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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-09-19 · 37 (19.9.1919) · p. Seite 489

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
37 (19.9.1919)
Date
1919-09-19
Page
Seite 489 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 37 Dr, BEÖCH'S WOCHENSCHRIFT Seit« 585 chen Bekenntnis widerspricht seine ganze Weltanschauung. Gerade an seinen Namen knöpft sich! für die Gegenwart das Hineintragen einer rein materjaf listischen Auffassung in die Naturbetrachtung. Häckel leiighet das Leben, insofern wir unter diesem Begriff alle jene Leistungen zusammenfassen, die, so verschieden, ihre Wirkungsweise, doch alle darin harmonisch' ineinandergreifenj daß sie alle dem gemeinsamen Zwecke zustreben, den Organismus seiltet oder seine Art zu erhalten. Diese .„Zielstrebigkeit" . findet sich' nur im Organischen. Die tote Materie ist derri Zufall unterworfen in dem; Sinne, daß darin kein Agens zutage trittV das der planvollen Vernunft des' Menschen entspräche. Nur das Organische zeigt jene Fähigkeit, materielle Energie hinsichtlich' ihrer Richtung zu bestimmen, die das Wesen des Lehens ausmacht. Ohne dieses Etwas1, das' die Richtung des Energieverlaufes im Organischen bestimmt und ihn kontrolliert, wäre ein gewisser Effekt zur gewissen Zeit unmöglich'. Ohne Zielen kann man nicht treffen, was man will und wann man es will. „Wo rohe Kräfte sinnlos1 walten, da kann sich; kein Gebild gestalten." , Worin dieses Etwas besteht, bleibe zunächst dahingestellt. Ebenso, ob es1 immanent ist oder transzendent. Jedenfalls tritt damit nichts zur Materie, nichts zur Energie hinzu. Beide bleiben konstant. Wichtig ist hier für uns nur die Feststellung, daß sie nach' dem heutigen Stande unserer Erkenntnis erst im Organi Sehlen wirksam1 gedacht werden kann. Darüber hinaus, daß alle Lebenserscheinungen je,nach' Bedürfnis1 erfolgen, je nachdem' sie zur Erhaltung des Lebens erforderlich sind, jenseits dieser Tatsache, auf der der sogenannte Neo vitalisimus fußt, hat die Wissens c h' a f t der Gegenwart nichts auszusagen, Nurdarf hier, insofern das Wesen des Geistigen in Absicht und Zweck besteht, von Geist geredet werden1. -.- Leben und- Geist nach dieser, heute allein zulässigen Definition, leugnet Häckel. Er setzt an ihre Stelle eine mf e ch' a n i S t i s c h e Weltanschauung. Statt einer zureichenden Erklärung bietet er ein neues Problem1 Er stellt hiermit zugleich1 ein Dogma auf, hat also gewiß kein Recht, den Glauben an einen personlichen WeltSch'öpfer, als d ö g m! a t i s c h', zu hekätnpfen. Es ist wohl wahr: ohne „Glaubenssätze", ohne Hypothesen und Theorien kommt auch' die Wi ssiensch-äft nicht aus. Daß sie gezwungen ist, vom Glauben. Gebrauch' zu machen, beklagt Häckel Selbst. Hierhin gehören die Wellentheorie des Lichtes, die Atom-, die ZeUentheorie, die Schwerkraft, die Einwirkung von Kraft auf Materie, das lebende Protor plasm'a, der Aether, die Vererbungstheorie u. ä. Sie sind unentbehrlich1 als regulative Prinzipien, bis man statt ibrer Besseres gefunden hat. Aber sie sind naturViss'ens'ch'aftri'ch1; denn die Wellensehwingungen des Lichtes, die Teilbarkeit der Materie, die Struktur der Gewebe usw. sind empirisch: gewonnene Tatsachen. - ' Hingegen ist die Hypothese einer Urzeugung, das * heißt die Annahme, daß sich! Lebewesen von selbst aus1 anorganischer Substanz bildeten, ebenso wie die Deszendenztheorie, f<auf die ich noch zu sprechen komme, natur p h' i 1 o s o p h! i s eh'. Denn die Erfahrung kennt keine Entstehung von Lebewesen aus Anorganischem1, sondern Zelle entsteht nur aus der Zelle, '•■■»* Der Monist muß somit annehmen, daß die Naturgesetze, die ihlrn doch' als ewig unabänderlich; gelten, früher einmal anders wirksam waren, als heutzutage. Da jene Anfangsbedingungen beute nicht mehr vorkommen, müßte sichf die Erde seit dem! Bestehen des Organischen absolut geändert haben. Er begeht Somit eine Inkonsequenz. Der Theist hingegen Setzt an den Anfang der Schöpfung ein geistiges Prinzip. Wir sehen, daß ein solches auch' von der modernen Wissenschaft angenommen wird, wie Wei sm'ann einmal sagt: „Der mechanistische Erklärungsversuch befriedigt nicht unser KausaHtätsbediurmiä" Das Wesen dieses geistigen PrinzipeS wissenschaftlich* zu erfas's'en, sind1 Wir derzeit nicht imstande. In der Natur begegnen uns Bildungen, die uns zweckr los, ja zweckwidrig Scheinen. Disharmonien, die als Harmonien zu denken, vielleicht einer späteren Zeit vorbehalten bleibt. Vorläufig sind sie das Geheimnis jenes geistigen Faktors. Eines ist immerhin gewiß, daß unter allen Lebewesen den höchsten, ja einen auch qualitativ ganz eigenartigen Geist der Mensch; besitzt. Sein Wesen 'besteht in der Fähigkeit der Abstraktion, die. trotz Häckel, dem Tiere abgeht. Der Hund faßt die Katze stets al'sf lebende. Individualität mit der Gesamtheit ihrer Eigentümlichkeiten. Das Bild einer Katze läßt ihto. in der Regel gleichgültig. In alledem findest Du keinen Widerspruch: zu dem, Was Du einst in der Schule über die Schöpfung des Menschen gehört hast. Hieran, hoffe ich, wirst Du für diesmal Dir genügen lassen ... (Wird1 fortgesetzt.) Josef Kahler. Wie jeder iiniversale Geist, mußte auch Kohl er zu den Juden und dem.' Judentume kommen. "Als Professor für bürgerliches Recht und Strafrecht wären ihm1 die Juden ferne geblieben, aber er Wollte -noch in Würzburg es versuchen, das1 Hecht "auch außerhlalhl des von den Römern gesetzten und von der modernen Kultur übernommenen Schranken der Juris- - prudenz zu suchen, und zu diesem Zwecke hatte er die Zeitschrift fair vergleichende Rechtswissenschaft zusammen mit anderen Professoren gegründet; als er 1888 nachT Berlin kam', blieb er fast allein der Schreiber der dort erscheinenden Monographien, er r und seine Schüler. Und auch er begann wie alle anderen seines Zeichens; er suchte das Gute nur bei den Ariern, bei den Urvätern der Arier, also in Indien und dann auch'daneben in China und Birma, dagegen Westasien, die Wiege der Weltkultur, War er geWohht, fast unbewußt, im; Sinne der in der Professbrenhbchburg eingenis'teten Antipathie gegen alles jüdisehfe oder slemitische, zu meiden. Nach' einigen Jahren begann er mit seinen profes^orenherrlichen Vorurteilen Kompromisse zu m'aehen und näherte sich mehr dem asiatischen Westen, indem er das islamitische Recht in seinen Wirkungskreis einbezog. Aber hier stand er bald vor einem! Rätsel, er sah! einen Kreis* und konnte nicht dieses Kreises Mittelpunkt finden, ebenso wie Wenn ein Forscher des Monotheismus bei den Christen oder bei den Mohammedanern den Anfang seiner Forschungen ansetzen wurde. Er grübelte und fand, daß dieses Zentrum' nicht bei den Türken und nicht Bei den Arabern, Sondern bei den Juden zu suchen sei. Und als er weitergrüibelte, da staunte er: hie,

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