Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 34 (29.8.1919)
- Date
- 1919-08-29
- Page
- Seite 446 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Säte «42 . Dr. BLOCH'ß WOCHENSCHRIFT Nr. 43 die TeilnNlite verwuadeteii Soldaten gegenujbjer bekundet hat.; Dieser innige Kontakt zw^Sdhejn Juden und Ukrainern, die gleicherweise an der Befreiung ihres heimatlichen Bodens vom Feinde interessiert sind, schließt natürheh jede hose Ahsicht seitens der letzteren aus, und in eingeweihten Kreisen zweifelt man schon lange keinen * Augenblick. daran, daß die Ukrainer iiri beS t enEinvernefaen mit ihren jüdischen Mitbürgern zu leben gewillt sindy um1 sieh! gegenseitig zu nützen und zu stützen. Die ErMärung Petljuras ist ein. neues1 Dokument dafür und stellt unzweifelhaft fest, wer an den Judenpogromen in der Ukraine die Schuld tragt und was die .politischen Gegner des ukrainischen Volkes' veranlaßt, diese Scheußhchkeiten dem1 ukrainischen Militär anzudichten.; * * > __ * Einen untrüglichen Beweis ükrainiseht-jüdisch' e r Solidarität liefert iübrigens auch' die nachstehend im Wortlaute wiedergegeblene D, e k 1 äratio & der jüldiSchfen Gemeinde in Kamea el-z - P o d o 1 s k, welche, von ihrem Vorstand Herrn Jakob K rei sf der ukrainischen Regierung übermittelt wurde: ';■;! ■ \ „Die Geschichte des1 jüdischen arbeitenden Volkes in der Ukraine ist eng mit der Geschichte ÜeS~ ukrainischen Volkes1 verbunden. Jeder Fußbreit der ukrainischen Erde ist vom' Schweiße und Blut auch' des jüdischen Volkes1 durchtränkt. Das Joch der,. Ausbeutung durch verschiedene Imperialisten war gleichzeitig! auch das Joch) der jüdischen arbeitenden Masse., Die Rechtlosigkeit des ukrainischen ^Volkes zur Zeit des' Zarismus war gleichzeitig auch die Rechtlosigkeit der jüldischen arbeitenden Mas'se. Das gemeihsalne Lös1, welches durch gem1 ein s aine, ewige Leiden des1 jüldischen und des' ukrainischen Volkes" verknjüpft ist, gibtTdem jüdischen arbeitenden Volke das1 Recht,-die Sicherheit zu haben, daß der ukrainische Boden ihmywie auch dem ukrainischen Volk gehöre ~ und daß; er in dem ukrainischen Haus nicht vorübergehender Gast, sondern gleichberechtigter Herr mit dem' ukraini-" sehen Volke ist, An der wirtschaftlichen und politischein Befreiung der Ukraine sind die Juden gleich stark interessiert, daher können sie im Momente der groBjen Revolution, in dem Momente der nationalen und iwp.rtschaftiichen Befreiung der «Ukraine n i cht neutral bleiben. Die jüdischen Massen werden, gemeinsam mit den ukrainischen, für die selbständige, unabhängige Ukraine kämpfen. Wir Juden sind dessen sicher, daß| die schönste Befriedigung für die ewigen blutigen Leiden iuir uns1 die freie, von niemandem ausgebeutete Ukraine sein kann, deren Bau so geführt nveräen^söll, daß: die jüdische Demokratie biei demselben einen dem Verhjältnis entsprechenden Anteil nehmen soll. In allen Staats-- jund Gemeindekonstrüktionen anüßi die jüdische Demokratie die Möglichkeit der Teilnahme, der Initiative und Arbeit besetzen. Die im 20. Jahrhundert errungene Losung des Selit^tbestimmungsrechtes der ^Völker, auf dem1 Jdas ukrainische Volk auch seine Staatlichkeit aufbaut, nmßj der Grundstein des staatlichen; Baues der Ukraine auch' im Verhältnis zu den anderen, das Land bewohnenden Völker werden. Daher verlangen wir, daß die proklamierte natio - jnale PerSonaläutönomie durch.das' Ministerium $ü!r jüdische Angelegenheiten, die jüdischen Orts- und Zentralorgane der nationalen Selbstverwaltung gr^indljicli' aiisgej^aut wjerde. Wir juntersftitzen das Mimsterjuim! für. jüdische Angelegenheiten der ükraimseben Volksrepublik und werden es in der Durchruhrung der nationalen Persönalautonomie tatkräftigst unterstützen. Wir unterstützen aktiv, die ukrainische. Regierung und. verlangen, daß die Regierung .auch .Wieiters mit dieser Konsequenz den Kampf mit den! .finsteren provokatorischen Elementen, die die Judenpo-grome in der Ukraine veranstalten, füihtt, denn: der Ruin der Städte und Städtchen'der Ukrainer, wo die jüdische Bevölkerung in größeren Massen lebt, bringt auch1 den Ruin des ganzen Landes1 mit sich, da in der indüstriearmen Ukraine das jüdische arbeitende Volk den Hauptfaktor der wirtschaftlichen Entwicklung des' Staates bildet." - - . i Minister für, jüdische Angelegenheiten in der Ukraine ist gegenwärtig Herr Pinkas K r. a s ni y j. .Wien1. Sehr geehrter Herr Redakteur! Obgleich Ihr geschätztes1 Blatt leider kaum1 Raum genug findet, um die aus1 aller Herren Länder einlaufenden ffibb's!posten> (über das1 Elend unserer mißhandelten Glaubensgenossen, hoffe ich dennoch auf ein Plätzchen für einige Worte der' Erinnerung zum' Jahrestage (Rosch1 Chbdesch EM) unseres unvergeßlichen Obierrabbinersi Dr/G!ü]'d! em! a n n. Was Dr. Güdemann dem Judentum, der Wissenschaft war, wurde^von'berufenen Federn oft und oftgewürdigt. WaS er unserer Gemeinde, uns1 Wienern, den sogenannte^ Westjudjen Iwfary 'das1 können besondersTwir Frauen; die nicht im Kampfe stehen, am' besten empfinden. Wir, die wir nahezu ein halbes1 Jahrhundert ihn als' geistliches1 Oberhaupt verehrten, ihn, der an unseren Leiden' und Freuden teilnahm, der esverstand, oft auch! kämpfend, in seiner vornehmen Art unser Aüsehen '\^d^xa^^':J£ißte^'d nach Außen hin zu wahren, der uns! trotz; seiner geistig hohen Warte an jehvieiligien Tagesfragen teilnehmen ließ, ihm; bleibt ein treues, ehrendes' Gedenken gesichert l Wenn wir namentlich ^in den letzten Jahren seine edle Patriarchengestalt an heiliger Stätte sahen, kamen uns. unbewißlt Idie Worte: ,,Friedenspriesjfcer, Friedensstifter'' auf die Lippen, und das' war er auch'. Gab es doch in unserer Gemeinde, in den Chewras' oft genug! kleine Zwistigkeiten zwischen Ost und West, aber niemals durfte zum Gaudium1 unserer Feinde davon etwas in die- Oeffentlichkeit dringen. Dr. G öde mann beruhigte, besänftigte. und hielt sich an das WoTt eines geistreichen Franzosen: „On läve sön linge sale en famille". („Man wäscht seine Schmutzige Wasche zu Hause"). ■ — Möchte doch' sein Andenken auch' nach' dieser.Rjcbitung fortwirken! Wir Frauen wollen nebst treuem' Gedenken in seinem' Sinne gute Jüdinnen bleiben, die Not unserer unglücklichen, vom' Schicksal grausam! verfolgten Brüder zu linden suchen, und, sei es1 im' Osten oder Westen, nach Kräften helfen und nicht aufhören^ unseren liebleja ^Seelsorger ..sdßmerzUch1 zu vermissen.. *; -.!; Ludmilla W e l i s c hl Budapest. i Unter dem! Titel „Aus dem1 besetzten Budapest" veröffentlicht das „Prager Tagblatt' eine Reibe, von Momentbilderu aus der Feder seines' nach Budapest entsendeten Sonderberichterstatters1. Aus dem. Kapitel „Ein Spaziergang durch Budapest" seien hier folgende Sätze wiedergegeben: •. ' Ist nun die Hauptstadt Ungarns bei Nacht gruselig unheimlich geworden, so weist sie bei Tag ej^n, ebenso unerfreulichles. Bild auf. Aüfömobi.le durch-