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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-08-29 · 34 (29.8.1919) · p. Seite 442

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
34 (29.8.1919)
Date
1919-08-29
Page
Seite 442 (sequence 6)
Language
German
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Seite 538 Dr. BLOCH'S WOCHENSCHRIFT Nr. 34 deiüj. .anderen wird von den. freisinnigen Blättern, vor allem vom' „Berliner Tageblatt" als Gesinnungslump oder gar als Verbrecher entlarvt und mußj vom Scniauplatz seiner Tätigkeit [wieder verschwinden. Als ein Typus dieser Gesellen mag ein gewisser Josef' Kitauer gelten, der [bei der bekannten Brigade Le,ttöw-Vorbeck eine wüste "judenhetze betrieben hat, ohne dabei gestört zu jwterden. jErsjt als: jentdeckt wurde, daß er einen Arbeiter zu Erpressungen verleitet hatte, mußte er seine Stelle verlassen. Dieser Knauer, der früher Hauptgeschaftsfnhrer de® antiseinitischen deutschen Volksbundes' War, ist nun deswegen auf die Juden so besonders böse, Iwteil er an den Verein zur Abwehr des" Antisfemitisjnus vergeblicb! folgenden Brief gerichtet hatte:' „Wenn Sie mir eine sofortige pekuniäre Hilfe von etwa fiiinftausend1 Mark, wenn möglicb! schön beute, spätestens aber morgen, Mittwoch, den 12.^cL Mw zuteil werden lassen, so verpfnchte icbf miclt^-mit allen, meinen Kräften, und gestützt auf meinen ungeheueren. Einfluß aiif die gesamte Bewegung . in ganz Deutschland und 'über seine Grenzen hinaus - gegen die gehässigen und fanatischen Strö: mungen zu arbeiten, um Pogrome und Gewalttätig-, keiten zu verändern und nur eine nationale Richtung zu verfolgen, damit auf dieser Basis' Deutschland _ es möglich! gemacht werde, in den Völkerbund eintreten zu können." Also um*3en billigen Betrag .von 5000 Mark hätte der Verein, die Pogrom^efaht In ganz Deutschland ihrem Verfasser abkaufen können. Das ist ein wirküch rentables Geschäft. Aber, der Verein hatte schön seine guten Grunde, den Kauf nicht abzuschließen. Denn wenn, jeder antisemitische Vagabund;5000 Mark verlangen Wörde, so käme scbließihch1 der Gesamtbetrag gewiß! in: die Milliarden. * * ♦ Den aus Mähten und.1 Böhmen, entlassenen Eisenbahnern hat ein gewisser Dr. RiehT von der großdeutschen Partei eingeredet, daß er ihr berufener s*<a§^^r sei. Seine, geistige Verfassung, die er auf sie^ufeerträgen hat, trug denn auch) herrliche Früchte. Die erste War ein großer Demonstrationstimzug durch! den 2. und 1. Bezirk mit Tafeln, auf denen die "schöne Aufschrift stand:, „Niedel! mit den Juden!" Die Juden sind schon so daran gewßhjnt, daß jeder Dummkopf diesen Ruf ausstößt öder -drSickt, daß sie sich5 weiter nicht darum1 kümmerten. Darauf .wurden die Eisenbahner zu einer anderen großjdeutstehten Idee mißbraucht. Just an4 dem Tag, an welchem man aM deutlichsten sah!, daß Wien in der Kohlenlieferung und damit im ganzen Wirtschaftsleben von Prag abhangig ist, wurden .tschechische Sokoln am Nordwestbähnhbf überfallen. Die Kohle kam in Gefahr, die Regierung um. - , ~ Öie Großiqge für Deutschland VIII U. 0. B. B. wendet sich! an-^die deutschen Logen des" 8. Distrikts mit folgendem5 .zeitgemäßien .Aufruf: Der furchtbare Krieg ist beendet,, ein demütigender, niederdrückender Friede ist unserem Vaterlande auferlegt worden. Da uns. die, Hände gebunden sind, ^mißten wir uns dem' MacMgebot der Feinde beugen. Vom Humanitätsg<ydanken unseres weltumspannenden Ordens aus empfinden wir Bne Brith! den „Erieden" um so schmerzlicher, als: er die Anbahnung einer Versöhnung und Verbrüderung-, der MenschboU'in weite Ferne geruckt hat. . Auch; unserem deutschen. Ordensdistrilst nimmt dieser Frieden viel. Zwei unserer westlichen- Logen haben wir verloren, und weitere Verluste im Osten stehen uns bevor. Wir wenden unsere Gedanken in Liebe und "Wehmut , den .Brüdern und den Logen zu die gegen ihren "Willen von Deutschland losgerissen werden. iWie wir sicher; sind, daß sie ihre Ordenszugeh'örigkeit nicht vergessen und uns ihr» brüderliche Gesinnung treubewahren - werden,' "so geloben wir ihnen, die Treue, zu halten und in brüderlicher'1 Gesinnung zu ihhen zu stehen, wie immer, die Zukunft sich gestalten mag. Das gemeinsame Band, das ein Menschheitsihteresse gewoben hjat, - wird eine unzerreißbare Kette bilden. . Der Krieg hjat einen Trümmerhaufen geschaffen,; in dem unendlich; viel wirtschaftliche und moralische "Werte, begraben sind. Aus der Trübsal der Gegenwart führt uns, nur eins empör: Selbstaufrichjtung und . Arbeit. Es gilt, alle Kräfte an den "Wiederaufbau der Heimat, alle Energie an die'"Wiedergesundung unseres' aus tausend Wunden blutenden Vaterlandes zu setzen. Deutschjandj dessen Fleiß, {Wissenschaft, 'Industrie und Kunst die Aufmerksamkeit der ganzen "Welt auf sich! zog, kann nur dann wieder groß werden, nur dann den ihm gebührenden Piatz im Rateder Völker wiedergewinnen, wenn "alle Glieder des Volkes von dem unerschütterlichen Willen zur Selbstbehauptung durchdrungen sind. Die" deutschen Juden und die deutschen Logen unseres Ordens' werden sich' in Reih und Glied stellen, " um an dem Wiederaufbau Deutschlands werktätig mitzuarbeiten. In der Not des Vaterlandes sindes die „reinsten Grundsätze des Patriotismus"^ die unser Orden seinen Mitgliedern erneut einprägen will. Es sollen die Tugenden zur Bewährung gelangen, zu denen der Orden seit jeher erziehen will: Selbstlosigkeit, Opferfreudigkeit, Gemeinsinn. Durch!" Selbstaufrichtuhg und Arbeit werden die Sinkenden die Siegenden werden. Die Menscbheitsgedanken die der Krieg umflort 'hatte, fanden in unserem Orden auch' während der unseligen Kriegszeit eine ununterbrochene Pflegestätte. In Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht wollen wir mit jenem Optimismus und jener Wülenskraftj die unsere Gemeinschaft durch alle Fährnisse erhalten hat, an die Arbeit gehjen im neuen Deutschland Tür ein neues Deutschland. - Berlin, Juli 1919. Großloge für Deutschland VDjE U. O. B. B. 1 Timendorfer Goldscfi-midt, ' % Die Einreis«erlauh'nis nach! Palästina. Zuverlässigen^ englischen Militärbehörden bis 'zur Stunde aus's'chließtlich solchen* "Personen die Einteiieerläulmis nach! Palästina, die erstens' fwiähtend des Krieges Palästina üu verlassen gezwungen Waren und die zwjeitens^ f uf die Notwendigkeit ihrer Rückkehr Belege beibringen können. .- .Der Erwerb! von Boden in Palästina ist vorerst vollkommen untersagt. ' Gesuche um1' Einreisebewilligung sind durch die enghschen. Konsulate an "di e Londoner Zentralbehörden zu richlten*. . .': ... Aus den Erinnerungen eines ,Soziäji4enf üih'ners an Karl Marx,!d;e;ni Verfasser desl kommunistischen Manifestes. Die Autobiographie des! englischen Sozialdemokraten H y ndta ah, der unter dem persönlichen Einflüsse.Karl Marx die sozialdemokratische Partei in England' hegiiundete, enthalt ein langes Kapitel über KarL Marx, dem' wir folgende interessante Charakteristik entnehmen: Die et'sSte Impression, die sich1 mir heim Anblick Marxens aufdrängte, war. diesle: ein pachtvoller, ungezügelter, unbezähnlb'arer älter Herr, .der immer hereit ist, in. einen Streit einzutreten, und immer einen foje.vorstehenden Angriff erwartete.. Man konnte sich' keinen seltsameren Kontrast vorstellen, als den, der sich; zwischen seinen Manieren und seiner Sprache 'kundgab1, wenn er so völlig, vom Zorn lübefmannt war, und zwischlen seiner Hal- . tung;- wenn er "steine thieoretischen Anschauungen vortrug. Mit seiner heheiTS'chtenden Stirn; dem kühnen Vorsprung der Brauen, den wildlenchtenden Augen, der mächtigen Nase und dem beweglichen Mund und dies alles .von einem' midurchdringlichen Gestrüpp von Haaren und sBart umgeben, schien mir dieser Mann in-, seiner Person die heilige Raserei des Sehers 'seiner Rasse, und das kalte analytischle Genie eines

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