Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 34 (29.8.1919)
- Date
- 1919-08-29
- Page
- Seite 440 (sequence 4)
- Language
- German
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S«te 536 Dr. BLOCfl'S wGCHEtfsd^a^ Jk. U Hand in Hand die Tyrannei mit allen ihren Begleiterscheinungen, mit Geistesknechtung und Volksverdumrmmgi - .. 3. Du sollst den Namen des Ewigen, deines Gottes, nicht mißbrauchen usw. Das heißt, mißbrauche den Namen Gottes auch nicht,, um Waffen zu segnen, die vom Blute deines Menschenbiuders triefen sollen! 4. Gedenke des Sabbattages. Da sollst du ruhen, und dein,Knecht (and deine'Magd! Hit anderen Worten: Beute nicht gewissenlos1 die Kraft des anderen für dich aus! 5. Ehre Vater und Mutter . . J Also auch das Weih, das seine Aufgabe als Mutter, seine Pflichjt gegen Volk und Menschheit erfüllt, erwirbt damit Menschenrechte! Soweit die erste Tafel! •' Aber nun die zweite Tafel! 6. Du sollst nicht morden! . 7. Du sollst die Ehe heilig halten! . i 8. Du sollst nicht stehlen! - •"' 9. Du sollst nicht falsches Zeugnis aussagen wider deinen Nächsten, d. h. verabscheue die Lüge, gleichviel im privaten, wie im Staats- und Völkerr leben, im Geschäft oder in der Politik. 10. Du sollst nicht gelüsten usw.! Werde innerlicli frei, frei von niederer Gier! .. Wird-mit diesen fünf Worten auch1 nur der KapiiaIi sinus getroffen? Ist der Kommunismus der Bplschewisten frei von Blutschuld, frei von dem Greuel 4er Schändung, frei von Raubgier? Hat er den Bund gelöst, den das1 alte System .geschlossen hat mit jener grausigen Macht, an der . die Menschheit nitht erst im Welj£rieg verblutete, mit der. Riesen-; spinne .der Liile? 1 : Tragt der Bölsehiewist, wie auf seinem- Banne)^ auch' in seinem Herzen die Losung: Wahrheit und - Gerechtigkeit?! Ist nicht dieser Widerspruch an" sich Lüge?l „Die Stimme ist die Stimme Jakobs,, doch die Hände sind die Hände Esausi" Und ist dies der rechte Weg, die Mensehen innerlich frei, edel und guX,'Ünd dadurch wahrhaft glücklich zu machen?- Diese #ünf donnernden „Du sollst niefvt:!", sie sprechen in ihrer lapidaren Kürze alles aus; was wir vom jüdischen Standpunkte aus gegen den Bolschewismus in seiner heutigen Gestalt auf dem Herzen hälfen. Mit dieser Methode des Kommunismus hat das Judentum nichts gemeinsam: Ihm! steht es mit seiner Lehre wie mit seiner Geschichte und seinem Leben und-Empfinden unversöhnlich gegenüber. So ergeht es uns ähnlich, wie dem* edlen V i v e s, dessen wir eingangs5 gedachten. Die Theorie der Kommunisten fand seinen Beifall, ihre Praxis empörte ihn. Den Menschen auch im Arbeiter, auch im Armen nicht nur schätzen, sondern gerade durch verdoppelte Liebe' .nie ein Gefühl der Abhängigkeit, der Verbitterung in ihmaufkommen lassen und die sozialen Verhältnisse dahin umgeistalten, daß alle die traurigen Folgen der gegenwärtigen Mißverhältnisse entfallen, das ist echt jüdisch gedacht. "' Erscheinungen aber, wie sie der entartete Bolschewismus jetzt zeitigt, sie sind nie und nimmer auf jüdischem Boden gewachsen. Sie entschieden von sich' abzulehnen, ist eine ernste,. unabweisbare. Pflicht der jüdischen Gemeinschaft. Vom Jahrmarkt des Lebens. Glossen zur Tagesgeschichte, . Da die (Jrüsttichsozialejn die. öffentliche Aufmerksamkeit von ihrem unerhörten Krautskandal ablenken wollen, <an dein der Mai sbürgermeister Weis>- kirchher die Schuld hat, schreien sie jetzt stärker als je aus vollen Lungenkräften ihr Hepptiepp in die Welt hinaus und häufen ihre Verleumdungen gegen die Juden. Es" (wundert uns' nur, daß sie die ' Juden v nicht auch' schon in den-Krautfässern entdeckt haben, aus denen die christliche Korruption zum Himmel stinkt. Da dieses' Kunststück ihnen dennoch nicht 'gelingt, so holen sie unentwiegt andere Lügen herbei. Eine solche knüpfen sie an die bekannte Aktion „Wiener Studenten in/ die Schweiz", über welche unter dem Titel „Der Skandal einer Studentenwohlfahrtsaktion" — 80 Prozent Juden beteiligt — die . Schweizer verweigern die Aufnahme'' sich die „Reichspost" aus Bern berichten ließ, daß man den Studenten das' Paßvisum amtlich verweigere. Die Gründe .dafür seien, daß der größte Teil der Leute Juden, darunter kommunistische und wohlhabende, wären! Das, habe im ganzen Land Empörung hervorgerufen und die jFamilien hätten "ihre, Einladungen zurückgezogein. Zu diesem erfundenen Tele^praonm bemerkte noch1 das antisemitis'che Blatt: - > Die „Reichspost" hat bereits' seinerzeit, bevor noch die Aktion abgeschlossen war, im1 Interesse der . Wohlfahrtsaktion auf die bedenkliche Zusammensetzung der Teilnehmerzahl miigewiesen und' vor der Bevorzugung der j üd i sehen. Ele me n te, die mit mindestens 80 Prozent ian der. Studentenaktion teilnehmen .wollten, gewarnt. Es wurden. von 20 Hörern -der^Te<^hMt> pdie^aer jrdorl%e xUntersitü^ung^ verein dem Komitee vorschlug, , 11 kurzweg zurückgewiesen, dagegen würden Juden aus Galizien aufgenommen, die schon bei ihrer Aufnahme fragten, ob! man größere Geldbeträge in die Schweiz mitnehmen dürfe und ob man an der Grenze untersucht werde. Die Entscheidung der Schweizer, denen diese Zustände nicht verborgen bleiben konnten, ist für jene armen Studenten, denen es geglückt war, trotz dieser j üdi schen Protektionswirtsi'chaft unterzukonv men, eine bittere Enttäuschung, für die Gesamtheit der Wiener akademischen Intelligenz aber ein Merks', den ihnen das freie 'Schweizer Volk ausgestellt hat. Bei dieser richtigen Vorarbeit der deutschen Wiener Studentenschaft wird es hoffentlich noch gelingen, die vielen notdürftigen "christlichen Hörer noch in der Schweiz unterzubringen. Jedenfalls' ist imL Interesse def Geschädigten wie des Ausschusses unserer Hochschulen eine strenge .Untersuchung und Klarstellung der ganzen Angelegenheit sofort vorzunehmen. Die' Schweizer Familien sollen erfahren, daß diese mißglückte Aktion nur das Werk einzelner war, an dem die Wiener Hochschulen als solche keinen Anteil haben." 'Außer dieser Gehässigkeit wurde von antisemitischer Seite noch' die Nachricht lanciert, "daß unter den: aufgenommenen Teilhabern an der Reise und Unterkunft in der Schweiz sich? eine ganze Reihe nichtstudentischer Geschäftsleute befinden, welche sich auf diesem bequemen Weg über die Grenze schmuggeln lassen wollten, um drüben Geschäfte zu machen. Es wäre nun iatsächlich* der Gipfel der Verderbtheit gewesen, wenn fdie Humanität und Gastfreundschaft der Schweizer in dieser Weise ausgenützt worden wäre. Auch! hätten svjr selbst, eine