Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 35 (5.9.1919)
- Date
- 1919-09-05
- Page
- Seite 457 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. c6 ta BLOCHES WOCHE^CHRIFT Seite 66S den4ridiesem Z^trauinfe 514 größiere Operationen ausgeöih$t — wie ich aus dem letzten - Berichte der Aöstalt «ntoeteei.- - Da der■ Arzt und sein Personal ganz in ihrem Dienste aufgehen, ist ihre Tiätigkeit ,eine äußerst fruchtbare und segensreich^ - ■Am'* 1. August sah sich aber die zionistische Kommission veranlaßjt, aus Mangel an Mitteln ihre bisherige beträchtliche! Unterstützung einzustellen, was praktisch einer Schließlung des Hospitals gleichkommt. Die Bevölkerung JerusaLems protestiert, die Aerztescbaft in Stadt und Land, desgleichen — das! Hospital muß, aber, trotzdem seine Tätigkeit unterbrechen, gerade zur Saison der Augenkrankheiten, da die Mittel fehlen., So laut auch die Rufe unter der Bevölkerung werden, die Institution aus eigenen Kräften über Wasser zu halten — dies ist der jungen einjährigen Gemeinde vorläufig ganz unmöglich1.. Da ich nun wußte, daß Sie sich', verehrter Herr Rabbiner, um1 Hospitalshüfe in Palästina für Arme bemühen, wandte ichi mich an Sie mit dem1 obenerwähnten Telegramm, Sie möchten, die Anstalt unter Ihren Schutz nehmen, auf daß sie ihre ersprießliche Tätigkeit fortsetze. Zumal, da es sdhon seit jeher meine Ansicht ist, daß Hospitalshilfe für Aügenkranke in Jerusalem die erste Berücksichtigung verdient, Wenn man bedenkt, daß für Kranke anderer* Axt das „Schäare Zedek"- Höspital, Bikür Chölxrn, Misgab Ladach', das Rotschiidf- Krankenhaus, das1 von der „American Zionist Medical Unit";ü^rnömmen worden ist, und eine Mehrzahlvon, nichtjüdischen sorgen, während für Augen außer diesem einzigen jüdischen nur noch ein englisches Hospital mit 10 Betten (in erster Linie fürdie;. . arabische^ Landbevölkerung) vorhanden ist. Ich denke daher, daß Sie es vielleicht ebenfalls für 'nötig, halten w^rdeh,.; die Anstalt zu unterstützen,« da1 Sie' doch: hier das tun möchten, wessen man hier am dringendsten bedarf. Ich hoffe/ daß Sie mir auf meinen Vorschlag rascfiestens, wenn möglich telegraphisch antworten 'aM'''w^'1!hln^'Merniit ein kurzes Budget aufstellen* Die Zahl ä der Betten ist, wie gesagt, vorläufig 30. Die Ausgaben betragen erfahrungsgemäß! monatlich' infolge der jetzigen Teuerung, nicht weniger als .9 bis 10 ägyptische Pfund pro Bett, was» monatlich .270 bis 3ÖÜ ägyptische Pfund ausmacht. Die Bettenzahl ist nicht allzu großj, doch würde sie sich den Mitteln anpassen müssen und je nachdem vergrößert oder verringert werden. Die Hauptsache scheint mir aber zu sein, daß diese notwendige Anstalt auf keinen Fall gesehlos'sen werden darf. Wenn Sie die Ausgaben 'übernehmen würden, so würde die Anstalt den Namen aimehmen, den Sie für richtig finden. In der Hofrhung, daß Sie meinen Vorschlag wohl erwägen und mich baldmöglichst von Ihrem Beschluß benachrichtigen, verbleibe ich rait herzlichen Grüßen Ihr Sie hochschätzender David Jellin. Ein Briefwechsel. Wien> I., Eßlinggasse? 7. .. 2$. August 1919. Allgemeine Hilfskömmission für Palästina, . Wien. . Wiew<M"edw heftiger .Gegner jenes Judentums, das —- mai^l^ Bodenstähdi^eit und; sittlicher Grundsätze — ptoerllücksich't; auf vaterländische Interessen, Volk und eigene Glaubensgenossen aus der wirtschaftlichen und staatlichen Not Deutschösterreichs gewissenlos sich1 bereichert, trotz allem Vplkselend protzig schwelgt, durch Volksverhetzung und Verführung alles und alle ge|äbirdet und so den wachsenden Judenhaß selbst verursacht und fördert, bitte ich trotzdem, den beifolgenden Betrag der Sanierungsaktion für die jüdische Augenklinik in Jerusalem zufuhren zu dürfen, deren Wert ich wahrend meiner militärischen Komimandierung in Palästina aus eigener Anschauung schätzen lernte und deren Verlust ich ebenso beklagen würde, wie die Vernichtung der* jüdischen Kunstgewerbeschule BezaleL Mit dem Ausdrucke der Hochachtung Hoffer, Wien, I., Efilinggasse 7. Sehr geehrter Herr! Sie hielten es für angezeigt, mit Ihrer Spende, deren Empfang wir hiermit mit Dank bestätigen, ein Bekenntnis zum Antisemitismus zu verknüpfen. Was Sie tadeln, verurteilen auch wir auf das schärfste, nur mit dem Untersichiede, daß wir es genau so verdammenswert bei Christen wie bei Juden finden und nicht verallgemeinern, d. h. nie für das Verschulden einzelner eine ganze Gemeinschaft, die als solche die Verfehlungen ihrer einzelnen Angehörigen wohl nur bedauern, aber nicht zu hindern vermag, verantwortlich machen. Der Weltkrieg hat leidet eine allgemeine Erschütterung der sittlichen Begriffe bei Juden und Christen erzeugt, eine verfluchte Geldgier und zügellose Profitwut ausgelöst, wobei alle Schichten und Klassen, alle Nationen und Konfessionen, gleich' beteiligt sind. Julius Bachem, einer der hervorragendsten Führer der deutschen Katholiken, hat bereits 1916 im „Tag" der Landwirtschaft wegen ihrer Preistreibejreien Vorhaltungen gemacht.' Ohne auf Einzelfälle einzugehen, obwohl sie auch ihm sicherlich in Hülle und Fülle bekannt waren, — konnte er doch! nicht in Abrede stellen, daß an der in weiten Konsumenten<- kreisen herrschenden „üblen Stimmung" gegen die Landwirtschaft diese „an dem Stand der Dinge" nicht unschuldig ist, wobei er, wie gesagt, „von der Tatsache, daß Bewucherungsfalle in landwirtschaftlichen Kreisen tatsächlich in erheblicher Zahl vorgekommen sind", ganz absehen will. Es ist noch Schlimmeres vorgekommen: In spezifisch landwirtschaftlichen Organen sind Auslassungen erschienen, „welche als eine Herausforderung, fast als eine Verhöhnung der in sehr schwieriger Lage befindlichen Konsumentenschichten zu wirken geeignet erscheinen". In einem Tiroler Blatte, in der Iimsbrucker Zeitung „Widerhall", Nr. 11 vom 15. März 1919, las man über die Profitgier der Großbauern und Agrarier, daßj „diese Leute aus den Jahren der allgemeinen Not nur das eine gelernt' haben: wie man seine Mitlebewesen am besten ausbeuten kann. Sie haben sieh in der Kunst eine Fer- . tigkeit erworben, die man geradezu raffiniert nennen kann. Ein durchtriebener Spitzbube könnte in der Ausklügelung der Wege, auf denen er die Taschen anderer ausräumen kann, kaum findiger sein". In . derselben Nummer des* Blattes meldet ein Mitarbeiter ein Erlebnis bei einem Bauern, „daß er eines Tages auf seine Frage, ob er nicht eine Schale Milch haben könnte für sein Kind, keine Ant. wort erhielt. Wie zum Hohn schüttelte der. Bauer chV kuhwarm aus dem Stalle kommende Milch! in zwei, große Schalen und setzte sie seinen Katzen vor.