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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-09-12 · 36 (12.9.1919) · p. Seite 470

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
36 (12.9.1919)
Date
1919-09-12
Page
Seite 470 (sequence 2)
Language
German
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i ßelte 566 Dr.. BUOCH'S WOGHENSCHRIFT ^Nn 36 der bewegten Materie Leben entstanden? 4. Wie; erMären sich Naturvorgänge von einer Zweckmäßigkeit, iwie sie deni .vernünftigen Handeln des Meiijsehen entspricht? :■ & W?e sollten durcheinariderwirbeln.de Kügelchen, aus denen doch unsere Gehirn- . masse besteht, Empfindungen zustande bringen'? 6. Wie entwickeln sich? innerhalb der Lebewesen Verstand, Vernunft und Sprache? 7. Wie ist bei einem physisch gebundenen Wesen ein freier Wille möglich? Allen diesen „Welträtseln" will H ä c k e 1" die Lösung gefunden haben. Alles Leben läßt er ohne Zuhilfenahme eines übersinnlichen Faktors auf reiii mechanischem Wege, nach der Materie innewohnenden Gesetzen, bis hinauf zum Menschen entstanden sein. ,Das ist das Wesen seines Monismus, Abgewiesen wird also die Annahme ', einer schöpferischen Intelligenz, überhaupt eines besonderen, geistigen. Prinzips. Diese Entwick 1 ung nahm etwa folgenden Verlauf: Zufällig, d. h!. unter Ausschluß! einer zwecksetzenden Intelligenz, entstand eines Tages, etwa zur Zeit der Drschieferformation, eine Kohlenstoff Verbindung in Form eines einzelligen Lebewesens, einer Monere. Sie entwickelte sich' auf dem Wege der Zellteilung zu einem mehrzelligen Urtierchen, einem Protozoon, wie wir es jetzt in der Amöbe kennen. In ihrem Innern sammelte sich Flüssigkeit an, die die Zellen an die Peripherie drängte, wo sie eine dünne Wand bildeten, entsprechend dfem Stadium der uns, bekannten Mimmensehwäimer, der Planula. Der sackartige Hohlraum erhielt eine Oeffnung und die bisher einschichtige Zelümlle wurde zweischichtig.: Es waren die Anfänge des ■ Mundes1 und des Darmes, da auch zwei Keimblätter, aus deren, einem Haut und Fleisch, dem anderen die Organe der Ernährung und Fortpflanzung sich entwickelten. Dies war das Urdarmtier, die Gastraea. Nun erfolgte der Uebergang zu den Wirbeltieren.' Es entstanden Rückenmark und Gehirn, Wirbelsäule und Schädel. So lebten wir, den Haifischen ähnlich, im Urmeer. Von da aus entwickelten'-wir uns zu LüTchen. Unsere Stellung war etwa zwischen dem Salamander und der Eidechse. Nun setzten wir Milchdrüsen an, bildeten die Schuppen zu Haaren um und erhoben uns so zu Säugetieren. Inzwischen war die Tertiärzeit angebrochen. Nach üeberwindung der Stufen der Schnabel- und Beuteltiere stiegen wir zu den Halbaffen, von diesen zu den geschwänzten Schmal-, nasen, weiterhin zu den -schwanzlosen Menschenaffen empor, unserem Gorilla, Schimpansen und Orang-Utan entsprechend. Von diesem Stadium gingen wir zu dem des sprachlosen Affenmenschen über, wir erwarben das Sprachvermögen und warerizum eigentlichen Menschen geworden; Zunächst ein Wort über diese leMe Entwicklungsstufe, die Abstammung des1 Menschen vom Affen. Schon im alten Griechenland hatte Ana-, xagoras den Menschen voim Tiere herleiten wollen. In England suchten Huxley und Darwin dafür Beweise zu erbringen. Zu * ihrer Kennzeichnung genügt ' das'~ eine Argument: Der Schwanz der "Schwanzaffen sei dadurch, daß; sie auf ihm zu sitzen pflegen, bei einigen 'beschädigt worden und schließlich ganz weggefallen. Daher fehle er beim Menschen und men^ schenähnlichen Affen. Es1 stand scMiinm jim' die- Affentheorie. Nicht nur die „(Fliegenden Blätter" waren es, die sich! über sie belustigten.: Da wurden in den Neunzigerjahren auf Java Skeiettreste gefunden, in denen man den heißersehnten Pithecan-:-. thropus erectus, das1 Zwischenglied zwischen Mensch und Affe, eiblicken wollte; . Welch fein Jubel-unter den Darwinianern, Höckel voran'!- Daß Bild von Gabriel Max".in. allen möghehen .Schaufenstern und illustrierten Zeitschriften;. iHeute' spricht kein Mensch davon. , Der vermeintliche Affenmensch hat sich als echter Affe entpuppt: Ebenso 'mißglückte der Versuch," die behauptete Verwandtschaft zwischen Mensch und Affe-durch Blu tüberfiüming von einem in den ändern zu erweisen. ,;; , : - .Scharf' und prinzipiell unterscheidet sich aber schon anatomisch der Mensch vom Affen. Eher wäre man versucht, den Affenschädel, als spezialisiert,- vom Menschenschädel, als einfacher, primitiver Bildung,, herzuleiten. Der aufrechte Gang beruht beim Menschen auf ganz anderen anatomischen Bedingungen als1 beim Affen. Der menschliche Fuß ist von der Hinterhand des Affen gründverschieden. Und vor allen^ von anderen Momenten abgesehen, des Men,7 sehen geistige Begabung! Im ganzen Tierreich gibt es nicht wieder zwei Ordnungen, die so weit voneinander abstünden, als -Mensch und Äffe. Der „Urmensch", wie wir uns den Neandertalmenschen zu denken haben, ist Mensch, Bein von unserem Bein und Geist von unserem' Geist. Genau das Gleiche. .besagt die biblische Schöpfungsgeschichte, nur mit anderen Worten. - Wenn Du. mich'-also fragst, iwie sieft der Häckelsche Affenmensch mit. der biblischen Genesis verträgt, so kann ich Dir mit einer Anekdote antworten: •:' Ein König von Frankreich wurde einst auf -einer -Reise durch sein Reich r am Tore einer kleinen Stadt vom Vertreter des. Bürgermeisters mit den Worten;, empfangen: „Sire, halten zu Gnaden, es sind dreizehn Gründe,, warum unser Bürgermeister nicht selber hier sein kann,, um Sie zu begrüßen.. Der -erste Grund: daß "er gestorben ist." Worauf der gute König erwiderte,. dieser erste Gründ genüge ihm so völlig, daß! er den Herrn Vertreter um' die anderen, zwölf nicht bemühen wolle.; So genügt auch Dir wohl der erste Grund: D e r A f f e n m e n s c hr e x i s t i e r t ga r nicht, außer —- in der Phantasie einiger Naturphilosophen! Soviel, für heute nebst treuen Grüßen ' Von Deinem alten Onkel. (Wird fortgesetzt.) Glossen zur Tagesgescliichte. Eine neue Erfindung auf ...dem Ge'&iete der Völkerverständigung. Der polnische Geschichtsschreiber Stanislaw S r o k o w sk i behandelt in einer Artikelserie in der „Nöwa Reförma" die polnisch-ukrainische Frage' und gelangt zu der Erkenntnis', daß es für Polen am' besten^ wäre, . sich Von den Gebieten mit überwiegend ukrainischer Bevölkerung loszusagen. Da es aber bereits, zu spät ist (warum?), so müßfte den Ukrainern be-' wiesen werden, daßi die Polen über sie nicht regieren, sondern mit ihnen wie mit einem1 Brudervolk zusammen leben wollen.' Vorerst aber müssten alle jene Elemente, die einem polnisch-ukrainischen Einvernehmen hinderlich im Wege stehen, beseitigt; will heißen: - um einen Kopf kleiner gemacht : werden. , Wie richtig diese Folgerung ist, beweist der darauffolgende

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