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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-08-29 · 34 (29.8.1919) · p. Seite 445

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
34 (29.8.1919)
Date
1919-08-29
Page
Seite 445 (sequence 9)
Language
German
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■■Kr. 34 Dr.' -BLOCKS WOCHENSCHRIFT Seit» 54t j*eii,. juin : rdieSe. - Stä'tte auch' ihrerseits' -'zum ersten Male nach' dem Mutigen 5. April zu betreiten. Die Szenen, dje sieb dabei abspielten, waren herzzerreißend. Die.se Szenen wiederholten "sich dann, als die Kommission zur traurig-bei#imten „Wand" kam, wo die Unglücklichen erschössen wurden. Auch diesen .Ort durfte bis jetzt kein Jude betreten ... Abends fand in der großen Synagoge eine von mehreren tausend Juden (besuchte Ver^arnrnlung statt.. Nach den hebräischen Begrüßaingsansprachen wurde das Seelengeb'et für die Erschossenen gesprochen, das alle Anwesenden zu . Tränen rührte. Durch dieses Bild ^erüh'rt, ergriff däs! Kommissionsmitglied Professor Johnson das Wort zu folgender Ansprach« : „Wir kanien zu Euch' namens des Präsidenten der Vereinigten Staaten Amerikas. Euer Leid hat uns gerührt. Aber mit Bewunderung sahen wir, mit welchem Stolz Ihr Eure Leiden ertraget. Wer ■die Freiheit ersehnt, muß Mut" haben. An Amerika könnt Ihr Euch ein Beispiel nehmen. Seid mutig, Amerika ist bereit, Euch! zu helfen!" Hierauf spi;achLBotschafter Mergenthau über die Judenfragey die jetzt e^ne . KrisiS durcmriachte, ■sowie Jübar die infolge des wirtschaftlichen Verfalls Rußlands, geänderte, ökonomische Lage der Juden,- die einen Anschluß an den Westen suchen und sich in Polen einfügen müssen. In später Abendstunde fand diese merkwürdige Versammlung ihr Ende. Am nächsten Tage verhörte die Kommission eine ganze Reihe von. Zeugen der Äprilgeschehnisse, woraiif die' Untersuchung in Pinsk geschlossen wurde. Ahticemiiische Ausschreitungen in Ungarn. . i Im Eisenburger Korhitat haben sich' ungemein schwere Ausschreitungen gegen die jüdisch« 'Bevölkerung ereignet. In Janoshazä und Czeldomok soll auch' eine Anzahl Todesopfer zu beklagen sein. Die Bewegung geht von der stockmagy arischen Bauernschaft aus; die uen Juden ihre ausgesprochene Sympathie für den Anschluß an T3eutsc1iösterreich zum Vorwurf macht. Am 24. d. haben in Gzeldömök und in Janoshazä Pogrome stattgefunden. In Czeldömök sind sieben Todesopfer und in Janoshazä zwei Tote zu beklagen. Die bedauerliche PogrombeWegung ist auf die Agitation unvorantwprtiidhter Elemente zurückzuführen. Der Stuhlrichter und der militärische Stationskonimandant sind sofort suspendiert worden. Die Staatsanwaltschaft hat die Verhaftung aller Verdächtigen verfügt. - . . . Am Samstag" fanden in den folgenden Ortschaften Pogrome statt: In Hiscell, wo acht Juden getötet würden, in Jariosh'aza (fünf Juden getöte.t), Zalaegerszeg (etwa zehin Juden), Szombathäy (etwa zehn Juden), außerdem1 Wurden sämtliche Juden aus diesen Ortschaften vertrieben undr ihrer gesamten Habe beraubt. Der Hauptschuldige an. diesen Pogromen ist Lindauer. Die Lage der dortigen Juden ist verzweifelt, weil 'keine BesatzungSarmee vorhanden ist, an die sich' die Juden um schütz wenden könnten. Kofrespofldenzen. Petkum übiar Wie jitdenpogrome in der Ukraine« Der ukrainische Pressedienst hat unterm 20. d. M. folgendes verlauthart: -5 r - Der Oberkommandierertde P e t 1 j u r a hat eine Runddepesche aii den Miinsteiprasidenten Martos, den Kriegsminister und den Minister für jüdisch» Angelegenheiten, gerichtet, m Wel cher er bekannt gibt, daß sowohl er, wie auch Sein Aimeekbinmahdo mit der größten Entschiedenheit Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung bekämpfen, sowie alle Gewalfrr inaßnahimen, Welche das Zusammenleben der Völker verschärfen könnten. Der Oberkommandierende stellt fe3t, daßj die Juden Opfer für den Bau der unabhängigen ukrainischen Republik gebracht haben. Der Oberkommandierende kennt selbst Tatsachen, wie die jüdische Bevölkerung dem ukrainischen Militär Hilfe geleistet und loyal die Gesetze der republikanischen Regierung unterstützt habe. Die Feinde unseres4 Staates, die Kommunisten und Bolsichlewiken, haben Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung veranstaltet, Unschuldige erschossen, Frauen und Kin^ der vergewaltigt und den Juden ihr letztes Hab und Gut geraubt. Der Oberkommandierende erkennt diese schweren Opfer, welche die jüdische Bevölkerung auf dem Altar des ukrainischen Vaterlandes gebracht bat, mit der größten Hochachtung an. Der Oberkommandierende kennt Tatsachen, Wo die jüdische Bevölkerung den ukrainischen Kranken und Verwundeten Hilfe geleistet und die jüdischen Kinder das Blut der ukrainischen Helden in den Spitälern abgewaschen haben, nur einige Kilometer hinter der Front. Der Oberkommandierende bemerkte mit Rährung.die Dankestränen jn den Augen unserer kranken und verwundeten Soldaten für die gute Behandlung seitens dieser Juden. Der Oberkornmandierende hat mit Genugtuung konstatiert, daß die Soldaten der. ukrainischen Armee bei den jüdischen Geschäften Wachen aufgestellt haben, um sie vor Plünderung und Raub zu beschützen. Der öberkomniandierende liegt die Hoffnung, daß die ukrainische Armeee endtlieh die Ruhe im Lande herstellen, als; auch den Schütz der jüdischen Mitbürger ür^mehmen wird. Der Oberkommandierende stellt fest, daß» die Pogromagitation im Rücken der ukrainischen- Armee von bolschewistischen Provokateuren geführt Wird, um auf diese Weise die Front zu desorganisieren und den staatlichen Aufbau durch unsere Regierung zu stören. Gegen diese Provokateure Wird sowohl von der ukrainischen Regierung als auch vom ukrainischen Militär ein unbarmherziger Kampf geführt. Der Oberkommahdierende ruft alle nationalen Kräfte zu dem Kampfe mit der Provokation auf und hegt die Hoffnung, daß dies die ukranisebe Regierung festigen Wird, indem die zerstörende Kraft des Bolschewismus gebrochen Wird. * * *; Die obige Enunziation kommt gerade zeitgerechl und verdient um so größere Beacjhtung, als man ■ —r allerdings dort, wo die Orientierung fehlt — geneigt war, das ukrainische Direktorium für die bedauernswerten Ausschreitungen gegen die Juden in der Ukraine verantwortlich zu machen. Nun. tritt der. Oberkommandierende der ukrainischen Armee, General Petljura, selbst hervor und ^konstatiert, daß Pogrome in der Ukraine tatsächlich stattgefunden haben, daß diese Grausamkeiten an unschuldigen Menschen, aber nicht von" Ukrainern, sondern von Bolschewiken verübt wurden, die begreiflicherweise ein mteresse daran haben, das ukrainische Heer in Mißlkredit zu bringen und der ukrainischen Sache in der Welt, zu schaden. Mit Worten höchsten Lobes gedenkt Petljura der. Samäriterdienste, welche die jüdische Bevölkerung den ukrainischen Truppen nahe an der Front geleistet, und hiebt besonders

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