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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-08-29 · 34 (29.8.1919) · p. Seite 443

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
34 (29.8.1919)
Date
1919-08-29
Page
Seite 443 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 34 - . Dr. BLOCH'S W -.1 . . - ■ *i. Averroes und Spinoza zu verkörpern. Er. vereinigte in -sich eine seltsame Mschung heterogener Eigenschaften, wie ich feie gleich kontrastierend bei keinem anderen Menschen vorfand. In London lebte Marx in sehr larmlichen Verhältnissen. Seine Frau, die Tochter einer sehr hohen deutschen Beamten, war mit der vornehmen schottischen Fatnilie Campbell' verwandt. Sie selbst erzählte Hyndman die folgende Geschichte: Eines! Sam'stag abends hatten wir nichts zu eös'en. Marx nahm' einige Silbterlöffel und Silbergabeln, die dasl Wappen meiner Familie trugen, um sie zu verpfänden. Man stelle sich' nun das Bfcild vor: Am1 Vorabende des1 Sonntags' betritt ein schlecht gekleideter freinder Jude, Haar und Bart in Unordnung, den Laden eines1 Pfahdleihers, um ihm prächtiges Silberzeug, das1 ein berühmtes1 Wappen trägt, anzubieten. Genug, uin Verdacht zu erregen, und der Pfandleiher War nicht vertrauensselig. Er hielt den Unbekannten zurück und sandte nach1 der Tolizei. Der Konstabier, der herbeieilte, konnte nur den Verdacht des Pfandleihers* teilen, und er führte den armen Marx nach dem! Polizeiamte. Auch^dort sprach der Schein gegen ihn. Marx versuchte vergebens zu erklären. Was er über den Ursprung des1 Silberzeugs zu sagen wußte,' löste nur unhändige Heiterkeit aus. Er wurde in eine Polizeizelle abgeführt und erst am Montag gelang es1 dem Begründer des wissenschaftliche». Sozialismus mit Hüfe einiger „respektabler" Freunde zu beweisen, daß er kein Einbrecher war und daß ,daS Silberzeug imit dem Wappen der Campbell sein .rechtmiäßiigeS Eigentum1 [bildete. \ Nortiau für „offene Tür" in Palästina. In einem Schreiben an die in Jerusalem erscheinende „Hadahbth Haarez" betont Nord au u. a.: Millionen harren des Augenblicks, nach Palästina heimzukehren. Er Sei voller Zorn gegen die Feiglinge, die fortw'iährend betonen, man könnte nur mit Ueberlegung und Vorsicht handeln, und die Immigration könne nur äußerst langsam und nur in Meinem Maßstabe vor sich gehen, so daß vielleicht in.50 Jahren einige Hundertausende im Lande unserer Väter sein Werden. Es 'Sei/dies eine seht bequeme These, die keine Gefahr in sich' berge; sie verlange keine Verantwortlichkeit Seitens1 derjenigen, die sich rühmen, die Bewegung der Wiederbesiedelung und der Rückkehr nach Zion zu leiten. Sie erfordere keine neuen fruchtbaren Gedanken, keine organisatorische Energie und kein Schöpferisches Genie. Es sei die allereinfactiste Lösung dieses Prohlemles, es zu umgehen. Wegen der paar Tausend jährlichen Immigranten brauche man sich nicht zu ängstigen. Diese werden niemand in Verlegenheit bringen, denn schhm!m!s,tenfalls, könne -"man sie ja als Pensionäre aushalten und-, ihnen eventuell eine heue „Chaluka" geben. Der jetzige großje Moment sttellt uns ganz andere Aufgaben. Wir müssen in unserem Denken und Schaffen viel großzügigersein. Unsere Massen wollen den blutgetränkten Staub von ihren Füßen abschüttekr, und zwar nicht in 50 Jahren und nicht morgen, Sondern heute1. Nachdem sie wie Helden in den höllischen Jahren des Weltkrieges! gekämpft haben, wollen sie heute ein freies' Volk werden, geachtet und aller menschlichen und nationalen..Rech'te teilhaft. Hat man uns denn nicht Palästina feierlichst versprochen? Sollte man jetzt mit uns unbarmherzig Spott treiben und! die Türe vor uns schließen, so müßten wir vor der ganzen Welt lautesten Protest erheben gegen diejenigen, die uns irregeführt haben, und vor demi VölkeYbiund jmser Recht, fördern. Die- 3CHENSCHRIFT . Seitens» jenigen, die 'behaupten, Palästina Sei nicht imstande, Millionen Einwohner zu ernähren, befänden sich im Irrtum. Nicht dasf Land ernährt seine Einwohner, sondern die Bewohner eines Landes! sind est, die -erst die Volkswirtschaft schaffen. Sie hehlen sie, indem sie sich der natürlichen Hilfsquellen des Landes bedienen, durch Arbeit, Erfindungen und Neugründungen. Je mehr ihrer werden, desto rascher Schaf-, feh sie den Reichturn, sowohl für den Einzelnen wie für die Gesamtheit. Es ist nichts Paradoxes, sondern Tatsache, Axiom: ein Land, in dem Hunderttausende Hunger leiden, ernährt. Millionen*. Deshalb^ müssen wir laut und energisch! fordern, daß man uns die. Tore des Landes sperrangelweit öffne, ohne uns irgendwelche Hindernisse in. den Weg zu legen. Wir wollen in Massen nach! Palästina kommen, ohne jegliche Einschränkung. Ein oder mehrerer Jahre noch werden wir Avancen von unseren Brüdern außerhalb, des Landes fördern, als Hilfe für den Anfang. Nachher werden wir gekräftigt aus der Bedrängnis' hervorgehen. Heber das wiie ängstige er sich auch keinen Augenblick/ da er sein Volk genügend kenne. Eine Einheitsfront gegen die Judenpogrome. Gründung eines „Bundes der Weltbürger" in Holland. Ein internationales Vorgehen gegen die Judenpogrome im Osten Europas schlägt der Leiter der „Deutschen Gesellschaft für staatsbürgerliche Erziehung (Berliin-Halensee) in einer Zus'clmft an da» Anti-Pogrom-Komitee in Amsterdam! vor. Der Brief wird, wie das „Berliner Tageblatt" in der Abendausgabe vom 11. d. M. mitteilte, in, dem ,;AJgemeen Handelsblad" in Amsterdam veröffentlicht. Es? heißt darin unter anderem: „Daß Europa mit seiner Maori-Neger-Politik auf einem sittlichen Tiefstand angelangt ist, der es immer neuen Katastrophen enlgegeg^führen muß, wenn die geistige und sittliche Elite der Welt sich nicht endlich machtvoll zusammenschließt, um! eine geistige und sittliche Renaisslance der Menschheit herbeizuführen. An vielen Plätzen der Erde ist der Antisemitismus wieder mächtig aufgefordert, vielfach schwellt er, vorläufig noch unsichtbar, unter der Überfläche. Genährt wird er dadurch, daß immer wieder als Führer des Bolschewismus und der Anarchie Juden auftreten. Keine menschlich schönere und;kulturell bedeutsamere Aktion könnte das internationale Judentum unternehmen, als wenn es! sichf schnellstens der kleinen Elitegruppe holländischer Gelehrter anschließt, die im1 Begriff ist, einen „Bund der "Weltbürger" zu gründen. Die Judengreuel in Polen sind keine konfessionelle Frage, sie sind ein Mensehhfeitsprobleml Und alle sittlich empfindenden Menschen der Welt werden bereit sein, dem! mternationalen Judentum: zu helfen, dieser entsetzlichen Schmach, ein Ende zu bereiten. Alle Religionen müssen dagegen protestieren, denn vor den letzten Forderungen des Sitfcengesetzesl gibt . es keine konfessionellen Unterschiede. Der „Bund der Weltbürger" will eine internationale Einheitsfront herstellen aus allen geistig' und sittlich hochstehenden Menschen der Welt, gleichgültig, welche Nationalität, welche Konfession und welchen Beruf sie haben. Eine Einheitsfront aus allen Menschen, die es als ihre Lebensaufgabe betrachten, die Menschheit wieder aus dem Sumpf von, Haß und Mißtrauen herauszuführen, in den sie geraten ist."

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