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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-09-12 · 36 (12.9.1919) · p. Seite 471

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
36 (12.9.1919)
Date
1919-09-12
Page
Seite 471 (sequence 3)
Language
German
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Är. 36 Dr. BLOCHS iWQCHMSCHRlKD Seite 66? Satz, welc&er.in worüiciier Uebersetzung also lautet: }Ber Galgen mu.ß| dabei'das' seinige tun, weftn" er au Chi Tausenden das' Lebten kostet." Diese neueste Erfindung auf dem Gebiete der Völkerverständigung kann zwar angesichts der ähnlichen Mordwerkzeuge, deren sieb die Polen den Ukrainern bedienen, nicht überraschten, darf aber gleichwohl dem polnischen Gelehrten als Mittel zum Zweck dienen, sich' seine originelle Erfindung p aten-. tieren zu lassen. Die erste jüdjscWe Landgemeiride in Tirol vard Wait&ris. Aus Innsbruck wird uns1 berichtet: In den waschecht klerikal-antisemitischen „Neuen Tiroler Stimmen" befindet sich? der folgende Erguß irgendeiner erschrockenen Seele, der ihren Lesern seines köstlichen Inhaltes wegen nicht vorenthalten werdea soll. Wahrlich', die beneidenswerten Tiroler Christlichsozia- " leri haben jetzt keine anderen Sorgen. Die Notiz lautet: „Wattens wird noch vor Mayrhofen dein traurigen Anspruch auf den Titel der ersten jüdisch total unterjochten Tirolergemeinde erheben dürfen. Fall 1. Nachdem durch die Wattner „Edelsteinfäbrikation", bei welcher der französische Jude Gosmann einer der Hauptmacher ist, den Bauern immer mehr die Arbeitskräfte für »die sehr überflüssige TalmiWärenerzeugung entzogen wurden, immer mehr landfremde, unruhige Elemente in die Gemeinde Wartens und ins Land gezogen wurden, haben diese aus dem Nichts hervorgegangenen fremden . Fabriksbesitzer die schönsten Bauernhöfe in Watten»- zusammengekauft, ohne natürlich eine Ahnung von der Landwirtschaft zu haben.. Fall 2. Ein angeb Iich'ungarischer Rittmei ster,der mit einer Vollblutjüdin verheiratet sein soll, kaufte vor einiger Zeit in Wartens ein Gütl. Nun soll dieses Anwesen von dem für Tirol so begeisterten, ans Geschäft natürlich gar nicht denkenden Patentbäuern an — einen böhmischen Regimentstambour verkauft worden sein und der ungarische berittene Tirol-Verehrer kauft in Nassereith das' altehrwürdige Postanwesen. Fall 3. Die älteste Papierfabrik Oesterreichs' befindet sich' in Wattens. Nun ist auch dieses Anwesen glücklich in den Besitz von Bunzel und Biach! — zwei galizischen Juden —- übergegangen. Wartens liegt am Bauch vor dem jüdischen Geldsack "und sieht nicht das kommende Elend, verursacht .durch!- die jüdischen Emdringlinge." iZu Fall 3 w!äre zu bemerken, daß Bunzel und Biach keine galizischen Juden sind, und wenn „Watiisüs vor dem1 jüdischen Geldsack am Bauche liegt, so werden die gut christüchen Wattenser wohl am besten wissen, ob ihnen aus dem Umstände, daß| die Herren Bunzel und Biach dort eine Papierfabrik besitzen, Vor- oder Nachteil envächst. Wir glauben eher das erstere. Ein Beitrag zur GescWIchie .des TieracKutzes. Vor etwa 1000 Jahren erging an das Rektorat der Hochschule in der babylonischen Stadt Pumbeditta eine Anfrage über die Grenzen der Pflicht des Tierschutzes. Das vom damaligen Sektor Scherira mit. dem Titel Gaon (= Exzellenz), der von 930 bis 998 lebte,; erteilte Gutachten: ist in der. aus Manuskripten der Kajpei'liehen. Bibliothek, in Petersburg veröffentlichten „ Gutachtensamialung von Harkavy (Berlin 1885) wörtlich enthalten. Von" Interesse ist folgender Auszug: -Anfrage: „Es; belehre uns unser Meister über die Bedeutung emer eigentümlichen Erzählung im Talmud; Dort lasen '.wir,- der Eürst Rabbenu JeJaudah_ habe einst ein Kalb, welches geschlachtet werden sollte und sich schutzsucheiid zu ihm flüchtete, hartherzig zurückgeschickt, indem er ausrief: „Geh hin, dafür bist du geschaffen!" Zur Strafe wurden Rabbenu vom Himmel langjährige schwere Leiden beschieden. Später sah einmal der Gelehrte, wie seine Magd die Jungen einer Katze wegfegen, wollte. „Laß sie," rief er, „seine Barmherzigkeit erstreckt sich über alles, was er geschaffen" (Ps. 145, Seife diesem zweiten Ereignis wichen .die über ihn verhängte» Leiden. Mit Rücksicht auf die Erzählung von dea Leiden» Rabbenus, die wegen einer Handlungsweise gekommen und wegen einer anderen Handlungsweisewieder von ihm genommen sind, fragen wir, tut man denn wirklich, gut, wen» man ein Tier nicht schlachtet und Jungen einer Kate» oder dergleichen, was Schaden anstiftet^ nicht tötet? E* belehre uns unser Herr.*' Antwort: „Also scheint es uns: Tiere, welche Schaden anstiften, etwa Schlangen^ Skorpione* Löwen, "Wölf», dürfen immerhin getötet werden. Andererseits sollen lebendige "Wesen, die uns nichits Böses tun und auch au» Speise oder Heilung nicht gebraucht werden, nicht ge-, tötet werden, und selbst sie zu quälen ist verpönt* Bi«. Jungen der Katze aber, welche Rabbenus Magd wegfegen wollte und Eabbenu gerettet hat, gehören durchaus nicht zu den schädlichen "Wesen, und solche Tiere werden mit vollem Recht vor Untergang bewahrt. Ein Kalbjedoch zu retten, welches zum Speisen nötig ist* ist uns n i c h» tf geboten; wenn trotzdem über Rabbenu infolge des er-> wähnten Ereignisses Leiden kamen, so war das eben nicht eino vergeltende Strafe für ein Vergehen, sondern »in» Leidensstrafe, wie sie Gott auf die Großen und B^ror»» zagten herabzusenden pflegt. Mit ihnen nimmt er es sfcr«8r, ger, als mit anderen, mit Rücksicht darauf* daß die groß» Masse von ihnen zu lernen und aus ihren Handlunge» weitergehende Folgerungen auf sich selbst zu ziehen pflegt. "Wenn nun jenes Kalb vor dem Schlächter geflohen war und seinen Kopf in den Schoß Rabbenus vergrub, um gen i'ettet zu werden, so erschien von. seiten Rabbenus die sofortige Auslieferung an den Schlächter als besonder» Grausamkeit. Eine barmherzige Art wäre es gewesen, da» Tier wenigstens einige Zeit aufzuhalten, und wer RabBenu so handeln gesehen hätte, der würde daraus für sein eigenes Verhalten Polgerungen gezogen haben und hätte gelernt, barmherzig zu sein. Wer aber sah, daß Rabbenu das Tier sofort auslieferte und sich nicht das geringst» Mitleid in ihm angesichts des schutzsuchenden lebendigen Wiesens regte, der wurde hartherziger in seinem Verh halten auch gegen solche Tiere, deren man nickt fr«ri darf und die unschädlich' sind." Be* Anthropoiiiorpliisitius in der Bibel, Nachtrag zu dein Artikel: Ernst Haekel und der Religionsunterricht." „Wisse, was Du zu erwidern hast." . Aboth, II. 14. Als ich las, Ernst Haeekel hätte sein Werk „Die Welträtsel", vielleicht sein meist und gerad« nicht von den Reifsten gelesenes Buch, in drei Monaten geschrieben, da 'wurde mir vieles klar. Wie kann ein Mann, und wäre er das größte Genie, ein Werk, das sich mit allen Fragen, die jemals! di» Menschheit-und nicht allein Denker beschäftigten, befaßt, iri so kurzer Zeit vollenden? Muß da nicht die Griindlichkeit zu kurz kommen un^die Oberflächlichkeit, die auf breit ausgetretenen fläden marschiert, zur Herrschaft gelangen? Das* Horazische „nonum prematur in armum", gilt es nicht insbesondere von jenen Werken, die Fragen behandeln, welche an den Grundfesten dessen Bütteln, was Menschen seit Jafe-

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