Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 37 (19.9.1919)
- Date
- 1919-09-19
- Page
- Seite 491 (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 37 Dr. BLOGH'S WOCHENSCHRIFT Seite 987 Vom Jahrmarkt des Lebens. Glossen zur Tagesgeschichte. Die Verflechten gegen die Juden in Ungarn .danern 'ungeschwächt fort. Trotz allen Dementis Werden Einzelheiten bekannt. So berichtet Herr Sonnenberg: Sein Schlager, ein gewisser Herr Dr. Tos z e g hf y -Freund, hatte eine Besitzung am' Plattensee. ' Dieser Herr hatte eine Dienerin entlassen, die ihn des! Bolschewismus verdächtigte. Kurz darauf kamen djrei Männer im Automobil, um Doktor Toszeghy zu verhaften auf Grund einer Denunziation jener Dienerin. Seine Frau nahm ein Automobil, um1 sich1 zu beschweren und die Protektion der Lokalbehörden nachzusuchen. Auf dem Heimweg sah sie ihren Mann unter einem Baume aufgehängt. Sie kam gerade zur rechten Zeit, um1 ihn zu retten. Er fiel auf den Boden und gab noch1 Lebenszeichen von sich1. Trotz ihres Protestes wurde sie in ein Gemach eingesperrt, von wo aus sie beobachten mußte, wie ihr Mann zum zweiten Male aufgehängt wurde. Dier Namen der Offiziere, die diese Exekution befohlen haben, sind Graf Salm1 und Bibo. Dem Grafen Salm -mißt man die Schuld an einer großen Zahl von Morden an Juden im! gleichen Distrikt bei. Große Mengen von Geschichten über Grausamkeiten kommen jeden Tag aus der Provinz. In einer einzigen Stadt Wurden 40 Tote festgestellt. Zu den größten Bluthunden des weißen Terrors gehört der Sohn des ehemaligen Ministers1 Zichy, Graf Georg ^rcih'y, der als1 Husarenoberleutnant der Weißen Terrorarmee Horthlys angehört und sich neulich' öffentlich1 dessen rühmte, daßer in Leps'ö drei Juden mit eigener Hand getötet fett. Die Getöteten waren *alles «eher denn Bolschewiken. — Ein-zweiter Held dieses Kalibers ist der Oberleutnant v. Kmeti, der im Pester Kömitat sein Unwesen treibt und sogar Schwangere Frauen nicht verschönt. Am 29. August traf in Tolna-Ozora in später Abendstunde ein Trupp Weißer Terroroffiziere unter der Führung eines Majors1 ein. Durch Trommelschlag wurde die Bevölkerung zusammengerufen, um dabei 'behilflich' zu; sein, alle Juden auszurotten oder zu vertreiben. Der Major selbst gebärdete sich wie ein Wahnsinniger. Er lief die Straßen auf und ab' und schrie Wie besessen: „Juden will ich' herhaben, treibt mir die Juden hierher!" Und nun begann eine unf menschliche Hetzjagd auf die armen jüdischen Einwohner des Ortes. Fast alle Juden wurden eingefangen. Dann ging die Tortur los. Der Beamte Franz Klein h'atte eine lange Nase, die dem Herrn Major mißfiel. - Dafür wurde über den Mann eine Prügelstrafe von 60 Stockhieben verhängt. Als er in seinem arg hergenommenen Zustand sich'dann noch die Frage erlaubte, weshalb er dies alles erdulden müsse, erhielt er die. schlichte Antwort: „Kein Jude wird unschuldig bestraft und kein Jude darf ungestraft bleiben." Selbstverständlich; entgingen auch die anderen jüdischen Bewohner des Ortes dieser Prügelstrafe nicht.. 'Noch' ärger als in dem hier geschilderten Falle erging es der in demselben Orte wohnenden Familie Weiß, die ihr Judentum mit dem) Tode büßen müßte. Bisher Wurden nicht mehr und nicht Weniger als 3000 Juden getötet, die mit dem Bolschewismus nichts gemeinsam hatten und deren Verbrechen nur darin bestand, daß. sie Juden waren und es bleiben Wollten. Die Gefängnisse sind überfüllt, täglich! Werden neue VerfMtungen vorgenommen. Die Gefangenen Werden mit grausamer Härte behandelt und miß(- handelt Der Berichterstatter des „Neuen Tag" meldet: ' . V!! Morde, Folterungen usw: sin# an der Tagesordnung. Unschuldige Juden werden mitten in der Nacht , aus ihren Betten geholt und ohne weiteres aufgeh'ängt. Der Terror ist am Ruder, der alle Schrecken, die von den Roten begangen wurden, übertrifft. Ich' konnte oft hören, daß die Bevölkerung» die Weißgardisten verantwortlich machte für die" Greuel. Wenn die Exekutionen nur gegen die Schuldigen gerichtet wären, so hätte man nichts darüber sagen können und* fehl glaube, - daß sehr wenige Schmerz darüber empfunden hätten, wenn man die Henkersknechte SzamuelyS getötet hätte. Der Kommunismus war eine sehr begrenzte Erscheinung und die Zahl derer, die Verbrechen begangen hat, sehr klein. Aber die Männer und Frauen, die jetzt in den Schwarzen Kellern der Zrinyi-utca schmachten, oder diejenigen, die in den Dörfern gehängt werden, sind Leute, deren einziges Verbrechen es war,, der jüdischen Rassle anzugehören. Das Wüten des weißen Terrors1, der Massenmord an unschuldigen Menschen dauert In Ungarn also* ungeschlacht fort, ohne daß von irgendeiner Seife ernstlich; der Versuch1 unternommen würde, dem grauenvollen Geschehen ein Ende zu bereiten, Die Henkersarbeit wird verrichtet im Namen des „ch ri etlichen Ungarns" und die zu Tode Gemordeten wissen nun, daß die an sie verübte Grausamkeit eine „christliche" Tat bildet, und daß im christliehen Sinne und Geiste die Geschehnisse sichi vollziehen. Wenn junge Juden von 13 Jahren in der Donau ertrankt Werden, so ist das eine „christliche" Tat. Um all die Scheußlichkeiten - zirrechtfertigen,* Werden literarische Fälschungen fabriziert, denen die. Verlogenheit an der Stirne abzulesen ist. So wurde ein angeblich1 aus der Zeit „des Kommunismus stammendes Flugzettel" in Umlauf gesetzt, die das Wiener Organ des Budapester weißen Terrors, die „Reichspost" mit frommem Augenaufschlag den Lesern vermittelt. (Nr.- 340 vom 17. September 1919.) Das literarische Bubenstück, hergestellt in einer klerikalen Druckerei, hat folgenden Wörtlaut: „Völker Israels! Mit unserem mächtigen "Verbündeten haben wir die Revolutionszeit ausgefoch'ten; wenn wir jetzt alle zusammengreifen und uns nicht für ungarische Juden halten, sondern mit äer Zähigkeit unserer Rasse diejenigen Basteien verteidigen, welche zu zerstören vergebens sucht wer immer, so können wir Judäa aufbauen. Strebet danach1, daß (die allgemeinen Aemter durch unsere Glaubensgenossen besetzt werden, magyarisiert nich't mehr eure Namen. Fluch auf diejenigen, die sich taufen lassen. Jehova ist mit uns. Unsere tausendjährige Wanderung wird zu Ende, wir bekommen eine neue Heimat zwischJejn . der .Donau und der Theiß. Unterstützet die heiligen Vereine, diese sichern. jedem wahrhaft religionstreuem Juden einen entsprechenden Platz in neuem Staate, Szamuely beschütze uns, fürchtet nicht den Pogrom hier kann niemals ein solcher werden, agitiert für die jneue Heimat, denn der Stern leuchtet ja für uns." Durch'. solche verlogene Machwerke sollen die Scheußlichkeiten, die gegenwärtig in Ungarn an der TageSordnun sind, ihre Rechtfertigung finden. Pflicht der Entente ist*es, endlichr in Ungarn mit Ernst Ordnung zu Schaffen. „AbendEärtdisehte KuKur." Unter dem Schlagwort: „Die verkanteten Damen der französischien MisLsion" berichtet die Prager „Tribuna": Montag abends entstand in der Langen Gasse ein großer Menschenauflauf. Die wütende Menge attackierte zwei Barnen' von orienta-