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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1919-08-22 · 33 (22.8.1919) · p. Seite 429

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
36 (1919)
Issue
33 (22.8.1919)
Date
1919-08-22
Page
Seite 429 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 33 Dr. BLOCH'S WOCHENSCHRIFT Seite 535 hfärger, so haben wir deshalb noch' längst kein Recht, unsLselbst deraf t radikalen Staatsgesetzen gegenüber noch weiterhin in Sicherheit zu wiegen; es könnte für uns sonst. einmal, wie einer gesagt hat, „ein böses Erwachen geben". Wir haben allen begründeten Anlaß, uns' mit Bedeutung und Tragweite der beiden Gesetze zu beschäftigen. Das' Kirchenaustrittsgesetz, das das bisherige umständliche und dadurch abschreckend wirkende Austrittsverfahren zu einer bequemen, gewöhnlichen Abmeldung bei einem sachlich' gleichgültigen Standesbeamten vereinfacht, zieht den Religions^emeins'ch'aften die materielle Grundlage ihrer Existenz, da sich' hier ein leichter Aus1weg bietet, den gegenwärtig hohen Steuerdruck wenigstens in einem' Punkte zu mildern. Anderseits1 besagt die Beseitigung des Rehgionsunterrichtes', daß das religiöse Interesse aus' dem geistigen Leben des Volkes in Zukunft fast völlig verschwinden wird. In zahlreichen jüdischen Kreisen geht man an diesen Folgerungen achtlos vorbei und behauptet mit. größer Selbstverständlichkeit: „Unsere Juden bleiben uns1 treu!" Dieser Optimismus' ist aber, besonders für die sächsischen Verhältnisse, völlig unberechtigt. Freie Gemeinden und freier Religionsunterricht, wie sie uns die kommende Entwicklung in Aussicht stellt, können die Masse der Steuerzahler und der Eltern, denen gegenüber ihnen kein Mittel staatlichen Zwanges mehr gegeben ist, nur unter der Voraussetzung noch' für sich gewinnen und erhalten, wenn sie ihnen durch moderne Gestaltung ihrer äußeren Rechtsformen unbeschränkte Gelegenheit geben, in der freien Religiansgemeinde Wählend, verwaltend, kontrollierend und beratend mitzuwirken. Daran jedoch1'fehlt es1 in Sachsens jüdischen Gemeinden noch fast vollständig, und leider scheint es auch1, daß die richtige Einsicht erst kommen wird, wenn es' zu. s^>ät .ist.. Ernst Häckel und der BeligionsunterricM. . - ^"Wisse, "was Du zu erwieflern hast." Abofh' H. 14. Nun gibt es' wirklich' Sur ihn keine „Welträtsel" und keine „L'ebenswunder" mehr. Auch er, der es1 sich' zur Aufgäbe gemacht hatte, die Menschheilt von dem „lastenden Joche" des Aberglaubens zu befreien, ist eingegangen in das! Land, an - das' zu glauben uns1 Religion und Ueberlieferiuig lehrte und das1 er uns gründlich1 zerstört zu haben meinte. Für ihn gab es> keine „Schulphilosophieu, er räumte und rechnete auch1 mit Kants1 Kritizismus' ab. Der steckte ihlm noch in den Banden der traditionellen Metaphysik des' Mittelalters, und in dessen „Dualismus" wollte er einen verkappten Dögmatizismus erkennen. Alle Wissenschaften> Phvsik, Chemie, Mathematik, Astronomie, Geologie, Biologie, Anthropologie, aber auch die Linguistik, Geschichte, die Pädagogik, Ethik, die - Politik, Jurispondenz, Medizin und „leider" auch'die Theologie, sollten vom Standpunkte der ^monistischen Philosophie" erkannt werden. Diese Aufgabe durchzuführen, betrachtete der Verkühder des* Monismus als1 v sein Lebenswerk. Vor1 der Sonne dieser Weltanschauung sollten sie weichen, alle Schatten, die uns1 verfolgen, alle Gespenster, die uns noch1 immer umgeben. Für den Monismus1 gibt es; keine „Welträtsel" und keine „Lebenswurider" mehr. Nach dieser Weltanschauung ist ]eder gebildete, denkende Mensch, der sich zu ihr bekennt, ein Philosoph'. Du sollst keinen anderen Gott bekennen, als den alleinseligmachenden Monismus'. Man sieht es gibt auch auf anderen Gebieten, alss dem der Religion, das, wa# man Intoleranz zu nennen pflegt und nicht die katholische Kirche allein hat ihren Papst. Für diese Weltanschauung gibt es1 keine Zweiteilung in einen „mundus sensibilis", eine erkennbare Welt, und in einen „mundus intelligibilis", eine übersinnliche Welt, wie sie noch Kant vornahm. Wie können Gottj Freiheit, Unsterblichkeit erkannt werden, wenn durch! öi<6 reine Vernunft bewiesen wird, daß der Menschi nicht imstande ist, sie zu erkennen? Der Monismus lüherläßt demnach diese übernatürliche, metaphysische Welt dem Glauben und der Dichtung und beschränkt sich1 auf die wirklich physis'chk Welt, die Natur. Für ihn gibt es! keine Wunder, Er betrachtet es als "seine Pflicht, den Wunderglauben^ sei es den Fetischismus der Naturvölker, sei est der zivilisierten Nationen, sei es den Piatos oder den dös Mittelalters oder den der modernen Metaphysik als Ausgeburt der Unvernunft und des Aberglaubens zu bekämpfen. Der Monismus weist auch: jeden Spiritismus und Okkultismus weit von sichl Will sich die Welt durch diese verschiedenen Aharten des Wunderglaubens betrügen lassen, desto sehhmmer für sie. Betrogen zu werden ist nun einmal ihr Geschick. Der spiritistische Schwindel ist besonders gefährlich, wenn er sich in das Gewand der Naturwissenschaft kleidet, und er sich1 das Mäntelchen de» Monishius umlegt, wie dies zum Beispiel Karl du Prel in seiner „monistischen Seelenlehre" tut, die vor nun 30 Jahren erschien. Man sieht, trotz allem; Monismus sind Mystizismus und Aberglauben picht a«szurotten. Wir stammen eben allesamt von prähistorischen Barbaren und Naturmenschen ab; und deren Anfänge religiöser Vorstellungen waren ganz von Animismus und Fetischismus beherrs'cht. Doch genug dieser Ausführungen, die jedermann heute in den auch in sehr guten Volksausgaben erschienenen Werken Häckels „Die Welträtsel" und in deren Ergänzungsbande „Die Lebenswiinder" nachlesen kann. Wenden wir uns zu der Frage: Wie können wir Juden uns1, wenn im' Retfgionsunterrich'te derartige Fragen aufgeworfen werden, mit "ihnen auseinandersetzen? Können wir Darwin und Häckel lühersehen? Djürfen wir diese Fragen denkender Schüler abweisen? Vor allem bedauern wir es, festzustellen, daß| an uns von den Schülern der höheren Klasse unserer Mittelschulen nicht mehr diese Fragen im Rehgionsünterrichte werden gerichtet werdein können, weil dieser eben im tschechb-slowakis'chen Staate aufgehoben wurde. EsS hat demnach diese? Auseinandersetzung für uns» nur ges(^chtKcben Wert. Möge sie den Lehrern unserer Religion, Wo immer siet sicß befinden, vielleicht praktische: Winke gehen, wie sie sich zu verhalten haben, wenn der „Epikurusi" fragt, und wie sie ihm erwidern sollen- Der größte Fehler w/äre es1, wenn der Lehrer solche Fragen schroff zurückwiese, oder sie gänzHchfin schlechtverstandener Pädagogik, sei 'sie nur.duahstisebi oder monistisch^ um! mit Häckel zu sprechen, ignorierte. Vogel Strauß-Politik dürfen wir nicht betreiben, wenn auch1 die ReKgibnststunde nicht dazu da ist, um sich mit Darwins1 „Entstehung der Arten", der „Welträtseln" und ,-,Lebenswiindern", nämlich/ deren Hackeis, auseinanderzusetzen. . Nacht Häckel ist der Mittelpunkt der drei großen „Mediterran; - Religionen", — kein schönes und kein wissensehaffiich.es' Wort, — der persönliche Go#, dalsl heißt, fein höchstes Wesen mit idealisierten, menschlichen Eigenschäften. Dieser „anthiropomorphe Gott", wenn er auch von Juden, Christen

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