Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 34 (29.8.1919)
- Date
- 1919-08-29
- Page
- Seite 439 (sequence 3)
- Language
- German
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tfr, 34 Dr. BLOCH'S - WOCHENSCHRIFT Seite 535 '%>• kung zu seinem Wohlbefinden Ganz anders jedoch', (wenn ich? 'in der Behandlung des- Nächsten nicht an mich' zu denken habe, sondern daran, daß ein Ebenbild. Gottes vor mir steht. Meine Mensch'enpfUcht Wird dadurch objektiviert, der subjektiven Rücksicht entzogen, [über meinen persönlichen,, individuellen Maßstab - hmaus'gehoben. Der andere steht im Zielpunkte meines sittlichen Wil-' lens, niöht i öh!, ■- Auf die Begründungen des Sabbätgebötes angewandt, ergibt sichl in der einen wie in der anderen •Fassung das1 nämliche: die Rücksicht auf "den Ar- (beitoiehimer bildet den Körn der Motivierung, des" so überaus Wichtigen Sabbatgesetzes. Wenn du selbst dir auch aus Profitgier die Wohltat, ja Notwendigkeit der 8abbatruhe versagen Wolltest, deine Pflicht gegen den Arbeitnehmer .zwangt dich dazu. Es ist der Grundzüg und die Fundierung der ganzen jüdischen Ethik, der hier klar hervortritt: Es gibt keine EMk, außer in sozialer Betätigung.' Erst durch' den andern, und an dem andern erwacht und wächst dein sittliches Ich1. . Demnach' Jhefremdet es nicht, daß der Großvater des Königs David":den Namen „Olbed", d. hl „Mann der Arbeit" trägt .So Iconnte. man in Israel singen und sagen: „Wenn du von. de-iner Hände Fleiß dich nährst, heil dir,!du hast es1 gu|t." „Süß ist der Schlaf des Arbeiters*." i Wieweit diesem jüdischen Gedankengang das1 fernsteht, was heute als'Bolschewismus steine Schattenseiten offen tbärt, erkennt man auf den ersten Blick. Dort ■ Arbeits pfIichrt, hier Arbeitsscheu! Dort Ueberwindung jeder Kluft dur ch Bruderliebe und religiöses Empfinden! Hier blutige Gewalt und Ablehnung Jeder ^ethischen Rücksicht! Dort Achtung vor geistiger^ Leistung, Betonung der' Menschenwürde, Forderung der inneren Freiheit, hier blindes Wüten, Degradierung geistiger Arbeit, Tyrannei der TVIasse. Das alte. System, nur mit negativem Vorzeichen! Wir wissen, seht wohl und verkennen es keinen Äugenblick, daß diese Exzesse mit dem Wesen des klassischen Kommunismus nicht in unbedingter Kausalverbindung stehen. Wir Sind dessen gewiß, daß in einzelnen Führern ein ideales1 Streben vorwaltet 1 Niemand hat ja mehr Grund, darüber zu klagen, als wir Juden, wie bitter es -ist, Entartungen einzelner einer ganzen Gemeinschaft und ihrer Lehre zur Last gelegt" zu sehen! Eines muß aber mit allem Nachdruck: betonit werden, daß diese Art gewaltsamer Mensch'en'b'eglückung "den Grundlehren des Judentums schnurstracks zuwiderläuft. Das -rechtmäßig durch Arbeit erworbene Eigentum' stand im alten Israel, wie die Arbeit selbst, unter gesetzlichem Schutze. Während bei den Spartanern der Dieb eigentlich nur für die Ungeschicklichkeit im1 Stehlen, nicht für den Diebstahl selbst bestraft wurde, während es foei den Aegyptern eine förmliche Diebsgilde mit einem' gesetzlich1 anerkannten Oberdieb an der Spitze gab, von dem man gegen Erlegung eines Viertelvom. Werte das Gestohlene wiedererhielt, während auf der anderen Seite im' drakonischen, sowie in den älteren französischen, deutschen und englischen Gesetzen der Dieb mit dem Tode, noch" vor kurzem in England' mit Deportation, in Kothen im Jahre 1851 lein 61 jähriger Mann, weil er einige Weiden zum Kofbflechten abgeschnitten liatte, zu 38 Jahren Kärrenarbeit, verurteilt wurde, kommt es dem jüdischen Gesetze vor" allem auf die Wiedergutmachung des Schadens an. Nach talmudischem Recht ist der des Diebstahls Geständige unter allen 'Umständen von einer besonderen Strafe frei. Öiese Bestimmungen muten ttfn' so milder an, als Diebstahl aus Hunger, nach dem oben Bemerkten, so gut wie ausgeschlossen war. Sie genügten aber, eine' solche Achtung vor fremden Eigentum zu erzeugen, da$ der Talmud sagen konnte: „Ein jeder nimmt äuf das Geld des anderen ebenso Rücksicht, wie,, auf das eigene." , - Gegen gewaltsame Enteignung nach? bolschewistischer Methode wendet sich der Talmud mit den Worten, die auf ganz ähnliche Zeitumstände hinweisen; „Seitdem 'es immer meht Mode wurde, sich gewaltsam dasHab und Gut anderer anzueignen, mehrten sich jene, von denen das Sehriftwort gilt: „Jeder - tut, Was redhit in seinen Augen" und der Staat ging zugrunde.. Seitdem „jeder ta,t, w'as recht in seinen Augen", Wurden die Niederen hoch und die Hohen niedrig. Seitdem zahlreich wurden die Mißgünstigen und Habsüchtigen, das sind die. Blutvergießer, wurden zahlreich die Hartherzigen, und jeder verschloß die Hand vor seinem Genossen. Seitdem zahlreich wurden solche, auf .die das Schriftwort paßt: „Nach ihrem Eigennutzwandelte ihr Herz", wurden zahlreich auch solche, die, nach dem Propheten, „das Böse gut nennen .und das Gute bös". Und mit deren Zunahme w^rde die ganze Welt voU Wahnes. Ein sehr bekannter Ausspruch1 des Talmuds lautet: ,-Wer da spricht: das Meine ist mein, das Deine ist dein, das ist der sittliche Durchschnitt, nach' anderer Ansicht ist dies! sodomitische Gesinnung. „Das Meine ist dein, das Deine ist mein", so sprichst der ungebildete/ Bauer; „dasf Meine ist "dein -und das Deine dein", das ist der .Fromme. „Das Deine meinunddasMeinemei n", das ist die Sprache des Bösewichtes. . Ob soxler Kapitalist oder der Kommunist spricht, gleichviel,, er ist zu verurteilen. Für keinen Fall ist vor dem'Forum der jüdischen Religion gewaltsamer Umsturz zu rechtfertigen. „Als Israel", so lautet eine talmudische Ueberlieferung, „in die Diaspora unter die Völker hinauszog, da Heß es Gott* einen Eidschwur leisten, daß es nie mit gewalttätiger Hand einen Wandel in seinem Geschick, herbeiführen werde." Wenn trotzdem heute Stimmen laut Werden, die den Bolschewismus .mit spezifisch' jüdischen Aspirationen in einen Zusammenhang bringen möchten, obwohl doch gerade die Juden am schwersten von der Roten Garde heimgesucht werden (der Wüterich Szamuely ließ mit Vorliebe Juden hinrichten!), So ist ihnen gegenüber einfach an die zehn Gebote zu erinnern. Schärfer " als es in diesen geschieht, kann gegen das Treiben der Bolschewisten nicht protestiert werden. Vergegenwärtigen wir uns die beiden heiligen Tafeln! Betrachten iwir zunächst den Wortlaut der -zehn Bundesworte und befragen wir sie dann, was sie uns auf unsere Frage : „Ist das Judentum bolschewistisch?" zu antworten haben! Da lesen wir: 1. Ich bin der Ewige, dein Gott, der ich dich herauSgefiüb:rt aus dem Lande Aegypten, aus - dein Hause, der Knechtschaft. Hiermit ist ausgesprochen: Zur Freiheit bist du "bestimmt; darum lasse dich1 .nicht knechten! » Du sollst nicht andere Götter haben vor meinem Angesichte. Du sollst dir nicht ein Götzenbild machen usw. 'Mit anderen* Worten: Hüte dich vor jedem Götzcntum; denn mit dem Aberglauben geht ^*