Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-09-05 · 35 (5.9.1919) · p. Seite 463

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
35 (5.9.1919)
Date
1919-09-05
Page
Seite 463 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3022353-3022383--27935-3053380
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

«'f. 'öh Ih% BLOCH'S W Mehrere jüdische Bürger wurden verhaftet und im Gefängnis schwer mißhandelt, so die Juden Benedikt, Buchinger, Bergstein und Holländer. Angesichts des1 Wütens des Mobs ist die Polizei sowie die Staatsanwaltschaft machtlos, Oberst Lehar, der in Steinamanger residiert, sieht den Ausschreitungen ruhig zu. Die Besehwerden jüdischer Offiziere über die Vorfälle erledigt er in der Weise, daß sämtliche jüdische Offiziere amoviert wurden. Man hat versucht, eine Bürgeijwache zu organisieren, aber dazu hat sich' viel Gesindel gemeldet, das früher im Solde der Roten Garde stand und jetzt die Juden, die sich im Interesse der Aufrechterhaltung der Ordnung zur Bürgerwache gemeldet haben, aufs schwerste bedrohen. In KisvCzell hat der dortige Richter, der unter dem' kommunistischen Regime keine geringe Rolle spielte, einem Juden die Bitte verweigert, die dort ermordeten Juden rituell begraben zu lassen. Geehrte Redaktion! IWien. Mein Weg führte mich neulich ins Lainzep Versorgungshau^, in welchem bekanntlich auch einige unserer Glaubensgenossen, Männer und Weiber, untergebracht sind.. Ihre Zahl beläuft sich auf 80 bis 100. Zu meiner großen Befriedigung konnte ich sehen, daß in der großartigen Anstalt, die von der Wiener Kommune erhalten wird und in deren Mitte eine prächtige katholische Kirche prangt, auch für die religiösen" Bedürfnisse der Unsrigen gesorgt ist. Hierüber möchte ach! mit ein paar Worten referieren. Da steht, unmittelbar neben dem evangelischen Betsaal, der gleich große und gleich würdige jüdische Betsaal, ebenerdig, hell und geräumig, in welchem die Symbole unserer Religion,' Misrach: und heilige Lade, dem Eintretenden gefällig ins Auge fallen. Auch-andere Requisiten des Gottesdienstes, Pult, Gebetbücher, Leuchter, Kidduschbecher usw. sind in genügender Anzahl da. Da kommen sie nun, die gebrechlichen Gestalten, alte-Männer und Weiber, blinde und lahme, von der Wucht der Lebensjahre gebeugt, und versammeln sich1, von Genossen und 'Wärtern geleitet, zu einem Sabbatempfang - Gottesdienst. Mit rührender Liebe und Ehrfurcht umgeben sie den ihnen von der Kuitusgemeinde beigestellten Seelsorger,. der ihr Rabbiner und Vorbeter zugleich ist, lauschen seinem Vortrage, begleiten seine Ge- -.bete und Gesänge mit Stimmen und Tönen, von denen man merkt, daßi sie aus dem Herzen strömen. Händelt es sich doch1 um Menschen, die Gott suchen und in ihm ihren größten Beistand erblicken .. . Diesem Gottesdienste beizuwohnen, ist wahrhaft erhebend und 'herzerfreuend; da kann man sehen, daß der echte Seelsorger in die alten Formen unseres Gottesdienstes1 neues Leben hauchen kann. Könnte . es nichtüberall so sein? Ich nieine nicht die großen Massen der Tempelbesücher in der Stadt; die schwer zu leiten sind, sondern Schulen, Institute, Kranken- und Gerangenenhäuser, in denen man zumeist 'auf ein empfängliches, dankbares Publikum stoßen würde, für die aber die erforderliche Fürsorge nicht immer besteht. Keine noch w.winzige Gruppe unserer Glaubensgenossen, darf vernachlässigt werden! ' ■ „ l ■■ ";■ TV .:• _____ Dr. S. Kraua ■ \ » Wiener Neustadt. (Tempelbau.— Die Chewra - Kadi sch'a -(Wahlen.) Unser prächtiges . Gotteshaus, , ein . Werk; des verstorbenen Baurates* Stiafiny, wird gegenwärtig einem' Umbau unterzogen. Als seinerzeit der Tempel errichtet wurde, herrschte in der Gemeinde eine 2CHENSCKRIFT <>ü* *■ fortschrittliche Pachtung und trotz der Einweiufcuigen des verewigten strenggläubigen Rabbiners^ ae.-. ehrwürdigen Herrn Benjamia \Veiß, wurde dem Tempel im Widerspruche mit den konservativen Bräuchen gebaut. Die Mehrheit der Gemeinde,. welch« an den von ihren Vätern ererbten orthodoxen Grund- 'sätzeh festhielt^ konnte sich mit diesem, ihren religiösen Anschauungen fremden. Gotteshause nicht J^e- Ireunden. Als dann die strenggläubige, hoebangesehene Familie Koppel aus Mattersdorf nach Wiener- Neustadt übersiedelte, fanden die Gegner des Tempels im Hause Koppel eine. Stätte, für ihre religiösen Andachten. Die Tatsache nun, daß sich viele eifrige Tempelbesucher vom Gemeindetempel fernhielten, bewog nun den indessen neugewählten Kultusausschuß, das Gotteshaus nach den Wünschen der ständigen Tempelbesucher im orthodoxen Sinne umzubauen. Der „Almemor" wird also in die Mitte gerückt, das „Omed" für den Vorbeter rechts postiert und die Frauengalerie mit einem Gitter abgeschlossen. Allediese Umbauten, unter der Leitung des Architekten Reiser von der hiesigen Baufirma Lang und Menhofer durchgeführt, werden - die architektonische und dekorative Schönheit des Gotteshauses nicht beeinträchtigen. Noch vor den höhend Feiertagen wird der Umbau «vollendet gein und dornst einem Herzenswünsche unseres seligen Rabbiners entsprochen. Im. orthodox - reformierten Tempel wird dann unser neuer Rabbiner zu den hohen Feiertagen seinen Einzug halten, dessen Wahl in diesem Blatte schon gemeldet wurde. Auch der Ausschuß, unserer Chewra Kadischa wurde kürzlich neu gewählt. Die Wahl hatte folgendes Ergebnis: Vizepräses der KultusgemeinfLe Aron Weiß, Obmann; Herr Samuel Frankf, Öbmannstellvertreter; die Hexren Siegnmnd Deu tseh', ..Wilhelm Glasier und Adolf ml» Ausschußmitglied^^ Das langjährige Voratandsmitglied Herr Josef Reichmann wurde für sein verdienstvolles Wirken zum E h;r e n m i t g l i e d e ernannt. Gratulation anläßlich! desm^ft von - Festes zugunsten der Chewra - Kadischa. Einem seit Jahren eingehiürgerten Brauche folgend, laden wir unsere P. T. Leser ein, Neujahrsgratulationen, -durch eine Anzeige in der „Wochenschrift'' an Stelle der direkten Gratulationen per Post erstatten zu wollen. Auf diesfö Weise verbindet der Gratulant mit der Erfüllung einer Formalität gleichzeitig die Förderung unserer € h e - wrä-Kadischa. Die Einschaltung solcher Anzeigen erfolgt in der dem RoSchhaschanah-Feste vorangehenden Nummer unseres Blattes vom 23. September L J. gegen Einsendung einer Spende von mindestens 8 Kronen zugunsten der Ghewra - Kadischa. Letzter Termin., zur Einsendung solcher Anzeigen 17. September $9t& „Allgemeine Hilfskommission für Palästina.** Brüder Goldmaan-Wiea K 200, Bethausverein-Wien, HL, Erdbergerstraße, 100; Hetty Lämnger-Wienv durdbiTtä..~Ifc ganger, die Hälfte für Altenh!., 100; Lea Berger-Wien, 50; M. Tager und 3?räulein Müller (Ergebnis ihrer Sammlung 'auf der Hochfeeit des' Herrn JXHöchberg mit Fräulein Regine Thaler am 14. Ab 5679) von D. Hochberg samt Braut 5; M. Höchberg, Bachela Höchberg, Gusta Gruber,'Amalia ©ratanann, Oilfi Mütter1 und Isi Hör» 4; M. Tager, i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.