Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 36 (12.9.1919)
- Date
- 1919-09-12
- Page
- Seite 482 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 578 Dr. BLGCH'S W Der Krieg hat mich deu Chassidim -nahe gerührt-. In Budapest und Wien, iu Polen und der Ukraine — ich fand sieauch unter den „WässerpoUaken" in den Galizien angrenzenden Komitaten meines zertrümmerten Heimatlandes — habe ich sie mit meinen Augen gesehen; es war c-m längeres - Sehen, nicht „von einem Schnellzugzum andern", und ich habe sie — verzeihet mein Geständnis — liefe gewonnen, ich empfand Hochachtung' vor diesen leidenschaftlich frommen Menschen, bei denen edles Htmsehentum der. Religion, Liebe dem Gesetze, gleichkommt. Und die rohe seelenlose Wirklichkeit, in der wir seit fünf Jahren leben, 'hat uns allen, denen es um die Idealeder Menschheit noch ernst ist, die Augen weit geöffnet und immer stärker brennt in uns das Verlangen nach! religiösen Forderungen' und Entsprechungen. *' - Ich' hatte mir daher oft gewünscht, mich der Lehre des Cfoassid^mus tiefer vertraut zu machen und habe immer ' gehofft, d a ß ein er ans < ihrer Mitte sich finden .würde, der mir das ermöglichen wird. Denn es ist selbstverständlich, daß ein Schriftsteller aus dem Westen und; selbst ein solcher aus-dem Osten, wenn er „außerhalb des Lagers" lebt, dem deutschen Leser nicht so treu den* Chassidismus darstellen "kann — und wenn er seinen Stil bis zur Unverständlichkeit aufputzt und verschräubelt — als einer, der selbst sein Leben lebt und'die religiösen Satzungen streng beachtet. Der Zufall führte mich' in ein ungarisches Kriegsgefangenenlager im Veszpremer Komitat. Dort wurde meine Aufmerksamkeit auf einen Soldaten gelenkt. Man schilderte mir, wie dieser Mann ' auch in der, müitäi'isch'en Zwangsjacke an. allen rituellen Vorschriften "zäh" festhält, er hungert, wenn er kein Koscheressen bekommt, und wie er ' vor dem Lagerkommandanten geweint hat, daß er ihm vom Schreiben am Sabbat befreien soll. Ich- /dachte gleich, der Mann muß ein „ChassicT sein —" ich hätte unter den Chassidim viele solche blutleere. Gesichter gesehen. Ein Freund aus Budapest stellte uns gegenseitig vor und ich lernte Chajim Bloch kennen. Als Offizier war ich so dreist, an ihn die Frage zu richten, ob denn das jüdische Gesetz so barbarisch' ist, auch im Kriege, wenn man keine rituelle Kost bekommt, das Trefaessen zu verbieten. Bloch erwiderte mit Kühnheit: „Disziplin, Herr Oberleutnant, Disziplin 1" Aus seinen Augen aber leuchtete ein leuer. Er erläuterte dann seine Antwort -folgendermaßen: „Nach den. von unseren Weisen zugrunde gelegten Vorschriften soll man,- wenn man sich' in einer Zwangslage befindet, auch Trefa essen. Aber ich mache hier Schule mit: ich lerne Disziplin halten, daher will ich lieber hungern, als Trefa* essen, denn ich' bin nicht berufen,, um zu entscheiden, wie groß die Zwangslage sein nTaß, um vom Verbote des Trefaeesens entbunden zu seinl" Sein an Sachlichkeit und klare Darlegung der Gedanken mit mir geführtes Gespräch hätten auf mich gewaltig gewirkt. Ich gab mich ihmals Jude zu erkennen und wurde seit diesem Tage sein Freund und Verehrer. . Als" Verbannter mich ia Wien aufhaltend, erhielt ich die Kunde, daß sein Werk „Die Gemeinde der Chassidim''', welches Bloch in einer dumpfigen verwanzten K. u. k. Baracke. an einem tintenbefleckten Tisch' zur Welt brachte, in einigen Wochen erscheinen wird. — Dadurch wird mein schon früher geäußerter Wunsch in Erfüllung gegangen sein. •' - - 1; ,",; ( - Schon im Manuskripte hatte ich in dieses Werk' Eingeht genommen. Und es tat sich vor mir die ganze chassidische Welt, mit allen ihren Gedanken und Stürmen, Träumen und Wirklichkeiten, glutigen Hoffnungen *und sehnenden Erwartungen auf. — Man wird in diesem Buch die tiefsten Geheimhisse der- Ghassidim schauen, mit ihnen den Kampf für Gott und Gottesmenßchheit führen. . Bloch hat' mit unendlichem Fleiß ein Material zu seinem- Werke herbeigeschafft, für welches -ihn. der deut- 3GHENSGHRIFT Nr. sehe Leser Dank wiesen wird. - Die von ihm bearbeiteten Geschichten sind Lichter, welche die chassidische Lehre beleuchten. - .. - . \ Es haben schon andere, und sogar solche, die sich eines, großen Namens. erfreuen, ähnliche Arbeiten' herausgegeben. Aber sie vermochten nicht die Geschichten so reih und einfach, wie Bloch zu formen, es1 fehlte. ihnen die Macht der chassidischen Güte, die Kraft der chassidischen Demut dazu.. Bloch läßt uns jede Begebenheit und jiede Deutung bis zu ihrem letzten Sinn durchblicken. Durch seine überzarte, süße, volkstümliche Sprache, erregt er eine Stimmung, aus^ der der chassidische Hauptgedanke, .die Erlösung der. bedrückten Menschheit, derver-. bannten menschlichen Ideale hervortritt. Es ist mehr ein leise gesprochenes als geschriebenes Buch'. Alle berühmten Gestalten der Chassidim der. vergangenen und noch halbgegenwärtigen Zeiten^ vom Baalschen bis zum Rabbi von Äydaezow, ziehen vor uns vorüber, so daß wir. beim Lesen der Geschichten diese Gestalten vor sich zu sehen, ihre Stimmen, göttliche Melodien, zu hören glauben. — Jede Erzählung. ist eine Blume, und Bloch reicht sie uns1 so dar, wie ein guter, Mensch ein Sträußchen darreicht. — Erhat diese Blumen nicht selbst gezüchtet, sie entstammen nicht seiner Phantasie, sondern er hat sie aus einem köstlichen Garten gepflückt:, aus der chassidischen Mythe empfangen. Er hat sie nicht selbst. geformtj. er ist nur der Ueberreichev und will gar nichts mehr sein. : ■ ' . Es ist ein erhabenes Buch, das zur religiösen Erhebung zwingt. ,. : - Aus ganzem Herzen wünsche ich meinem lieben Freunde Bloch einen guten Erfolg. Györ, am 10. August 1919. . , ,. ' Briefkasten» Die Redaktion ersucht Herrn Baruch Spiegel, Herrn Dr. Eorowltz, Frau Etta Tillinger, Frau Rifke Fromm um einen Besuch im Redaktionsiokal: Wien, II., Praterstraße 9, zum Zwecke, Mitteilungen aus Amerika entgegen zu nehmen; -Freiiierrlicfit von RotfrscMl dache Künstler-Stiftung. Das Kuratorium der Freiherrlich von Rothschildschen Künstler-Stiftung verlautbart, daß aus den .Erträgnissen derselben mehrere Stipendien im Mindestbetrage von K 80'.). - für. das Jahr 1919 zur "Verleihung gelangen. Kompetenzberechtigt für diese Stiftung erscheinen mittellose jüdische, im ehemaligen Kaiserstaate Österreich wohnhafte Künstler oder Künstlerinnen österr. oder ungar. Staatsbürgerschaft, die ihren Beruf auf dem Gebiete der Architektur, der Bildhauerei, der graphischen Künste, der _ Malerei oder der musikalischen Komposition selbständig auszuüben befähigt sind. Unter den, den obigen Erfordernissen entspre<henden Kompetenten genießen jene den Vorzug, welehe bereits Beweise ihres Talentes und ihres schöpferischen -Wirkensl gegeben haben. Von der Verleihung erscheinen diejenigen Bewerber ausgeschlossen, die sich auf anderen Kunstzweigen als den angeführten betätigen, ferner Kuristeleven, sowie überhaupt im Stadium der Vorbereitung für einen künstlerischen Beruf befindliche Personen. Die an das Süftungskuratorium gerichteten Gesuche sind bis längstens 12, Oktober 1919 im EinrejehungsprotokoUe der israel. Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, II. Steck, zu überreichen. Die Gesuche sind mit dem Geburts- und dem Heimatsscheine, sowie mit Fachzeugnissen und einem curriculum vitae, welehes den Stüdiengang, die derzeitige Beschäftigung, die Vermögens- und Familienverhältnisse, des Bewerbers in klarer Weise darzustellen hat, zu bekgen. Die Bewerber werden ihre Künstbeilageri — insoferne solche gefordert werden-^—-erst über Verlangen des Kuratoriums zu" erbringen haben. Nähere Auskünfte werden im Sekretariate der israel. Kultusgemeinde (Stiftungsamt) erteilt. ( ' " Das Kuratorium der .Freiherrlich von Rothschüd- .; Künstler-Stiftung. ■•; ,j