Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 34 (29.8.1919)
- Date
- 1919-08-29
- Page
- Seite 447 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. BLOCHE WOC1JENSCHK1FT Seite &4» ' rasen nie Straßen. Im Wagehinnern rumämsche Offiziere. Von den* Amtsgebäuden ^veht nicht hur die magyarische, sondern auch' die rumänische Trikolore. Besonders lebhaft geht es vor dem Höfel Hitz zu, yfo die amerikanische, die italienische und ein Teil der englischen Mrs'sion ihren Wohnsitz aufgeschlagen haben. Jnshesondere sind es .die Amerikaner, unter der Leitung des "Kapitäns Dr. Weeß, die mit Wiünseh'en und Bitten bestürmt 'werden. Kapitän Weeß hat füir jeden Bittsteller ein freundliches Wort, für manche arme Frau mit eineto. kleinen Kinde auf dem Arm' eine Tafel Schokolade oder gar eine kleine' Dose Kondensmilch^ übrig. Die Amerikaner erfreuen sich hier der größten Sympathien. Kapitän Weeß und der Leiter der italienischen Mission Oberstleutnant Romanelli hatten , jedoch auch wiährend der Pogromhetze, die inden letzten Tagen in Budapest ebenso wie in der "Provinz vom St. Emimierich-Kollegiumi und den ^Erw!äch!enden Ungarn" eifrigst .betrieben würde, sich! als1 Beöch'jiitzer der bedrängten Bevölkerung des Judenviertels gezeigt. Daß die Verfolgung von Juden sich nicht gerade in kleinem Maßstab abgespielt haben djüirfte, -beweist die Tatsache, daß man noch! jetzt in den Straßen von Budapest Leute mit verbundenen Köpfen sieht, die auf die Frage, wlo sie die Verletzungen erlitten haben, stets zur Antwiort .geben: Das; ist uns beim Pogrom passiert. Man erzählt mir, daß in den kritischesten Tagen der Judenhetze die StraßenKahhzüge, die sich in voller Fahrt befanden, plötzlich voji einem Trupp junger Leute aulgehalten wurden. Einer oder auch zwei drangen in das Innere des Wagens1 und forderten die Insassen, soweit sich diese als' Juden zu erkennen gäben, zum' Verlassen des' Wagens auf. Draußen ging dann _u eine, iwüiste Schlägerei mit Hundspeitsehen, Stöcken,urid Eisenstähenlos!. Eine Deputation der Budapesiter Rabbiner hat den Erzherzog Josef aufgesucht und an ihn-die Frage gerichtet, ob er und die von ihm eingesetzte Regierung die Juden zum Verlässen des1 Landes zwingen wolle. Erzherzog Jösef erklärte, daß er von dem offenbar durch aufgehetzte jugendliche Elemente veranstalteten Pogrom keine Ahnung hatte und versprach sofortige energische Abhilfe. Die Ententegeneräle richteten zugleich ejne dringende Aufforderung an den rum'änischbn 'Stadtkommandanten, für die Ordnung und Ruhe Sorge tragen zu wollen. Aber auch1 die Juden hatten unterdessen eine aus1 jungen Leuten z u s a m im e n g e s e t z t.e Garde gebildet, die mit den nPogromhetzern Abrechnung hielt. Die Judengarde drang unter anderem in das zumeist von ihren Stammesangehörjgen besuchte Cafe Munkac'Sy ein1, wo eben die „Erwachenden Ungarn" ihr blutiges Spiel .fortsetzen Wollten. Alle Türen des , Kaffeehauses wurden gesperrt und durch jüdische Pos t e n besetzt. Die Pogromhetzer 'holten sich blutige Köpfe. Eine offizielle Aufstellung verzeichnet als das.v traurige Ergebnis der Budapester Judenverfolgungen zWiolf Tote und vierhundert Schwerverletzte, dabei allerdings beinahe die Hälfte Nichtjuden. Augenblicklich! herrscht zwar wieder Ruhe, jedoch arbeitet die antisemitische Propaganda wieder mit den haarsträubendsten Schreckensnachrichten. .' " > . Arbeitsbeschaffung für jüdische Flüchtlinge. Di© Pogromflut in Polen zwingt zahlreiche dortige Juden, ihre .Wohnstätten unter Zurücklassung von Hab und Gut zu: verlassen und Zuflucht in Deutsehland zu suchen. Diese unglücklichen Flüchtlinge befinden sieh hier zumeist in größter Not und es ist eine "dringende Aufgabe, ihnen Hilfe zw. leisten. Das wichtigste Erfordernis' ist, ihnen Arbeit und Beschäftigung zu verschaffen. Unser» östlichen Brüder hegen den heißesten "Wunsch,, durch fleißige Arbeit eine anständige Existenzmögöjchkeit zu erhalten und es ist ein soziales und brüderliches, Gebot, ihnen nach! Kräften dazu zu verhelfen. Wir möchten daher die Aufmerksamkeit der jüdischen Arbeitgeber In allen Teilen des Eeiches auf diese dringliche Aufgabe lenken und an sie das Ersuchen richten, nach Maßgabe der lokalen Verhältnisse und statthaften Möglichkeiten im Bedarfsfalle ostjüdische Flüchtlinge, unter denen sich vielfach auch gelernte Arbeiter befinden, zu beschäftigen. Unser Verband ist mit Hilfe seiner über das ganze Reich! ausgedehnten Organisation in der Lage und bestrebt, bei der Beschaffung; und Vermittlung von Arbeitsnehmern in systematischer, planmäßiger Weise mitzuwirken. Ein einheitliches Vorgehen der gestehenden jüdischen Arbeitsämter und -Nachweise mit;tfer Organisation der in Deutschland lebenden Ostjuden wäre dabei nützlich! und erforderlich» N Verband der Ostjuden in Deutschland, Berlin N54, Germanenstraße 39-. Vermischtes. Gratulation anläßlich^ des.-nsffti EteTi- Festes zugunsten der Chfewra-Kadischa. Einem seit "Iahten eingebürgerten Brauche .folgend, laden wir unsere P. T. Leser ein, Neujahxsgratulationen durch eine Anzeige in der „Oesterreidhisch^n Wochenschrift" an Stelle der direkten Gratulationen per Post erstatten zu wollen. Auf diese Weise verbindet der Gratulant mit der Erfüllung einer Formalität - gleichzeitig die Förderung unserer Cbewra Kadischia. Die Einschaltung solcher Anzeigen erfolgt in der dem Rogchh!aSchanah-Feste vorangehenden. Nummer unseres Blattes* vom 23. September 1. X "gegen Einsendung einer S,pende von mindestens? 8 Kronen zugunsten der Kjriegsfiursorge. Letzter Termin zur Einsendung solcher Anzeigen 17. September 1919; Gottesdienst. Der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde veranstaltet anläßlich der diesjährigen hohen -[Feiertage im großen Musikvereinssaale, I., DumbagasSe 3,—Sophiensaal, III., Marxergasse 13, und im! Hotel Continental, IL, Taborstraße 4, Gottesdienste. — Jene Parteien, welche auf die im Vorjahre benützten Sitzplätze reflektieren, können die neuen Karten gegen .Vorweisung der vorjährigen an der KartenkaSse der israelitischen Kultusgemeinde, I., SeitenstettengasSe 4, I. Stock, in der Zeit vom 8. bis 12. September d. J. Während der Amtsstuhden von 9 bis 12 Uhr vormittags beheben. Der allgeme,ine Kartennverkauf beginnt am! 15. September 1919. „Allgemeine Hilfskommission für Palästina" Wien, 4. Bezirk, Frankenberggasse 14. Geschäftsstelle: Wien, II., Kleine Schiffgasse 3/6. Telephon M.87%. (Für jüdisches Waisenhaus). Rabbiner Israel Friedmann derzeit Baden, BOOK; Schewach Knöbii, derzeit Wien. Sammlang von : Eigene Spende & Mose» Bacher, je 10; Abs. Weichselbaum, Josef Guth, Rachel Taub, Jakob Fleischer, j*e 5; Is. Hoffmann, Chaim Knöhil, Leo Nobel, je 5*; Lazar Lang, Kasriel Wolf, Osias Schnell, je 2;-zusanimen 5fc EL Emanuel Neugröschl, Wien, 50; Bethausverein Erdbergerstr. 48; RechtsanwalfDr. Max Starkr Wien,-25; Rösalie Fischer, derzeit Baden, 10 Kronen.— Aus der tschecho slowakischen Republik sind eingegangen: Köliner Spiritus - Pottasche- und Raffinerie - A.-Ges. 100; Leopold Krakauer, Auspitz, 50; Bernh. Krieger, M.-Ostrau, Arnold Kraus, Velka Poric, je 10; Joh. Matzner, Lundenburg, 4s; Ferd. Kraus. Trebivlice, 5 Kronen. . " Ä