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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-08-22 · 33 (22.8.1919) · p. Seite 435

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
33 (22.8.1919)
Date
1919-08-22
Page
Seite 435 (sequence 15)
Language
German
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Kr. 53: Dr4 BLOCHES WOCHENSCHRIFT Sehe 531 An, einem kalten, sonnigen Wintertag jagte Kö nig Kasimir in der Nähe von Opoczno. Ein. Bär kam auf ihn zu. Der König rief ihn an, und als; sich das Untier auf die Hinterbeine; aufrichtete, ging er mit dem Jagdspeer auf dasselbe, losl Der Bär fiel auf den ersten Stoß,, aber im Fallen versuchte er den fCönig zu umarmen, blieb mit der Kralle an dem Aermel seines pelzbjesetzten Leibrock® Rängen und zerriß dasselbe von oben bis1 unten. Als1 die Jagd zu Ende war/ ritt der König mit. seinem Gefolge beim fröbücben- Klang. der Hörner und dem Gebell der Meute in Opoozno ein und fragte nach' einem Schneider, der ihm rasjch den Schaden ausbessern könnte,... Die Umstehenden wiesen auf das Haus des Meilech Gidoni, das1 Eckhaus in jder Judengasse, und Kasimir ritt an dasselbe <heran> stieg vom Pferd und trat in die Werkstatt des Meters, der ihn eihrr erbietig und verlegen begrüßte.; „Nun, mein Freund", begann der König l&chelhd,- „heute soll dir dein Herzenswunsch erfüllt werden. Da jeder von Euch' gern dem König am Zeuge flicken möchte, da ist er, tu dir keinen Zwang an und flicke, mir den Aeirmel, den mir der Bär zerrissen bat." Damit zog Kasimir mit Hilfe seiner Kämmerer-den Leibrock aus1 und (übergab ihn dem jüdischen Meister, Während Meilech Gidoni in begreiflicher Aufregung an dem königlichen Rock nähte, saß Kasimir auf einem Polstersitz in dejc Nahe, der Tüire und ruhte aus. -Plötzlich ging die Tpre des, Nebenzimmers auf, und ein junges5 Mädchen trat herein, die schlanke Gestalt in ein faltenreiches' Gewand von Seid,© und eine mit Pelz besetzte Kazabaika gehüllt, Korallen und Perlen, um Hals ..und Arme, "die langen schwarzen Zöpfe mfc .Goldfäden durchflochten, rote Pantoffel an den kleinen Füßen. Sie trug auf. einem silbernen Brett einen Becher mit Wein und Backwerk. Der König erhob sich und blickte starr in das s'cböne edle Gesicht, demr die kleine Adlernase und die aufgeworfene Oberlippe, einen reizvollen^ Zug von Eigenwillen und: Trotz verliehen, und in die großjen Schwarzen Samtaugen.. „Wer ist das Mädchen?" fragte er endlich. : „Ich! bin Esterka, die Tochter Meilechs," sagte sie mit einer hellen melodischen Stimme.. Dann, bot sie dem König den Becher. Er afcer machte .eine, abwehrende Bewegung. „Verschmäht mein Herr die Gabe, der Jiüdin?" fragte sie, die Sitrne leicht runzelnd;. „Im Gegenteil, Schöne. Nymphe, ich .?wfesche, daö du mir den Trunk kredenzen sollst." „Ichbin keine Nymphe'', erwiderte Esterka ruhig, „und meine Lippen sind nicht wjürdig, den Rand des Bechers zu berjühren, aus dem mein König trinkt." : j,Ich befehle es dir.".; * _ _ „Dann erst recht nicht", gabi sie mj.t einem stolzen Lächeln zur < Antwort., j . . „Ich5 bitte dich darum, Esterka." Sie sah" den König an, nippte von dem Wein und reichte ihm1 den Becher. Er setzte fhn an, genau an der Stelle, die ihre Lippen berührt hatten, und leerte ihn auf einen Zug. ' Sie jsvjurde (rot und schlug $iie Äugen nieder. „Wenn ich gewußt hätte, daß Opoczno einen» solchen Schatz birgt", sagte der König hierauf zn seinen* Gefolge, „ich (wäre nicht zum ersten Maie in Opoczno und bei Meüechi Gidoni." . ,Jhir scherzt |wohI, mein Herr und König", sprach Esterfoi, indem sie plötzlich die Augen zu ihn* auf' schlug, „denn ich kann nicht glauben, daß Ihr mich kränken wollt" Und ehe Kasimir Zeit hatte,, s£e zurückzuhalten, war sie aus der Stube entflohen, und, als! der König fortritt, suchte er vergebens' ihren Kopf an einem Fenster zu entdecken. Einige Tage darauf sendete Kasimir der Großfeseinen Vertrauten, Wenglinskt, nach Opoczno zu der schonen Jiüdin. Er brachte Esterka reiche Geschenk© an Juwelen, persischen golddurchwirkten Stoffen» kostbarem russischen, Pelzwerk und Karamanenteev Sie wiesi jedoch alles1 zurück und verweigerte Wenglinsjki dje Unterredung, um die er sie hat- . Eines Abends» als1 Esterka in ihre Kasbaika geschmiegt, beim Brunnen, der sich mitten auf dem; Marktplatz befand;, Wasser holte, stand plötzlich König Kasimir vor ihr* , Sie erstfhraok Im ersten Augenblick, gewann aber sofort wieder ihre Fassung und ihren ganzen Stolz. Der König hatte ihre Hand ergriffen- Esterka zog sie nicht zurück, aber; sie sah ihn scharf und Vorwurf s^- voll an und sprach: a,Was wollt Ihr! wenn die Leute unsl sehen, ist es um mich, um meine Ehre gen schehen." „Esterka, ich liebe d£ch." Sie schlug dje Augen, nieder,. Willst du mein sein?" „Darf ich denn?" erwiderte sie ruhig, „mein Herz, gehört Euch, ich will est nicht leugnen». Aber ihr seidr ein König, und was noch schlimmer ist, ein Christ. Wenn Ihr ein armer Jude wäret, ich würde sofort Vater und Mutter verlassen und Euch folgen, so aber , . . . A lebt wohl „ .. und für immer,";; „Höre mich an, Esterka." „Ich habe Euch zu lange angehört." Sie machte sich! los und ging rasch der Judengasse zu. Der "König folgte ihr, und als; er wieder an ihre Seite/ gelangt war, faßte er den Krugt \ „Was; wollt \Jhr?" "i i „Dir den Krug tragen." „Das schickt sich nicht." Der König entwand ihr sanft den Krug und trug ihn, bis! an die Schwelle ihres Hauses». Hier blieb sie stehen, den Kopf gesenkt und schwieg. „Was: hast du?" fragte'Kasimir., , „Wiederholt mir, daß Ihr mich hebt." „ßo wahr ein Gott -über uns beiden ist", sprach» der König* „ein einziger und ewiger, so wahr lißb& ich dich, mehr alsi alles"«. „Wollt' Jhjr mich besetzen?" i Ta " - -; ' . . ■ . ■ f „Um jeden Preisi?" I i ,,Um jeden*" :;; „Gut, dann/tretet herein." * i , (Fortsetzung folgt) „Auf dein Wohl, schöne Esterkai"

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