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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-08-29 · 34 (29.8.1919) · p. Seite 437

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
34 (29.8.1919)
Date
1919-08-29
Page
Seite 437 (sequence 1)
Language
German
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Nummer 34 Dr. Bloches Jahrgang AAAVi Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums oooooooo ^Postspaikassenarat Deutschösterreich: 810.976 Ungarn: 5.634 Tschecho-Slowak.: 10.976 oooo Redaktion und Administration: Wien, 11/1, Praterstraße 9 Telephon 45.359 Wien, 29. August 1919 Erscheint jeden Freitag Brief-Adresse; Wien, I!/t. Praterstr&ße Nr. 9 Telegramm-Adresse :B!oc.Vs Wochenschrift Wien Bezugspreis: Halbjährig... 15 Kronen Ganzjährig . . 30 K oneri Einzelexemplar. 80 Heiler . | Anzeigen: Die zweimal gespaltene | . Petitzeile 70 Heller ococwooooooQoooooooooooaoooooacooooooooaeea Inhalt: Leitartikel: Ist das Judentum bolschewistisch? — Vom Jahrmarkt d'es L• b*ens ^.Glossen znr Tage»« geschichte. — Die Einreiseerlaubnis nach Palästina. — Aus den Erinnerungen eines Sozialistenführers an Karl Marx, de» Verfasser de3 kommunistischen Manifestes. — Nordau für >offene Tür« in Palästina. — Eine Einheitsfront gegen di» Judenpogrome. — Korea. — Freisprechung der Pogromhelden. — Judenfeindlichkeit polnischer Sozialisten. — Di© Entente und das polnische Judenproblem. — Entlassung jüdischer Volksschullehrer. — Die Mergenthau-Kommission in Pinsk. — Antisemitische Ausschreitungen in Ungarn. — Korrespondenzen: Petljura über die Judenpogrome in der Ukraine — Wien. — Budapest. — Arbeitsbeschaffung für judische Flüchtlinge. — Vermischtes.- — Feuilleton: Bstwln. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Ist das Judentum bolschewistisch? tv Von Dr. Max Grunwald. \\ Als die koinmunistischen Gewalttätigkeiten des Bauernkrieges ganz Eurqpa mit Entsetzen erfüllten, wandte sich in einer milde gehaltenen Schrift, gegen diese Ausschreitungen L. Vives, obwohl gerade er durchaus die kommunistischen Anschauungen teilte, zu denen sein Freund Thomas Mojrus in seiner berühmten „Utopia" sich bekannt hatte. Vives selbst ist dann als einer der ersten dafür eingetreten, daß die Armenpflege nicht, wie bis dahin, dem Zufall des Almosens überlassen bleiben dürfe, daß; man vielmehr durch bestimmte bürgerliche Einrichtungen die Armut planmäßig und konsequent bekämpfen müsse. Seine Ausführungen sowie die Aufstellungen der späteren englischen und französischen Kommunisten fußen nachweisbar auf den sozialen Grundsätzen, welche die Gesetzgebung des alten Judenstaates beseelten, und .von denen die Reden der Propheten Israels wiederklingen. In der Neuzeit hat der soziale Gedanke den weitesten Spielraum in dem staatlichen und gesellschaftlichen- Leben Australiens? gefunden. Bei uns in Europa ist er bis zu dem politischen Umsturz der letzten Monate auf das Pogramm einer Partei beschränkt geblieben. Praktische Wirkung. hat er nur vereinzelt und in bescheidenem Maße erzielt. Obwohl zu seinen erfolgreichsten Vorkämpfern eine ganze Reihe von Männern jüdischen Stammes, wie Marx, Lassalle, Ricardo u. a., zählten, hat man bisher die Wurzeln dieser Bewegung nie im Judentume gesucht. Und doch' lag diese Beziehung mitunter klar genug, zutage. Ein Lassalle Wollte sein jüdisches Volk befreien. Sein Jugendtraumi war die Wiedergewinnung Palästinas als* jüdische Heimstätte. Auseinem Befreier-seines' verfolgten Stammes' wurde er der Erlöser eines unterdrückten Starides. Erst jetzt, als an der Spitze der kommunistischen Propaganda Führer mit jüdischen" Namen auftauchten, verfielen unsere Ra^enschnüffler auf die Idee, 3i# Brutalitäten gewisser Bolschewisten dem Judentum» zur Last zu legen. Je gefährlicher es aber ist, solchen Zündstoff in die explosive Stimmung einer von der furchtbarste^ Not gepeinigten, zu den verheerendsten Leidei*. schaften herangezüchteten Masse zu werfen, um so gebotener ist es, den Tatbestand mit historisch»* Sachlichkeit zu prüfen. Die allen den mannigfachen sozialistischen Programmen gemeinsam.© Grundnote klingt aus in* den Tenor: Vor allem Wertung der Arbeit! Notwendigkeit, den Arbeiter vor s Ausbeutung zii schützen, vor den wirtschaftlichen Folgen der Folgen der Arbeitslosigkeit zu bewahren, dem Erwerbsunfähigen die unentbehrlichen Lebensbedingungen zu sichern. Vor allem aber lautete sein Pronunciamento: Arbeitspflicht für jedermann, ohne Unterschied! Wer nicht arbeitet^ nicht produktiv tätig ist, verdient nicht, Brot zu essen! Strenge soziale Gerechtigkeit von Staats wegen! Alles für das1 Volk und durch' das Volk!" Wir können uns für diese Melodie kein passenderes Textbuch denken, als unsere Heilige Schrift. „Der Mensch ist zur Arbeit geboren l" In diesem Leitsatz stimmt mit der Bibel des' Talmud ubereinj, dessen Verfasser ja zum großen Teil Arbeiter waren. „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot verdienen." Diese Weisung an den ersten Menschen bildet keinen so schärfen Kontrast zu dem Zustand« im Paradiese. Denn auch dort hatte er „Arbeit zu verrichten". In dem vierten der zehn Gebote wird die Arbeit an den sechs Werktagen der Woche ausdrücklich als religiöse Pflicht, als Willensäußerung Gottes proklamiert. Der Talmud zieht aus den biblischen Promissen nur die Konsequenzen, wenn er lehrt: „Arbeit ist ein Ehrentitel." „Häute ein Aas auf offener Straße ab, um dir den Unterhalt zu ver* dienen und^sprich nicht: Ich bin ein Priester! Ich bin ein großer-Mann!" „Nimm jeden niedersten Dienet

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