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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-09-05 · 35 (5.9.1919) · p. Seite 459

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
35 (5.9.1919)
Date
1919-09-05
Page
Seite 459 (sequence 7)
Language
German
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ffr. ä£ Dr. BLOCH'S WOCHENSCHRIFT Seite 565 Wahrlich, wäre nicht dieser ebenso dumme als ■ Verbrecherische Bolschewismus gekommen, so hätten es die Antisemiten Wohl niemals wagen können, Nieder aufzutauchen. Aber, nach .diesem Zwischenspiel mit vielen jüdischen Schauspielern bauen sie auf das kurze Gedächtnis der Menschen für ihre eigenen Untaten und schreien: Seht, was euch die Juden angetan haben 1 Bei dieser Bewegung stellen sich nun überall die Offiziere an die Spitze. In Berlin haben sie eine Versammlung abgehalten, in welcher sie für Pogromizwecke aus ihren eigenen Taschen mehr als-100.000 Mark beisteuerten; in Ungarn haben sie die Bevölkerung solange aufgereizt, bis im Oedenburger Komi tat acht Märtyrer für ihr Judentum fielen und alle-Juden in mehreren, Ortschaften mehr oder minder schwer verletzt wurden. So also sieht die Bekämpfung des Bolschewismus in Wirklichkeit aus. Wenn die Bolschewisten Leute unrbringen und bestehlen, werden sie mit Redht Verbrecher genannt, aber keine kleineren und verworfeneren Verbrecher sind die Leute, welche die Bevölkerung zu Mord und Raub gegen die Juden ausschicken. ' Sie können auch nicht sjagen, daß sie sich an den Bolschewisten rächen wollen, denn den , Pogroms feilen immer lauter Menschen zum Opfer, die alles eher sind als Kommunisten. Der antisemitische Feldzug der Offiziere richtet sich schließlich i auch gegen Frauen und Kinder. — Wollen sich die Offiziere auch an ihnen rächen? Man muß nun auch den Offizieren - sagen, daß sie in einer gefährlichen Weise mit dem Feuer spielen. Sie haben alle Ursache, daß Ordnung und Rühe' wiederkehren und daß jene Zustände eintreten, bei welchen die allgemeine Arbeit das für den Staat notwendige Geld auftreiben kann, von dem auch Gehalte und Pensionen bestritten werden. Wenn" aber ^Unr^eh erzeugt r werden, .... so„ kann man nie wissen, gegen wen! sie sich - schließlich richten werden. In der Hitze unserer Zeit vermag niemand den einmal wachgerufenen Instinkten des Pöbels auf die Dauer zu befehlen undes1 kann aus dem Bolschewismus der Offiziere leicht ein allgemeiner Bolschewismus werden. Vielleicht also nehmen die Berliner Offiziere ihr Geld zurück und geben es den Krüppeln, statjt durch ihre Tätigkeit neue Krüppel zu schaffen. Die ungarischen Offiziere können gar schon einen praktischen Erfolg ihrer edlen Bemühungen aufweisen und werden nun den Dank der Kinder erhalten, deren Ernährer erschlagen wurden. Vielleicht werden sie es sich1 nun auch überlegen, zu ihren vielen ■ anderen erbitterten Feinden auch1 noch die Juden dazuzu;- bekommen. .. * . * * ■ Bekanntlich' wird jetzt das Aeußerste versucht, um Wien über die Schrecken dieses Winters hinüberzubringen. Nicht nur wird in der ganzen Welt um Kohle gebeten, sondern man hat auch zur Versorgung Wiens mit Brennholz zur Beheizung der Küchen und zum Kochen alle Wälder in Niederösterreich' vorübergehend beschlagnahmen müssen. Wieder sind es die chTsitlichsozialen Landesregierungen, welche in unmenschlicher Art die Wiener zur Not und . zum Elend verdammen und das. Holz, das ih ihrem Gebiete gar nicht verbraucht Werden kann, über die Grenzen der Kronländer nicht hiriäuslassen. Wieder sind es die christlichsozialen Bezirkshauptleüte, welche der Regierung und dem Gesetz Widerstand leisten und Ausfuhrverbote für Holz erlassen. Wieder sind es die christlichsozialen Waldbesitzer; welche mit ihren Vorräten einen"" riesigen' Wucher treiben. ' „ Aber trotzdem findet ein etrristlichsöziales Schandblatt Gelegenheit zu einer dummdreiste« Judenhetze, und zwar in einem Bilde mit der Ueberschrift: „Unsere deutschen Wälder sind in Gefahr." Man sieht im Hintergrunde ein weinendes Weih aus dem Volke, im Vordergrunde zwei jüdische karikierte Gestalten, 'welche eine Eiche absägen und erschreckt Rübezahl anblicken, der mit einem Stock herannäht. Also nicht die Regierung ist esV welche selbst die Wälder in Anspruch nimmt, damit die Wiener nicht zu verhungern und zu erfrieren brauchen. 'Nicht die Behörden tun ihr Möglichstes, um Holz als! Brennmaterial herbeizuschaffein. Die Juden schlagen in ihrer Profitgier die deutschen Wälder nieder und ein deutscher Waldgeist bedroht sie mit dem Stock. Nun ist doch' wirklich die Sachlage derart, daß sich die Wälder im Besitze mehr oder weniger feudaler Agrarier befinden, und daß die jüdische Bevölkerung ebenso wie die andere um sündhaft teuresi Geld sich ihre Holz Vorräte erwerben muß. Das hat jedoch die Entstehung des lügenhaften Bildes nicht verhindern können. Die alte Methode beginnt wieder: Nur fest verleumden, es wird schon etwas hängen bleiben 1 ' * * . * " Welche Schamlosigkeit der Antisemitismus in Deutschland hat, geht aus folgender Notiz in der Berliner „Deutschen Zeitung" hervor: Das schamlose Treiben der Juden schlägt immer höhere ."Wellen. Der Kurfürstendamm ist fast täglich der Schauplatz neuer Uebergriffe, die sich dieses „auserwählte Volk" erlaubt. Mit Hilfe der Polizei haben die Juden auf dem Kurfürstendamia die Verkäufer des „Deutschen Wochenblattes" verhaftet und die Zeitungen beschlagnahmt. Auf Anstiften Judas ist der Ausschuß für Volksaufklärung von der Polizei aufgelöst worden. TJeber 7Q.Q00 Flugblätter wurden -beschlagnahmt.. Es. ist geradezu, empörend, mit. .welchem Eifer sich die Polizei in den Dienst tfces Judentums stellt. Gegen alles Antisemitische wird mit Eifer vorgegangen. Nur der Jude darf ungestört seine Propaganda fortsetzen. Als vor einiger Zeit einige antisemitische Hugblätter an mehreren Stellen angeschlagen waren, hatte die Polizei nichts Eiligeres zu tun, . als diese Anschläge zu entfernen, während die Anschläge der Juden, die zum Kampf gegen den Antisemitismus auffordern, wochenlang die W&nde. verunzieren dürfen. Die Polizei unterstützt die Unterdrückung des „Deutschen .Wochenblattes", duldet aber den Verkauf der schamlosesten Blätter, wie: „Freie Presse", „Das Paradies" usw. Ein Fahnenjunker, der seiner antisemitischen Gesinnung Luft machte, wird verhaftet, ein Jude, der behauptet, am 9. November sei noch nicht genug Blut geflossen, wird durch] die Polizei vor Prügel geschützt. — $uousque tandem . . .1? Wie lange soll dieses jeder Beschreibung spottende Treiben weitergehen? Ist's noch nicht genug, daß uns die Juden ins tiefste Elend gestürzt haben? Noch nie und in keinem Lande durften sich die Juden so aufführen, wie jetzt in Deutschland. Michel» wach' endlich auf! Wer sein Haus will haben rein, laß weder Juden noch! Tauben hinein. Die Zeiten des Stöcker und Ahlwardl sind also glücklich wieder zur Hejbung der deutschen Kultur und Zivilisation zurückgekehrt. In der „Tiroler Bauernzeitung" findet sieh der nachstehende Aufruf des Landeshauptmannes Josef ScWrafft: „Behufs Anlage eines Judenkatasters werden alle Freunde des Landes dringende gebeten, sofort ©in genaues? Verzeichnis aller im Land« «mgeaiste-

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