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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-08-22 · 33 (22.8.1919) · p. Seite 431

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
33 (22.8.1919)
Date
1919-08-22
Page
Seite 431 (sequence 11)
Language
German
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Nr, 33 Dr. BLOCH'S WOCHENSCHRIFT Seite 527 deBl Wortes, e6 gibt Hätsel, es gibt Gehfeimnisse, <üe enthnllt keine Chemie, Zoologie oder Physiologie. Unseren. Monismus!foat Rabbi Istael Baal-Schern in folgende Worte gekleidet: i Alles1 ist Offenbarung Gottes. Oben und Unten: alles1 — eine Einheit. Und Du, o Mens'ch', der Du einen Teil Gottes in Dir birgst, , Vereinige Dich beständig mit dem: All,- mit Gott, i Tfad sollst suchen, Deinem Schöpfer gleich : fcü werden. . v hn Tun und Denken» . j Dr. M. Grünf eld. Korrespondenzen. Eröffnung von Klntferkrlegsküchen für jüdische! Kinder. Das Ziel aller Aktionen für unsere Bander ist heute, eie satt zu machen. Ob es in den Tagesheimstätten ist, die die ^kleinen ^vernachlässigten Scharen aufnehmen, ob man die Kinder in irgendein Sömmerheim verpflanzt, es ist immter die eiserne Notwendigkeit da, ihnen die Nahrung zu geben, die ihnen das so bitter arm gewordene Elternhaus nicht mehr zu bieten Vermag. Dank dem Entgegenkommen der amerikanischen Kiu.-. derhilfsaktion, der materiellen Förderung des Joint Distribution Comitee, welches zu diesem Zwecke eine Subven# tion von 20.000 Kronen gewährte und vor allem der Fürsorge u,nd Arbeitskraft der Frau Anitta Müller und ihrer treu bewährten Mitarbeiter war es möglich, in der vergangenen "Woche zwei Kinderausspeisungen zu eröffnen, welche täglich 2000 Kinder verköstigen. . .' Die jüdischen Kinder -haben es doppelt schwer, be-. •sondersjene, die. in ihren streng frommen Elternhäusern rituelle JEost. haben und für die sich kaum eine freundliche Hilfe findet, aber noch! ein anderer Umstand läßt, jüdische Kindor bei Vielen Kinderaktionen zu kurz kommen: die Mütter geben sie nicht gerne her, sie wollen sie unter Ihren Augen halten, wollen sie nicht tage-, und wochenlang Fremden überlassen, wollen sie nicht in das1 härte Leben Mnausschicken, wo sie mit manchen unverständigen oder t gar rohen 'Mehschenj Kindern und Erwachsenen zusammenkommen und Spott und Lieblosigkeit ernten können. Und so gehen Hunderte dieser armen und allerärmsten still und [resigniert zu Grunde, an der Seite und in der Hut gabeugter Frauen, ihrer Mütter, in. denen auch nur zu oft das Leben eine von Leid, Krankheit und Hunger halberstickte Flamme ist. Und nun sollen diese Kinder, wenigh stens viele von ihnen, zu essen bekommen. In dem unn seligen Pra'terviertel, das vom Prater, wenn man darunter grünes Eiland mit grünen Bäumen und "Weiden, lichten (Wiesen Versteht, absolut gar nichts gemein hat, aber allen SoSfcmutz, alle. Enge, alle Not und .alles Elend haben, wurde eine der drei Kriegsküchfen eröffnet. Im Offizierspavillon der ehemaligen Wilhelmskaserne wird für sie gekocht, in dem großen Speisesaal wurden Tische und Bänke aufgeschlagen und in dem kleinen „Gärtchen stehen erwartungsfroh! die kleinen Gäste -und warten sehnsüchtig auf den Ruf zu Tisch1; Das ganze Milieu hier ist lieb und anheimelnd. Die breite Straße mit den Vorgärtchen, von denen sie den Namen hat, schiebt sich wie eine freundliche Kulisse vor das Häusgewirr, die- Herbergern der Not,; die hinter ihr sich ausdehnen. Der hübsche Pavillon zeigt die gute Ausßtattung, die man der Herren Offiziere (würdig gefunden hät> Bäume und grüne Sträücher grüßen durch die Fenster herein und vollenden das Bild, denn zu frohen Kindergej-, sichterh scheint uns der grüne Hintergrund untrennbar zu gehören. \ 'Anders präsentiert sich! die zweite Kinderküeh'e, welche MM in der Denisgasse eingerichtet wurde. Hier sind es die großen Bäume, die von -jehter , zair Kinderausspeisung bestimmt waren, die sich' jetzt praktisch und gefügig der neuen Aktion anpassen.; Die Straße ist nicht so freundlich!, wie jene;, in der .die Prater« kinderküche liegt. Es ist wohl die dunkelste Gegend aus '. dem iXX. Bezirke, die soviel Proletarierelend, soviel gedruckte" Existenzen,Tsovlel zerrüttete, von Elend und Kranke, heit gebeugte Menschenleben umschließt. Es sind die Häuser mit den gräßlichen, allzuengen Wohnungen, die von. der Not fast aller Möbel entblößt und es sind die Kinder, welche" aus dem ünfreundlichen Gelaß ihrer Wohnstätten auf die Straße eilen und hier den Hunger in lautem Spiel zu vergessen suchen. . Zweitausend Kinder werden in diesen beiden Küchen täglich ausgespeist. Sie erhalten ein vollständiges Mittagmahl. Das amerikanische Kinderhilfswerk, das seit einigen Monaten so wohltätig in Wien waltet, hat die Lebensmitttel für die streng rituell geführten Ausspeisungen beigestellt. Der Speisezettel berücksichtigt nicht nur die Nährwerte, er trägt auch dem Geschmack der kleinen Gäste- Rechnung. Drinnen bei dampfenden kleinen Schusseln sitzen die Kinder. Die Kinder, von denen die untersuchende» Aerzte sagten, daß sie wohl die traurigsten und entsetzlichsten. Bilder der Unterernährung und zu allen Krankheiten^ die die Unterernährung zur Folge haben, bieten. Draußen stehen ^wartend die Mütter. Sie haben die Kinder hergebracht wie zu einer Stätte der Hilfe und des letzten Trostes in ihrer Not. Es war wie ein Märchen, daß ihre Kinder hier satt werden sollen, ohne daß sie sich den letzten Bissen von Mund für sie absparen müssen. Nun stehen! sie ' und warten. Sie wollensie sehen, wenn sie herauskommen Zum ersten Mal seit langen» langen Monaten satt geworden, so Satt, daß jede» Kind noch etwas Ueberbleibsel der Mahlzeit in der Eßschale nach Hause (trägt. Dann geht das Schauen und das glückselige Erzählen. Und die armen Frauen, die die Not mifi-s trauisch gemacht hat, kosten und schmecken und finden» daß sich ihren Bändern endlich eine wirkliche Hilfe gejnähert hat, die ihnen nicht halb ungenießbare Rüben und wieder Rüben, sondern eine leckere» nahrhafte Mahlzeit bietet. Am 22. Juli wurden die beiden Küchen in Anwesenj» heit des Leiters der amerikanischen Hilfsaktion Dr. Geist, der Delegierten des Joint Distribution Comitee Dr. Nak tahan Kraß, Max Pine aus New-York eröffnet. Unter den zahlreichen Gästen bemerkte man Herrn Oberrabbiner Dr. Ohajes, die Vertreter der Orthodoxie Herren Wo»! P a p p e n h e i m, Herrn Rabbiner Dr. F r i e d m a n n* Herrn Rabbiner Katz, Frau Anitta Müller, Frau Erna Pataky Gemeinderat Dr. Eh-rlichy Gemeinderat Dr. Plascbkes* Stadtrat Koerber, Bezirksrat Dr. Abelen Bezirksrat R a p p a p o r t, Reichsratrevisor T a u s s i g* Major Arz ■$ dorf und Frau und viele andere. Die Festrede wurde vom Oberrabbiner Dr.. GfcajjyBS gehalten, welcher den Sinn der jüdischen Speisegesetze erklärte und der amerikanischen Kmderhilfsaktion -den ^wärmsten Dank dafür aussprach^ daß sie durch! Gewährung der notwendigen Lebensmittel und insbesondere durchi Be-, Schaffung von Oel, die Einrichtung der strengrituel<* len Kinderkriegsküchien ermöglicht hatte. Fraui Anitta Müller schilderte in bewegten Worten das Kinder^ elend in Wien und dankte den Offizieren Major Me-krepp und Major Arnsdorf der Volkswehr, für die, Ueber-» lassung der Ubikationen und insbesondere den Damen, wek che in der uneigennützigsten Weise sich' Tag für Tag in den Dienst der edlen Sache stellen. Der Beginn der Kinderausspeisung ist Glück und Freude für viele, für hunderte Kinder und hunderte Mütter. Möge es gelingen, sie dank der Arbeitskraft' der tätigen» mütterh liehen Frau Müller, dank des materiellen Beistandes des amerikanischen Hilfswerkes weiter fortzuführen, und woh möglich! auszugestalten, denn neben den wartenden Kindern stehen viele hunderte hungriger Kinder vor den Toren der Küchen, alle die man ausschließen mußte» weil für alle die Nahrung nicht ausreicht. Aber notwendig, bitter notwendig hätten sie'es alle! Eine antis&mitiSchb Eisenbahnerdemort&tration auf dem Balfhausplatz. Im Deutschen Schülvereinshäuö in der Florianigasse hat kürzlich! eine Versammlung von Eisenbahnern stattgie^ funden, die in Deutschböhmen Dienst gemacht hatten und jetztr, von der tschechoslowakischen Regierung ausgewie-. sen, nach! Deutschösterreich zurückgekehrt sind, w» sie trotz wachenlangen Bemühens keine Wohnungen; ausfindig machen können, so daß sie in Eisenbahnwaggons Obdach zu suchen genötigt sind. Die Versammlung war von, 30fr Personen besucht. Es wurde eine Resolution beschlossen» in der die Regierung aufgefordert wird, die» Flüchtlinge aus, Wien zu entfernen und die freiwerdenden Wohnungen den- Eisenbahnern zuzuweisen. Nach Schluß der Versammlung; zogen die Teilnehmer zum "Staatsamt für Aeußeres, wo eine Deputation die Ref» Solution einem Beamten übergab5, der erklärte» im Augenti blick keine bindende Zusage erteilen zu können. Während die" Abordnung im Ministerium verblieb, Bangen die -Eisen-

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