Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 35 (5.9.1919)
- Date
- 1919-09-05
- Page
- Seite 460 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite m Dr. BtöeH*S lWöCHENSCHRIB^ Ki. 85 tea Jude» und Judetfs1a?nTn1ii\j;g der Redaktion, unseres Blattes, zuge^to^ Jm Je&eidm^ sind aufz;uneknie&;« alle Juden ipd- JudenstäiBüding% weichte in Land und, Stadt sieh! m der So^ntoerfrische befinden^ Villen^ Hause^ IMusfrie% .Wasser- und Scteirfkräfte, Geschäfte üÄäd; sö fori er^oi^n hahea oder erwerben^wöllen, ferner alle jene Juden und Judenstämmlinge,, die die Eßh^^sM^3%vmg' in , Tirol, angesucht oder erWoitoL Sia^eni Gleichzeitig; sind: auch alle Personen bekanntzugeben wekSte, den Juden imy .Lande irgendwelchen Vorsyb^ geleistet habe» oder leisten wollen." So wörtiißhi deir Aufruf des Landeshauptrnannes. Josef Schraffl. Auf dieses* uo:geheuer-1 ich!e Vorg eh'en muß bei dem Vertretern der Entente energisch hingeWiesen werden. Das dürfte Wjöhl genügen. Publizistisch a Freradcinhetze. Wir erhalten aus Gmunden folgende Zuschrift: Die hier erscheinende „Neueste Post", ein klerikales Blatt, die einzige Tageszeitung , des Salzkammergutes1 und so gewissermaßen das führende Organ dieses fast ausschließlich' vom Fremdenverkehr lebende^ Gebietes unserer Republik,, leistet sich in einenihrer letzten^NuttTmernrfolgendeigeisitsiyÄeBde Notiz;: „Unser* Fremde» in Gnaindeiu Die alphabetische; Ordnung der gemeldeten^ Fremden imMaMungsamte der Stadtgememde Gmunden. ergab zum: Beispiel beim' Buchstaben „R" folgende nette Reihenfolgen Rosenblatt, Rosenfeld, Rosmarin, Rosens%l, Rosenstrauch1, Rosengopf und Rosenzweig.- Auch die anderen Buchstaben sollen fast ausschließlich Namen aufweisen." Jedenfalls verdient dieser Versacfcf zur- „Hebujog des Fremdenverkehrs1-' in den kommenden Neuauflagen* der^ReiseS^rer einen Ehrenplatz und ein' besonderes Sternchen. Vielleicht sind dann die Träger -der wohlriechendenNamen von A bis1 Z so vernünftig, anderswaahin zu „verduften" liöd die Bevölkerung Gmundens kann dann zur Zeit der Hochsaison vor den Fenstern der Schriftleitung der „Neuesten Posterieichter-t-auswifen:„Endlich . allein.^ Ein Tem^eltortä vor, 95 Jahnen. Es i^raa* in der ^IölMdre-iraclit des Jahre» 5585v (Herbst 188% wätoead in der großen mänriscnen Gemeinde 3? ri e &e n\ ' alles, in tiefer -Andaekt dichtgedrängt -im-' -Gotteshause betetej daßbeieinemnich^ü^disefeen -Hänsler femvon der Judengasse' ein Feuer« ausbrach!, das, durch' einen-. Sturm angefaeiit, immer größer' wurde- -unddie ganze Judenstadt - mit dem" GoMesijauseergriff und - einäscherte-. Die Thorafollen wurdenin Sicherheit gebracht, doch-war* der Schaden ein gewaltiger.-Beim Morgengrauen begaben sich viele Beter in die; benachbartem Gemeinde Battelau^wo alle eine herzliche Aufnahme fanden, im fesigabauten Gotteshause mitbeteten und nach' Ausgang des heiligen Tages in den einzeihen Familien Labung fanden. Sogleich' nach den Feiertagen ging man an den "Wiederaufbau der Synagoge und der; Judengasse. Von. nah!:, undfern liefen Beiträge zum ^Wiederaufbau .der. Buisen»,ein, aus Wien kam der. größte Betrag — (über 4000 Gulden Wiener Währung — undY.die stattlicnslen Gemeinden von Ungarn, Böhmen und: Mähren — es. waren, jaber 40 — ließens es sich! nicht nehmen, ihr Scherflein.,zum.Wiederaufbau beizutrAgen.. Triesch.,war damals berühmt durch seine Talmudgelehrten und den großen Babbi. Elasar M ü nz, , genannt „S eh! e in e n?1 o fc e a c h", . dessen Jeschiba mit über 100 Schülern den Ruf der Gemeinde weit, weit hinaus getragen hatte. Der Vorsteher der damaligen Gememde. war. ein angesehener Mann namens Isak Wiesenwald, der, .von allen Seiten unterstützt,, den wiedererbauten Tempel größer und in erneuertem Glänze seiner Bestimmung .übergeben konnte. Isak Wiesenwald Wurde 81 Jahre alt und starb — wie eine Marmorgedenktafel in der Triescher Synagoge, die^ auch den Namen des Iglaüer ßreishauptmannes Franz v. Nädheray in Ehren nennt, uns meldet. — „nachdem er volle 10 Jahre des Anblickes seines Werkes sich* erfreut hatte", 81 Jahre alt, im Jahre 5602 (1842). Der Name „Wiesenwald" lebt als der eines edlen Vertreters1 seiner Gemeinde auch' in seinen Stiftungen in der Triescher Gemeinde in Ehren fort. / ' Moritz Antscher 1-Wien. Die Ukraine fordert eine jüdische Untersuchungsikomimission wegen der Pogrome. Wie der Ukrainische - Pressedienst meldet, hat der Minister des>Aeußern, Wladimir Temny cki an den Präsidenten der lukrainischen . Friedensdelegation in Paris, Graf. Ty s'zkieWiez,. ein Telegramm gerichtet, in welchem er wieder energisch, in Abrede stellt^ daß die Regierung. Peüjuras für die Pogrome verantwortlich. ist; . Die meisten der in den Pogrom!- berichten genannten Orte gehören zum "okkupierten Gebiet. [Das, Telegramm .• fährt dann. fort.:. „Die ukrainische Volksrepublik hat bis jetzt als; .erster und .einziger Staat Europas die Juden als, eine eigene, selbständige Nation^ anerkannt, sie h'afc ihnent die nationale, Autonojmie gegeben^ ihren offiziellen - Vertreter in de"nxMij-' nisterrat berufen, ein eigenes-. Ministerium, fürjüdische Angelegenheiten kreiert und den Juden alle nationalen und rengiösle&; Äechte^ der Minderheit zuerkannt. Die ukrainischerepuhlikanischie Regierung Pett j uras nimmt die. jüdische Bevölkerung ebenso wie alle -anderen nationalen Minderheiten, in Schutz, bekämpft mit Energie . alle antisemitischen Agitationen, hat zur Untersuchung s der antijüdisißhen Exzesse in den drei genannten Orten eine spezielle mterministerielle Komi mission gebildet, den Opfern dieser Exzesse: wurde die volle Entschädigung, zu geben beschlossen und die Urheber dieser Exzesse, wurden exemplarisch bestraft. Angesichts'^,dieservzweifellosen Tatsache, wird es klar, daß/die Verbreitung der alaimierenden Nachirichten . übes antijüdischei Pogrome. in. der Ukraine durch;die auswiärtige Pressfe .und:die Beschuldigung, daß! die ukrainisteh-repüblikanische Regierung; Peti.- juras dafür verantwortlich' sei, ihre Quellen nicht in den objektiven Berichterstattungen der Begebenheiten, sojidern in der boshaften Absicht hat,, die junge ukrainische. Republik in den Augender zivilisierten Welt anzuschwärzen und zu diskreditieren." Um all diesen Treibereien ein; Ende ,zu machen utnd. der Wahrheit zu ihrem Rechte , zu verhelfen, schlage,?ich vori; eine-' s p e z,i e 1 l.e K o m mi s s i on aus .dea.Jertr,etein des jüdas1 ch;en■.Jölkes ZU; bilden.und sie.in.die Ukraine.zwecks Konif statierung. und..Ueb'erprüfungr. der - wirkücihfcn..Sachlage zu, .entsenden.. Zu dieser. Kommission habe ichL die.» Ehre, ■ den: Herrn. Schriftsteller-- Achäd Ha.am (N. Ginsbiurg), derzeit in . London, , die Mitglieder des zentralen Komiteesder .zionistischen Organisationen. Us^ischkin .undi Go 1 dstein, jetzt in Paris, und Dr. Jo chelmann, den Präsidenten des1 Londoner Zentralkomitees , der ,i}JewisSb' territorial. Organisation"; einzuladen. j