt, kann nicht verlangen, als Offizier in der. polnischen Armee zu dienen. Auch in Amerika wäre ein solches-Verlangen unmöglich und kein anderer Staat würde einen-Offizier dulden, der sich nicht zur Staatsnation bekennt;" — „Aber als einfache Soldaten miissen die Jüdischnationalen dienen?" wurde er gefragt. Darauf -enjtwbrtete Mprgenthlau: „Als einfache Soldaten, ja. Aher alsrrÖffizierenic'h't."- Morgen t h a ü kommentierte diese seine Meinurig durch weitläufige Auseinandersetzung. Der Krakauer Brief im! „Moment" hebt mit Recht die prinzipielle Bedeutung der Erklärung vervor. M o rgenthau hat seine Aeußerung in Gegenwärt eines polnischen! Regieiwigsl^ertreters' - gemacht 0b er seine persönliche Meinung oder auch 'die Wilsons und der gesamten * Ententefühter geäußert, ist nicht klar. Allein, irian kann ni cht libch genug'• einschätzen die- Tragweite dieser prinzipiellen Erklärung. ^Wenn ein Jude,, der . sich zur jüdischen Nationalität ^bekennt, nicht. Offizier werden darf, so kann er auch zu einem; anderen Staatsam(6 nicht zugelassen werden. Ebenso kann eine Konzession unter der gleichen Begiiühdung einem Jüdischnationalen verweigert werden, Wodurch selbst die einfachen Bürgerrechte illusorisch werden. * Selbstverständlich hätte Mo;rgenth'au nicht gewagt, eine Erklärung von solcher. Tragweite abzugeben, wenn er nicht die Sicherheit hätte, auf die Zustimmung der Führer der Entente, rechnen zu können. Der BriefSchreiber in dem' „Moment" bemerkt mit Recitft: „Was hat uns also der Friedenstraktat gegeben? . Welche Rechte hat er uns' zugesichert?" Warulm sägt man nicht klär: und offen: „Unsere Bürger rechrte können wir nur, ausüben, Iwenn wir uns der jüdischen Nationalität en f s a genH*- [Eine solche offene, deutliche Erklärung hätte wenig- ^stens die Situation geklart und man hätte gewußt, ' woran man ist, es wären viele Mißverständnisse ers[ — Am 10. August hat in Newl-Yörk eine Landesversammlung des5 „Joint Distribution Committee" stattgefunden zwecks Berichterstattung der aus Europa zurückgekehrten Kommissionsmitglieder und Schaffung neuer Mittel für das1 HilfsWerk. Die Frage der Gründung einer Darlehensbank für. die ^üdis'cheh Kriegsopfer ist ständig auf der Tagesordnung. - Die Zahl der hilfsbedürftigen Kriegsnötleidenden soll nach dem! Berichte der Kömmission mindestens 4 Millionen betragen, und' falls1 es dieser auf Grund des neuen Aufrufes gelingen wurde, selbst 50 Millionen Dollars aufzubringen, so wurde es noch immer nur 12.5 Dollars pro Kopf ausmächen. /. - Französls^hier Appelf gegen die Pogrome. Eine Reihe prominenter Persönlichkeiten Frankreichs, deren Namen "wir. untenstehend anführen, richtete im Namen des1 Menschheits!-Gewissens und im Namen der moralischen Verantwortung/des' einzelnen Menschen gegenüber seinen Mitmenschen, an alle Völker der Erde und im1 besondieren an das französische Volk, einen Appell gegen die Pogrome, in dem es" nach1 Schilderung der verschiedenen Grausamkeiten u. a. heißjt: Die Unterzeichneten Wenden sich an alle Völker der Erde und bitten sie, ihre S[timme zu erheben gegen die unerhörten Verbrechen, deren Opfer ein Volk angesichts des1 Himmels ist. Es müssen sichf überall Komitees zum Schütze der osteuropäischen Juden organisieren und diese Komitees müssen sich' zu einer raschen >und kraftvollen Aktion gegen die Bedrücker vereinigen. Mögen in allen Parlamenten der Erde, die Vplksvertreter ihre Stimme gegen diese blutigen Verbrechen erheben. Den freien Völkern und den Verantwortlichen-Regierungen obliegt die Pflicht, dieser ungeheuerlichen Verletzung, der Menschenrechte ein Ende zu bereiten. l ' . ' . ' Wir fordern die raSche Organisierung von Komitees zum Schütze gegen die Verfolgung, Komitees mit aller Autorität versehen, die ihrer hohen Mission entspricht. Millionen bedrückter Juden haben keinen anderen Schütz als das' Gewissen der moralischen

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