Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 36 (12.9.1919)
- Date
- 1919-09-12
- Page
- Seite 469 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Nummer 36 Dr. Bloch's Jahrgang XXAVI Zentralorgan für die^ gesamten Interessen des Judentums . Postsparkassenamt Detttschösterreich: 810.976 Ungarn: 5 634 Tschecho-Slowak.: 10.976 oooo Redaktion und Administration: Wien, H/1, Praterstraße 9 . Telephon 45.359 Qoqooooo Wien, 12. September 1919 Erscheint jeden Freitag Brief-Adresse: Wien, H/1, Praterstraße Nr. 9 Telegramm-Adresse :Bloch's Wochenschrift Wien Bezugspreis: Halbjährig... 15 Kronen Ganzjährig . . 30 Kronen Einzelexemplare 80 Heiler Anzeigen: Di» zweimal gespalten» Petitzelle 70 Heller' Inhalt: L e i t a r t ikeI: Monistische Märchen. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur Tagesgeschichte. — Eine neue Erfindung auf dem Gebiete der Völkerverständigung. — Die erste jüdische. Landgemeinde in Tirol wird Wuttens. — Ein Beitrag zyr Geschichte des Tierschutzes, -r Der Anthropomorphismus in der Bibel.— Eine Abrechnung mit Houston Stewart Chamberlain. — Korrespondenzen: Sefardisch oder A§cbkena8isch!— An die Eltern volksschulpflichtiger Kinder. — Vermischtes. — Feuilleton: Die Familie Mendelssohn. — Literatur. — Inserate. Monistische Märchen. .' Aus einem Briefwechlstel. . i Von Dy. Nßx Grnnwald. : Der Urmeiistelhf. Wie ich sehe, bist Du, mein lieber Ernst, noch immer der alte. Nicht sattzukriegen. Weil ich.' mich, e i n mal verleiten ließt, Dir in den Schiätzengraben eine Trostepistel zu verabreichten, darum muß ich- Dir jetzt über alle möglicben letzten Dinge auf der Stelle Rede und Antwort stehen? Gerade jetzt in den Hunds-- tagen? Mein Briefwechsel mit H äcke 1 hat mit seinem „Monismus" nicMs! zu tun. Ebensowenig mein Buch', das er in "den „Welträtseln" zitiert. Wenn Du aber durchaus von mir hören willst» wie ich mich zu ihim stelle, so kann ich Dir natürlich hier in der Sommerfrische nicht mit gelehrtem' Rüstzeug aufwarten. Und was könnte ich' Dir Neues bieten? Du hast mich aber, lieber Junge, wieder an einer empfindlichen Stelle zu packen verstanden. Unseren Intelligenzlern muß man zeigen, daß das Judentum keinerlei Grund hat, einem Waffengange mit dfen Rittern vorn' Geiste Häckels' auszuweichen. Unsere 'Jugend vor allem sollte dazu erzogen Werden, sich' mit allen wisisensebafi- Hchen Tagesfragen, auch vom Standpunkte des Juden aus, gründlich1 auseinandjerzusetzen. Blindes Glauben gibt es bei uns nicht. „Erkennen sollst Du," heißt es1 im Deuteronomium, — nicht glauben — d&ß der Ewige der waltende' Gott ist im1 Himmel und auf Erden und "keiner sonst Und wie rüttelt Jeremia (22, 15 fg.) die Gewissen auf? „Hat nicht auch Dein Vater gegessen und getrunken? Aber er übte Recht und Gerechtigkeit, d a ging es ihm gut. Er nahm sich der Sache der Armen und Dürftigen an, da ging es gut. Heißjfc das nicht, mich e r k e n n e n, spricht der Ewige? I" Erkenne! GedJenke! Bewahre! Tue! Das sind die kategorischen Imperative dies Judentums;. Nicht andächtig schwärmen, sondern sittlich handeln! Den Gott, den Dir der Vater überliefert, erproben in Deiner Tat, ihn erkennen in dem Segen, den siestiftet, in der Freude, die sie bereitet, anderen untl ruckwirkend Dir seihst! „E r kenne den Gott Deines! Vaters!" (1. Oironpi 28, 9). So hallt es wider durchalles, was jüdischer Geist geschaffen. Die Bitte um Erkenntnis, Vernunft und Verstand ist die erste in unserem täglichen Hauptgebete. Ihn „zu befragen", bei ihm „zu lernen" kam! man und kommt ZUBa Rabbiner, nicht um ihm!. zu beichten oder bei ihm' Messen zu bestellen. Ein Korrespondent der „Frankfurter ^Zeitung" fragte einmal einen Deutschamerikaner, einen gebürtigen Mannheimer: Die Messten, glauben Sie, genügen, Ihnen den Eintritt in den Himmel zu sichern? „Yes, ach! giaubis. Denn de clergyman sägts und de clergyman mußi es wissen. Denn das is sei Geschäft. Aech Ina a man vons Glasgeschäft. Aech kann mich' nacht b^kimmern um der Frage von de religions. Aech lian nächt de Zeit; denn time is money. Wenn ach1 en Schuh! han, der'n Loch häd, gab äch nacht zum tailor; ach gäh zum Schuster. Aend alsX> gäh äch zum clergyman. Aend Wenns nächt wahr War': ich muß es glaube. Aend's is sei Geschäft, er wird dafor bezahlt." Köstlich dieses naive Geständnis! Nicht? Aber mir scheintr auch Du dachtest Dir: „Er wird dafor bezahlt." Also, „hieraus mit eurem Flederwisch!" Besehen wir uns1 einmal den „Monismus", das Dogma, dem, wie ich1 sehe, auch Du zuneigst, ein Wenig bei Lichte! In den Sieife^erjah^ren hielt Du Bois - Reymon^, der „Ignorabimüs"-Mann, einen Vortrag, in dem er sieben „WelträtsfeF* als Probleme bezeichnete, die sich! exakter Lösung ewig verschließien wrardfcn. Es sind die Fragen: 1. Weichfes ist der Ursprung von Kraft und Materie? 2. Wie ist in die ruhende aM?terie die erste Bewegung hineingekommen? 3. Wie ist innerhalb