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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-09-05 · 35 (5.9.1919) · p. Seite 462

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
35 (5.9.1919)
Date
1919-09-05
Page
Seite 462 (sequence 10)
Language
German
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Seite &&S Dr. BUOGH'S WOCHENSCHRIFT Nr. 36 und Blätter lauf den Bäumen. Davon ist jetzt keine Spui\ Die Leute haben das Gras und die Blätter von den Bäumen vollständig aufgegessen. Die Menschen sind ßchfeckjich'' herabgekommen, schleppen sich .wie lebendige Xejchname herum, mit eingefallenen Wangen und Augen. Vfele eind bereits so entkräftet^ daß sie sich gar nicht in e hr erheb e n ik ö n n e n , und unter fürchterlichen finalen auf den Tod wie auf eine Erlösung warten. Im Lager herrscht Typhusepidemie und rote Buh'r. Täglich sterben etwa 50 Leute. Es gibt keine Medikamente und-keinen ärztlichen Beistand. Im Lager streifen polnische Soldaten herum und verprügeln diese Halbtoten mit Peitschen. UebaraU hört man das Schreien und Lärmen der Irrsinnigen, die nicht weggeführt werden. Der Best sitzt in den Baracken und sucht sich des zahlreichen Ungeziefers, das sich da eingenistet hat, zu erwehren. Eines Tages kam ein fr'aazös is cäie r Oberst, um (das' Lager zu inspizieren. Die Polen sagten ihm jedoch, daß dort Bolschewiken eingesperrt seien, so daß der Pranzose mit uns überhaupt nicht sprechen wollte. Er machte eine verächtliche Handbewegung und ging.;. Wir haben, in Erfahrung gebracht, daß nach Brest auch der amerikanische Delegierte Morgenthau kommen werde. Wir haben in einer von Verzweiflung diktierten Schrift'-unsere amerikanischen Landsleute' um Hilfe ersucht, doch wissen wir nicht, ob diese Eingabs an den; Bestimmungsort eingelangt ist, da wir sie der Lagerkanztei übergeben haben und diese sie sicher vei-nichtet hat. Es unterliegt keinem Zweifel, daß in zwei Monaten nicht ein Mensch mehr in diesem Lager am Leben ge-; blieb3h sein wird, wenn sich niemand dieser Opfer polnischer Bestialität annimmt. Die Unmenschlichkeit" dieser Behandlung ehrlicher Kriegsgefangener schreit zum Himmel! Die Pogrome in Ungarn. 1 (Originialberichlt.) Janosliäza. In furchtbarstem Schrecken h&ben wir Juden von Jahoshäza vier Tage und vier Nächte dürcMeben; müssen. Nach dem Stürze des Kommunismus wurde von Offizieren, Bähnbeamten uiid^sonstigen sogenannten „besseren Elementen" des prtes die Parole unter der Bauernbevölkerung geworfen: „Los gegen die Juden!" Die antisemitischen Hetzer ließen das Gerücht'« verbreiten, die Entente hatte einen viertägigen Judenpogrom gestattet, und so setzte die seit Tagen schon ohnedies aufgewiegelte Bauernbevölkerung am Stephianstage mit ihrer blutrünstigen Mörderarbeit ein. Mit dem Rufe „Nieder mit den Juden!" rotteten sich'die untersten Schichten der Ortsbewohner, mit Revolvern, Handgranaten, Hacken und Sensen und sonstigen Mordwerkzeugen ausgerastet, zusammein und gingen von Haus zu Haus, Wo Juden wohnten, diese blutig und halbtot; schlagend. Dies alles geschah am hellichten^ Tage. Vergebens wurde die Ortsbehörde und Gendarmerie seitens' der iotgemartertein Juden um Hilfe angerufen und gebeten, tlnter dem Vorwande, daß sie kejnen Befehl zum Einschreiten haben, verhielten sie sich ganz passiv und reserviert. Tags darauf traf wohl Militär ein, aber auch vor deren Augen konnten sich die blutigen Exzesse wiederholen, ohne daß auch nur einem einzigen der Mörder ein Haar gekrümmt worden wäre. Als nun die Juden — 600 bis 600 Seelen — sahen, daß. sie ganz schütz- und /wehrlos dastehen, wollten sie flüchten und <len Ort verlassen, wurden aber auch daran verhindert. So ereignete sich beispielsweise folgender Vorfall: Als die Juden, darunter viele Frauen und . Kinder, nach' dreitägiger ausgestandener, qualvoller Furcht und Aust in der Mittagsstunde mit der Eisenbahn abreisen wollten, — sie hatten schon ihre "ll^rkärten gelöst — auf einmal wurde der Wartesaal .ri^':^Bidea Seiten" abgesperrt und die Parole ausgegeben, kein Jude dürfe abreisen, alle müssen sie da an Ort und Stelle zugrunde gehen. Und so wurden alle, die sich nicht flüchten konnten, blutig geschlagen. Viele trugen die schwersten Verletzungen davon, an deren Autkommen gezweifelt wird. Dies1 alles konnte in Gegenwart des: Stationsvorstandes, des Balmpersonals und der militärischen Wache am helllichten Tage geschehen. Welcher Jude es nur vermochte, flüchtete, so daß; heute der ganze Ort, bis auf die Schwerverletzten, die bleiben mußten, judenleer ist.« Viele Frauen suchen ihre Männer, Eltern ihre Kinder, von denen sie keine Spur haben. Zwei Tote sind bisnun zu beklagen. Bemerkenswert ist noch, daß, die Juden Jäno&- häzas niemals1 Kommunisten waren, an gar keiner kommunistischen Bewegung teilnahmen, im! Gegenteil, unter der kommunistischen Schreckensherrschaft wirtschaftlich und persönlich viel gelitten haben, hin- ' gegen sind die früheren Kommunisten des; Qrtes die heutigen Juden Verfolger und Judenmörder. Noch viel trauriger gestalteten sich' die Pogrome im nächstliegenden Czelldömölk, woselbst 7 Tote und viele Schwerverwundete zu verzeichnen sind. _ Unruhen fanden auch' in Szombathely und Särvär statt\ aus diesen Städten sind aber die Juden noch rechtzeitig geflüchtet. Gegenwärtig, weil judenleer, herrscht in den benannten Städten und Ortschaften Ruhe. Die Juden, die Jahrzehnte dort wohnten, Hab und Gut dort ließjen, wägen es nicht, zurückzukehren, bis nicht -ihnen von verläßhcb kompetenter Seite •Schutz und Wehr verbürgt wird. O i * ' J. * - -\ * - ■ fQeber die Vorgänge in Janoshäza wird ferner gemeldet: Unter wüstem Geschrei fiel der Haufe zunächst über den Kaufmann Josef F u chs und dessen. Frau her, die beide von der Menge .furchtbar zugerichtet wurden. Das nächste Opfer war der Lehrer! Simon Kemeny, dem mit einer Eisenstange der Schädel zertrümmert wurde. Der Apothekergehilfe Sandor ■ Salz bei gel Wurde durch eine Kugel getötet. Es gab kaum einen Juden, der von. dem Pöbel 'nicht blutig geschlagen wurde. Bei vielen sind die Verletzungen überaus' schwere. Die Behörden verhielten sich vollständig passiv. Als man nach' Steinamanger zu Oberst Lehar um1 Hilfe sandte, ließ er antworten, daß seine Soldaten nicht genug verläßlich seien. Noch ärger ging es in der Nacht von Freitag auf Samstag in Czelldömölk zu. Hier zog der Pöbel von Haus zu Haus, erzwang sich die Oeffnung der Tore, riß die jüdischen Familien aus' ihren Wohnungen und verübte überall bestialische Ausschreitungen. Ermordet wurden in Czelldömölk: Der Großskaufmann.Markus Nemeth, 52 Jahre alt, der Kaufmann Max Hoffmann, 73 Jahre alt, Privatier Ung a r, Hauptmann F l eis ch e r, Fähnrich G e r g e 1 y, Leutnant Weiß, Eierhändler Schöntag, letzterer im1 Beisein seiner sechs unmündigen Kinder und Frau. Schwer verwundet wurden die Brüder Heim - ler und Adolf Glück, an deren Aufkommen ge: zweifelt wird. Leichtere Verletzungen trugen sämtliche Juden davon. Auch in Steinamanger herrscht in den letzten t- Tagen eine wahre Pögromstimmung. Die Brutalitäten und Ausschreitungen werden vom Militär verübt, das vielfach von aflerhand zweifelhaften Offiziersf elementen angeführt wird. In Steinamanger wurde die Synagoge mehrere Male von Soldaten umzingelt und durchsucht und die anwesenden Juden am Leben bedroht. Man stellte ihnen in Aussicht, daft sie in den nächsten Tagen alle aufgehängt würden,

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