Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 35 (5.9.1919)
- Date
- 1919-09-05
- Page
- Seite 456 (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 562 Dr. BLOCH« WOCHENSCHRIFT Kr. 36 dem. „Unterstützt dienationale Industrie, das1 nationale Handwerk und Gewerbe 1"' „Wer sein Volk liebt, macht seine Einkäufe bei den nachfolgend genann-. ten Firmen, hinterlegt seine Gelder. bei den nächfolgfend genannten Banken" usV. Gegen diese positive Form des Boykotts' vennochite. kein Gesetz etwas auszurichteai. Kein Staatsanwalt und kein Richter konnte jemandem verbieten, die nationale Industrie, den nationalen Handel und das nationale Gewerbe zu unterstüitzeh und zu fördern. »Das Publikum aber wußte ganz genau, was es darunter zu .denken hatte. Der Ruf: „Kauft nicht bei Juden!" ward den garstigen Sinn religiöser Intoleranz verHeren und als nationaler Imperativ sogar eine höhere- Weihe, eine moderne Sanktion erhalten. Er wird sich nicht gegen den Andersgläubigen, sondern gegen den Fremdnationalen Wenden. Der Zweck ist, den „Fremden" aus dem' Lande zu verdrängen. Man begreift, daß aufrechte Zionisten nur Mißfielt .?über die verfehlte Taktik empfinden. Aus Näßten1 Goldmanns Aufsatz im „Juden" mögen noch! einige Sätze hier eine Stelle finden: *»Wa« das jüdische Volk gepoaiwÄrtig innerlich ergebt, durchleidet, ist die Folge eines Fehlers", an dem unsere Emsteilung und Politik seit einem Jahrhundert leidet,, des eigentlichen GalutMehlers unserer jüdischen Politik: des Vertrauens auf; die anderen,;des Schielens auf sie. Daß diesdie spezifische Einstellung des assimilatorischen Juden ist, wissen. wir; daß die Politik des nationalen Judentums eicn! noch1 auch nicht Von diesem Laster befreit hat, nehmen wir jetzt wieder einmal wahr. 'Es ist begreiflich und verzeihlich, daß wir an dieser schielenden Blieksveraer? rung leiden; wird doch seit »zweitausend Jahren unser äußeres Geschick vom "Willen und den Befehlen der anderen bestimmt. Aber um dieses äußere Galuth zu überwinden, tut vorher die Befreiung vom inneren Galuth not. Und das Beispiel unserer Atoen im Ghetto hatte uns hier Vorbild sein können. Sie vertrauten nicht auf die anderen; sie glaubten nur5an; Israel undan seinen Gott. Wohl warteten sie auf die Bettung von; außen, von oben; auf das'Wwider Gottes und die Ankunft des Messias. /Wir nationalen .Juden haben diesen Wunderglauben verloren, um. ihn durch den armseligeren Glauben an ein- Wunder, das Von den anderen Volkern käme, zu ersetzen. Daher die Enttäuschung. Wir hatten zuviel erhofft, wjrhatten UnberechiägteSj Dlegitimes erhofft. Denn was haben wir legitimerweise mehr zu erhoffen, mehr fordern dürfen, als was uns1 jetzt zugestanden werden wird. Das jüdische Palästina — bevor es' noch ein solches gibt, bevor wir nicht im Lande eine Majorität haben und ein voll entwickeltes Leben geschaffen-haben? Die volle, unbeschränkte Freiheit — bevor wir das eigene Gemeinwesen von innen her errichtet haben, und das Subjekt da ist, für das wir Freiheit fordern dürften? Die Möglichkeit, das Becht, das jüdische Gemeinwesen in Palästina zu errichten, -werden wir haben. Was durften wir mehr fordern?- Was brauchten wir mehr? Wir aber hatten mehr erwartet, auch wenn wie es uns an der Oberfläche unserer Seele bestritten. Wir waren wundergläubig und mBssiassüchtig auch! hier. Darf man sieh' wundern, da nun , die :Entjtäuwhiing uns überfällt, da uns nur das gewährt wird, — worauf wir allein Anspruch haben. Die Enttäuschung ist eingetreten und kann gefährlich werden, .wenn sie nicht beizeitenüberwunden wird. Wir haben geglaubt, das jüdische Palästina sei da, und müssen nun erkennen, daß jahrelange mühevolle, .unverdrossene Arbeit nötig sein wird, bis das jüdische Palästina Realität geworden sein. wird. Wir haben uns vorgeredet, das Galuth' sei zu Ende, die, Erlösung sei gekommen und müssen,,an den fürchterlichen Pogromen im Osten erleben, daß es grausiger, brutaler erscheint denn je. Und 'darob' hat ein großer Teil unseres Volkes sich! bereits in Marsch' gesetzt, innerlich' sehr viele, faktisch schon eine beträchtliche Zahl. Begreift man,, welche Gefahren drohen? Enttäuschungen sind für, Massen stets gefährlich; für ein innerlich ungefestigtes, national instinktunsicheres, in seiner äußeren Daseinsform unerhört leidendes Volk, wie das unsere gar, könnte sie katastrophal werden. .Drum muß sie in Jbtren Anfängen, in ihren Keimen seelisch' überwunden werden. Indem wir uns ,vön ihj£n Motiven befreien. Indem" wir den Ölauben an die Befreiung, die uns das Ende des Krieges und die! Gunst ider» Völker bringen soll, als * unbegründet, -als unbereßhtjgt, jja:;:als. unwürdig und ieschäme^id (erkennen., Indem-? wir die; trü-> gende jfiusien preisgeben, — jäie?wir?nit Molen?, teilten, das. Ende dieses Krieges werde, der SJLeg .des Rechtis .sein, Sind wieder verstehen-lernen, wasunsere "Aa'nen.'Stets^wußten, daß: kein Siegdea Meentes drasch' Mittel der ^Gewalt jnögÜph. ist, und j^äcfg^^}i^itt^-^(Mmehr?ist,«Wienn jaie. djjj$h. die Gewalt ,verwrkJUcht jrer^en. soll. Indem wir ,-u.ns von der Hypnose, mit/der große fassen des Judentums;a die Friedenskonferenz starren, befreien, im Bewußtsein, daß diese Versailler Epijferen^; nichts der-vEndakt :der <gewal^igen Umwälzung „ist, ,dje .dieser JKweg..^ing^eltet,..h£t,. und; die „Weitordnung", die dort zurechtgeklügelt wird, nur eine der vielen, ist. deren " Untergang wir in diesen Jahren: schon erlebt haben. Kurzum: indem wir die BljfekejnsteBung auf die anderen auf geben-;, und, 4as Auge, ^w^eder in -die einzig furchtbare und notwendige Bichtuhg einstellen, nach innen. Nur wir könnenuns helfen; nur? winiuns befreien, nur wir das.. Galuth überwinden; nur r*wü* idas jüdische Palästina schaffen«. Die Not der einzigen jüdischen Augenklinik in Palä^iim. Von JJayid Je Hin. Nachstehendes1: Schreiben ist durch das inter: nationale Friedehsbiareau m*B^ der „Allgemeinen Hilfskommission für Palästina" eingetroffen: Jerusalem1, ,>den \Q. Ab . 56.79.. An Herrn Rabbiner Dr. M. Gruii-yald, ' _ Wien. Verehrter Herr llabhiner und. teurer Freund! Als Ihr wertes' Schreiben, hier ankam, befand ich' mich ' in London, : um als1 »einer der Abgesandten Palästinas^ ^unsere Vorschläge und Forderangen vorzuhängen: Alsi ich zumckkami ibeantwortete ^ich1 Ihr-weites' Schmfeieh, . habe aber bis* auf heute; keinerlei Nächrichten «oh J lhhen,kwasf wohl an den sehlechten PQstveihiäJtm^sen ' Vor einigen Tagen .gestattete ich mir, mich, an Sie durch das. KpRea^hagener ,^reau?telegraphiseh zu wenden mit der Bitte um rasche. Hilfe für das; einzige jüdische Augenkrankenhaus in. Jerusalem, das vor der Schließung stand. Ich versprach briefliche Aufklärung, die ich nun gehen "will. ..Sie kennen wahrscheinlich den .Namen des Augenarztes Herrn .Dr.;ALrieh' Feigenbaum. t Derselbe kam vor über, sechs. Jahren nach Jerusalem .und hat in seiner .Eigenschaft als; Leiter und Organisator der. AugenahteÜung mit ...ihrer Tracbömbekämpfung, Polikliiuken usw|. T&cl$iges «und für die Bevölkerung viel, Gutes1 geleistet, im Jahre 1916, irotz der schweren Kriegs'zeit, die über unsi lastete,, gelang es* ihm, einer dieser Polikliniken in Jerusalem ein kleines Augenkrankenh'aus mit zirka 10- Betten --anzugliedern, zum Nutzen der armen! Kranken, die Operationen und klinische Behandlung 'bedurften. Als1 dann die Engländer ins1 Land 'kamen und bald darauf die zioriistis'Gh'eKommission, fand es dieselbe für nötig, das Institut zu vergrößern und besser auszustatten. %Es wurden Subventionen dafür bestimmt und die Zahl der Betten auf 30 gebracht. Seitdem das „Lemaari Zion'! - Krankenhaus; noch zur Türkenzeit wegen der Kriegsverhlältnisse geschlossen worden,-war das eben besprochene das1 oinzige Hospital für Äugenkranke, deren es hierzulande ja viel zu viele gibt, wie Ihnen wohl bekannt ist. Die Bolifelinik Rieses Hospitals bot täglich "Hunderten von ambulanten Patienten Hilfe, im /.V^aple-^r letzten;. 14: ^Monate gab es lür stationäre j8jranke?>.a&li^^ un,deinundtoiJ£g $1^1}^^^^ mix*