Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 36 (1919)
- Issue
- 33 (22.8.1919)
- Date
- 1919-08-22
- Page
- Seite 432 (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 528 Dr. BLOCH'S WOCHENSCHRIFT Nr; 33 bahner!w>4d em ßtaatsamt Auf. dem Ballplajtz deutschhationale Lieder. Dann kehrte der Emberufer Landtagsabgeordneter Dr. Riehl mit den übrigen Deputationsteimehmern zurück und machte Mitteilung von dem Verlauf der stattgehabten Unterredung. Der Zug setzte sieb1 wieder in Bewegung und ging durch die Straßen der Innern Stadt, dann über die Taboratraße zum Nordbahnhof. Im Zug wurden Tafeln mit ' der Aufschrift: „Hinaus mit den Juden" und dergleichen getragen. Die Teilnehmer stießen Beschimpfungen gegen die Juden und Tschechen aus und belästigten Vorüberge;* h'ende Frauen und Männer, welche jüdisch aussahen. Poj-< lizei intervenierte wohl, doch! konnten die . Demonstranten . ungehindert Mädchen und Frauen handgreiflich belastigen. Der Kultusfoeamte vogelfrei? . oder ■ . Vorsfcmid und Ofrerkantor. . Der uns Juden sonst sehr gehässige klerikale „Cech" ibrachte jüngst einen Auszug aus" dem Buch , des tschechöfn slowakischen Oberzeremonienmeisters Dr. Guth' über das Benehmen in der Kirche, Synagoge und sonstigen geweihK ten Orten. Dieses Kapitel sei den unterschiedlichen Temt-J . pelbesuchern aber auch manchen Vorständen zur eifrigeri Lektüre dringend empfohlen. Denn sonst könnte es nicht vorkommen, daß es heftige Auseinandersetzungen zwischen dem vom Omid tretenden Oberkantor, z. B. der Meiselsynagoge in Prag, und dem Vorsteher gibt, daß dieser wegen eines kleinen Lapsus1 linquae dem Fachmann, der 84 Jahre als Oberkantor an dem ebrwürdigen Gotteshause wirkt — Ignoranz und dergleichen vorwirft. Daß kein . itanktionäX sieh* derartiges ruhig bieten läßt ist klar, zuJmaL von einem Nichtfachinann, dessen .Kenntnisse auf einem ganz_^anderen Gebiet liegen. Oder aber hat er Geld . * und keine 'Kenntnisse. Aber ein Anlaß muß vom Zaun gebrochen werden, um den Oberkäntor, den schmeichlerische Ohrenbläser beim Vorstand vernadern, bis zur Verzweiflung «u^brin^n. Ein ..Wort gibt das andere, bis der Herr Vorr steher sich' »u den von Nächstenliebe, triefenden "Worten versteigt: ^Ich1 werde Sie verfolgen, solange ich lebe undi Sie Verden noch] andere Sachten erleben!" So sprach ein Mann an?der Schwelle des 80. Lebensjahres am Sabbath! am Weiligen Ort. Sprachs und suspendierte den Oberkäntor. Die Sachte kam" vor den Kadi. Die Meisielsynagoge untersteht der Repräsentanz der Prager Kultus'gemeinde. Drei Herren der Me'iselsynagoge führen Klage gegen den Oberkantor, der Präsident der Kultusgemeinde hebt die Suspendierung auf und der gekränkte Funktionär soll trotzdem dem angeblich! beleidigten Vorsteher Abbitte leisten, und zwar in Gegenwart der beiden Kustoden seiner Synagoge. Ist das nicht rührend? Ja, glauben die Herren, daß fein-, Oberkantor, ein fachlich! studierter. Mann, keine Ehre Zm Lteibe hat? Oder, darf er sie nicht haben, weil Bie von Gevatter Schneider und Handschuhmacher des Vorstandes gepachtet zu sein Bcheint? Der ^Geklagte" lehnte jede Abbitte ab und erklärte mannhaft; niemanden beleidigt, sondern sich .nur gegen ungerechtfertigte, ungerechte Angriffe verwährt zu haben, Das schlug dem Faß den Böden aus, der jüdische Angestellte ist eine Kreatur in den Händeln der Vorstehter, ihrem Wüten und ihren Launen preisgegeben; — Der Konkurs auf die Stelle des Oberkantors in der Ifeiselsynagoge ist ausgeschrieben, Bewerber meldet euch, die Stelle ist Verlockend. Beizt euch' nicht das Schick- ' sal des ^verewigten Dr. Kiisjch! und Oberkantors Breinig, meldet euch!, der Zuzug ist groß4 bald ist es" zu spät. . . . Die jüdischen Kultusbeamten sollen einem Disziplinarrat unterstehen, der ihre .Streitigkeiten entscheiden, soll. Es geht aber durchaus nicht an, daß 'dieselben Herren* die seine Ankläger sind, .auch das1 Urteil über ihn. sprechen. Sie sind gegen ihn voreingenommen; sie sind ihm feindljch, ja ge-häßig. gesinnt. — Geht noch! immer. Gewalt vor Recht? Herrschen im 20. Jahrhundert, dem Zeitalter der gießen politischen und sozialen Revolutionen noch immer die Zu-. stände des Ghetto? Fortmit ihnenI Christen haben un« die Tore des Ghettos, aufgerissen,, öffnen wir selbst die Eejostet der jüdischen Sitzungssäle , und Rathauser, . . daß der Moder des persönlichen Fanatismus, der Tyrannei* der frischen,.Morgenluft, der allgemeinen - Gleichberechtigung weiche. Auch' der! jüdische Kultusbeamte. ist und muß ein freier Mann fcein, unabhängig (von den Launen (des Vorstandes. •Darum erwarten wir nicht nur einen scharfen Protest der KfaltusbeajnXte'n gegen das Selbstherrliche Vorgehen, wie oben geschildert, wir erwarten^ daß ktein auf Standesehre haltender Jude sich um den Posten an der Meiselsynagoge bewerben wird. ' Dr. W. K. Versammlung der tsohechisohsn Juden in Mähr.-OjStrau. i Aus Mährisch-Ostrau wird der „Silesia" berichtet: In der verflossenen Woche hielt. die hiesige Vereinigung der tschechischen Juden im „Narodni Dum" (Vereinshäus) eine Versammlung ab, um ihrerseits zur Schulfrage Stellung zu nehmen. Ihre Förderung lautet: „Jüdische Kinder i n die tsch!ebhfische Sc h'ul e 1" Diese Forderung suchte; der. Hauptredne<r, Professor Dr. Fuch's aus Prag, zu begründen, indem er darauf hinwies,; die Juden in der itschlsteho-ßlowakiBchteli Republik suchten -auf dem Wege der Assimilation den Anschluß an die Tschechen. Diese mehr als merkwürdigen Ansichten, die sich übrigens nur ein ganz. Ter, s C h w i n de n d : kl einer Brueli'teil des hiesigen Judentums bu eigen macht, wurden von-den anwesenden Vertretern, der „Poale Zion" stark widersprochen, die ihrerseits die Schulformel aufstellten: „Jüdische Kräder in die jüdische Schule!" . Die langatmige Aussprache, die sich an die Aua. fühTirhgen des Referenten" schloß, förderte einige recht betaerkansw|erte Momente zu Tage, die wert sind, der breiten Oeffentlichkeit mitgeteilt zu. werden. Dr. S ü c h ä - nek, einer der Führer der antisemitisch^h'auvmistischen/ tscheßMsch.-»demokratischen Partei, sagte: Nicht Worte, .Taten wolle er sehten. Man werde {Von den Juden endlich' doch einmal eine endgültige Stellungnahme zu der, Nation nalitätenfrage erzwingen müssen. Bei der-Feststellung, ob Großt-Pstrau emsprachig, also tschechisch, oder zweisprachig, tschechjsißh" Und deutsch "seih werde, werden -die Juden das " Zünglein an der Wäge "bilden. Hier werden sie zu zeigen fcäben, ob sie wirklich1 dem tschechischen Geiste nahestehen. Die Zionisten seien in seinen Augen nichts anderes als „Genhanisatoren". ' v "■ -~ Es gab. auch Yersammlungäredner, die behaupteten, die Tschechen kennen keinen Antisemitismus (siehe . „Ostrav' aky Dennik"!H) und die Juden hätten es bei den Tschechen immer gut gehabt (Holleschaul) und einer-'der Verjsammlungseinberufer teilte mit, die Vereinigung der ts'chechisjehen Juden, die in Mähren wirklich schon J00 Mitglieder zähle, werde demnächst mit einer großen Propan ganda für die tschechische Schule einsetzen. Es werden Flugblätter aufklärenden Inhaltes an die jüdischen Familien verteilt und große Plakate die jüdischen Eltern äufl-i fordern; ihre Kinder nur; in die tschechische Schule zu schicken. Alle diese Versicherungen fanden aber nur iwfehig Beifall. Gratulation' änlWicih! des Hi^fi Wi- Feste» züguinsjten der Kriegsfürsorge. Emern, seit Jahren eingebürgerten Bräuche folgend, laden wir. unsere P. T. Leser leih,. Neujahrsgratulationen; durch1 eine Anzeige in der ,f Oesterreichischen Wochenstehrift" an Stelle der direkten Gratulationen per Post erstatten zu wollen. Auf diese Weise verbindet der ,Gratulant mit der, Erfüllung einer Formalität gleichzeitigdie Förderung der jetzt so hochwichtigen Exiegsfürsörge. Die Einschaltung solcher Anzeigen erfolgt in der dem Boschh'aschanah-Feste Vorangehenden Nummer unseres Blattes vom 19. Septembeil 1. J. gegen Einsendung einer S p e ni* d e von mindestens 8 Kronen zugunsten der Kriegsfürsörge. Letzter - Termin zur Einsendung solcher. Anzeigen "1. SepJtember 1918. ■ ■ <